Sängerin und Komponistin Kathi Greinsberger (l.) in jungen Jahren bei den Fischbachauer Sängerinnen mit Rosi Prochazka, die 2017 starb, und Fanni Bucher.
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Sängerin und Komponistin Kathi Greinsberger (l.) in jungen Jahren bei den Fischbachauer Sängerinnen mit Rosi Prochazka, die 2017 starb, und Fanni Bucher.

Von den Fischbachauer Sängerinnen bis zu den Liederbüchln

Zum 90. von Kathi Greinsberger: Die Musik steht für sie im Mittelpunkt

Die Musik ist der Mittelpunkt ihres langen Lebens, seit 90 Jahren: Sängerin und Komponistin Kathi Greinsberger von den Fischbachauer Sängerinnen konnte jetzt ihren 90. Geburtstag feiern.

Fischbachau - Sie gehörte zu den bekanntesten Singstimmen Bayerns: Kathi Greinsberger. Zusammen mit ihren Freundinnen Fanni und Rosi wurde sie als eine der Fischbachauer Sängerinnen bekannt. Jüngst hat sie ihren 90. Geburtstag gefeiert.

Zum runden Geburtstag brachte der Postbote eine Fülle an Gratulationen und guten Wünschen. Ein ganzer Korb voller Briefe steht auf dem Tisch in der Stubn. Auch Blumen wurden geschickt. Von Landtagspräsidentin Ilse Aigner kam ein Schreiben. Sie dankt der Fischbachauerin für ihren lebenslangen Einsatz für Volksmusik und bayerische Kultur. Mit ihren 90 Jahren ist Kathi Greinsberger eine unvergessene Größe, auch wenn es ihr selbst gesundheitlich inzwischen nicht mehr gut geht und sie nicht mehr unter die Leut’ geht. Barbara Stadler, ihre Nichte, kümmert sich um sie. Seit Jahren hat sie schon die „Webstube“ im Maierfeld mit ihr zusammen geleitet, die Kathi Greinsberger vor fast 60 Jahren ursprünglich neben der Apotheke in Fischbachau geründet hatte. „Ich mach’s weiter, ganz wie’s war“, erzählt Stadler.

Es ist ein außergewöhnliches Leben, das Kathi Greinsberger gestaltet und gemeistert hat. Aus der Bauerntocher vom Lechnerhof in Faistenau wurde eine der bekanntesten bayerischen Volksmusiksängerinnen. Sie war die Erste Stimme des bekannten Frauendreigsangs, sie war sein Sprachrohr und die Organisatorin.

Sie schrieb die „Fischbachauer Messe“ und mehrere Liederbüchl

Schon in der Schulzeit bei den Armen Schulschwestern von Birkenstein lernten sich die Mädchen kennen. Beim Zitherunterricht bei Schwester Ida freundete man sich an. Als die Kinder, alle Jahrgang 1931, in die Schule kamen, war Krieg. „Das war keine Zeit für Lustigkeit und Umtrieb“, sagte Greinsberger einmal. Erst danach wurden sie gefördert, der Trachtenverein entsandte sie 1947 zum „Tegernseer Kindersingen“. Ihr erstes Lied war „A Herz wia a Vogerl“, sie sangen es dreistimmig. Und das war das Besondere, das gab es bis dahin kaum. Zwei Volksmusiklegenden, der Kiem Pauli und der Sontheim Sepp, förderten die jungen Sängerinnen.

Mit 16 oder 17 begann Greinsberger, auch selbst „Liadl aufzuschreiben“. Sich als Liedermacherin oder Komponistin zu bezeichnen, das kommt ihr nicht in den Sinn. Die größte Freude hatte sie, wenn selbst Fanni und Rosi glaubten, dass es sich um ein altes Stück handelte. „Irgendwann bin ich dann aufgeflogen, weil ich die Noten halt auf einem Zettel hatte und nicht aus einem Liederbuch.“

Katharina Greinsberger (l.) mit ihrer Nichte Barbara Stadler.

Dass man auf ihre Fischbachauer Liederbüchl hinweist, daran liegt ihr schon. 1968 erschien das erste, darin wurden 25 ihrer ersten selbst geschaffenen Lieder veröffentlicht. Im dritten Fischbachauer Liederbüchl waren noch einmal 21 eigene Lieder enthalten. Die „Fischbachauer Messe“ entstand dann in den 1980er Jahren. Die Uraufführung fand in der Fischbachauer Kirche statt, mit dem Winkler Sepp aus Kreuth an der Zither und Martin Prochazka, dem Sohn von Rosi, an der Gitarre. „Sie hat auch Teile ihrer Texte, nicht nur die Musik, selbst geschrieben“, sagt Barbara Stadler. „Und sie hat ihre Lieder und Werke anderen Musikanten auch zur Verfügung gestellt.“

Ihr Geld hat Greinsberger mit ihrer Webstube verdient, hat Dirndlgwander entworfen und auf Märkten verkauft, bis sie sich ihr Haus baute und dort den Laden eröffnete, den es bis heute gibt. „Meine Tante ist eine rundrum kreative und künstlerische Frau“, sagt Stadler. „Ich bewundere, wie sie ihr Leben allein gemeistert hat. Sie hat wirklich viel geschaffen in ihren 90 Lebensjahren.“

Mit dem Singen musste Kathi Greinsberger schon vor mehr als 20 Jahren aufhören, die Stimme machte nicht mehr mit. Aber dann förderte sie eben die Jugend, schrieb ihre Lieder und Büchl oder moderierte manchmal im Rundfunk. Hauptsache, sie hatte mit Musik zu tun. Die ist der Mittelpunkt ihres langen Lebens. Seit 90 Jahren.

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Sonja Still

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