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Facettenreiche Werke bewunderten die Besucher der Vernissage zur Jahresausstellung des Kunstkreises Fischbachau im Klostersaal. Die Schau ist noch bis Sonntag, 3. April, zu sehen.

Jahresausstellung im Klostersaal

Kunstkreis Fischbachau zeigt seine Werke

Fischbachau - 16 Künstler zeigen bei der Jahresausstellung des Kunstkreises Fischbachau im Klostersaal ihre Werke. Ein Abstecher lohnt in jedem Fall.

Beim ersten Blick in den Fischbachauer Klostersaal stechen vier Gemälde ins Auge. Es handelt sich um einen Zyklus. Vier Bilder, vier Jahreszeiten. Kennedy Osomwota steht vor einem davon. Das da auf dem Bild, das ist er, sagt er stolz. Künstlerin Vivien Cahusac de Caux hat ihn gemeinsam mit drei anderen Asylbewerbern aus Fischbachau porträtiert. Ihre Träume und Geschichten hat sie zu farbenfrohen Gemälden in Öl verarbeitet. 

Jetzt hängen sie neben zahlreichen anderen Werken bei der Ausstellung im Klostersaal. Seit 22 Jahren veranstaltet der Fischbachauer Kunstkreis mindestens einmal jährlich eine Werkschau. Zeitweise seien es mehr oder weniger vereinsinterne Veranstaltungen gewesen, erinnert sich Susanne Noll. Sie ist die gute Seele des Organisationsteams. In den vergangenen Jahren habe sich die Ausstellung jedoch zum Publikumsmagneten gemausert. Bürgermeister Josef Lechner freute sich in seinem Grußwort, dass der Kunstkreis das Gemeindeleben um eine weitere Facette bereichere. 

Bei der Ausstellung herrscht ebenfalls Facettenreichtum. Heinz Findeiss zeigt Fotos, die er auf Reisen und in der Heimat geknipst hat. „’s Bruckerl“ malte Bärbel Wünsche kubistisch mit kräftigen Aquarell- und Pastellfarben. Und Brigitte Nevole nutzt babyweiche Pastelltöne. Förmlich greifbar ragen Farbschichten aus der Bildfläche hervor. 

Jedes Jahr fertigen die Fischbachauer Künstler je ein Werk zu einem gemeinsamen Thema. Heuer: Lichtblicke. Ricci Bernrieder setzte das Thema zeichnerisch filigran um, Schwarz-Weiß mit Feder. Zwei Menschen kriechen auf den Knien durch die Wüste, die Zungen hängen ihnen aus dem Mund. In der Ferne ihr Lichtblick: ein tropfender Wasserhahn – mitten in der Wüste. Das sollte „eine Gaudi“ sein. Bernrieder: „Schließlich gibt es in der Wüste keine solchen Wasserhähne“. 

Rudolf Peukert bevorzugt dagegen den Wald. Wenn er ein Stück Holz sieht, kitzelt es ihm in den Fingern. Der Forstwirt hat einen halb verfaulten, hohlen Apfelbaumstumpf zu „Erzengel Gabriela“ verwandelt – mit der Motorsäge. Die Technik sei in den USA gerade en vogue, dort würden Wettbewerbe im Motorsägeschnitzen abgehalten, erzählt er. Grinsend beäugen die Besucher der Vernissage ein Stück helles Fichtenholz, das nach Bearbeitung aussieht wie der Schuh eines Riesen. Mit seinen Holzskulpturen ist Peukert der einzige bildende Künstler unter den 16 Ausstellern. 

Osomwota gefällt die Schau nicht nur wegen der Kunstwerke. Er lerne dadurch auch neue Leute kennen, sagt er erfreut. Und überhaupt, es sei die erste Kunstausstellung dieser Machart, die er besucht. Welches Werkstück gefällt ihm besonders? Da muss er nicht lange überlegen. Zielstrebig geht er zu Brigitte Appelts Bild „Irgendwo in Oberbayern“. Es erinnere ihn an Afrika. Tatsächlich schaut der ockerfarbene Himmel wie ein sandiger Boden aus. Das Grün des gemalten Waldes gleicht farblich der Flora der Savanne. Und dann erst der Heustadel: „Fast so wie die Häuser bei uns in Nigeria“, bemerkt Osomwota schmunzelnd. 

Ein bisschen länger überlegen muss er bei den „Kindheitserinnerungen“ von Andrea Bahrs. Die Künstlerin hat eine alte Krachlederne auf einen Holzrahmen genagelt. Daneben das Bild eines historisch anmutenden Teddybären. Was das wohl ist, rätselt Osomwota und runzelt die Stirn. Tracht hat er in seinen drei Monaten in Bayern noch nicht gesehen.

Von Johanna Wieshammer

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