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Hat Großes vor: Johannes Lohwasser (29), Bürgermeisterkandidat der Freien Wähler Fischbachau.

„Ich bin mir der großen Verantwortung bewusst“

Von der Uni ins Rathaus: Johannes Lohwasser (29) will Bürgermeister werden

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Kommunalwahl 2020 in Fischbachau: Nach der CSU haben auch die Freien Wähler einen Kandidaten für das Bürgermeisteramt präsentiert: Johannes Lohwasser (29).

Fischbachau– Seine ersten Wähler hatte Johannes Lohwasser (29) schon in der Tasche, da wusste er noch nicht mal, dass er irgendwann tatsächlich für ein politisches Amt kandidieren wird. Bei der Vorbereitung der Primizfeier von Josef Rauffer im Sommer 2017 kümmerte sich der seit seiner Kindheit kirchlich engagierte Elbacher um rund 80 Ministranten. Als er ihnen erzählte, dass er Volkswirtschaft studiert, fragten sie ihn, was er denn später damit machen möchte. Der Gaudi halber antwortete Lohwasser: „Ich werde Bürgermeister.“ An die Antwort der Jugendlichen erinnert er sich noch heute gern: „Sie haben gesagt, dass sie mich wählen würden.“

Etwas mehr als zwei Jahre später sitzt Lohwasser neben Hans Seemüller, Fraktionsvorsitzender der Unabhängigen Freien Wähler Fischbachau, im Stüberl des Gasthof Zenzinger in Wörnsmühl und kündigt freudestrahlend an, dass aus der Gaudi von einst ein ernsthaftes Vorhaben geworden ist: Der 29-Jährige kandidiert bei der Kommunalwahl 2020 neben Josef Obermaier (CSU) für das Bürgermeisteramt. Einstimmig haben ihn die Vertreter aus Gemeinderatsfraktion und Ortsvorstand für die Nominierungsversammlung Anfang November vorgeschlagen. „Es ist ein Glücksfall, dass wir ihn als Kandidaten gefunden haben“, schwärmt Seemüller. „Der Jugend gehört die Zukunft.“

Kommunalwahl 2020 in Fischbachau: Johannes Lohwasser (29) tritt an

Wie diese aussehen könnte, daran forscht Lohwasser in seiner Doktorarbeit, die er gerade an der Universität der Bundeswehr in Neubiberg erstellt. Darin untersucht er die Wechselwirkungen zwischen CO2-Ausstoß und Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum. Der Begriff Nachhaltigkeit werde oft einseitig auf die Umwelt angewandt, erklärt Lohwasser. Tatsächlich aber müsse man ihn immer im Zusammenhang mit dem Menschen und der Wirtschaft sehen – und auch dementsprechend handeln.

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Wie das auf lokaler Ebene gelingen kann, könnte der 29-Jährige als Fischbachauer Bürgermeister herausfinden. Eine Kandidatur zu Forschungszwecken also? Oder gar nur als Karrieresprungbrett zu einem internationalen Konzern? Lohwasser schüttelt so heftig den Kopf, dass seine blonden Locken wackeln. „Ich mache das mit ganzem Herzen und bin mir der großen Verantwortung bewusst.“ Gerade durch sein Studium mit einem Auslandsaufenthalt in Padua sei ihm noch mehr bewusst geworden, wie sehr er seine Heimat im Leitzachtal liebe.

Diese Verbundenheit geht sogar aus dem Lebenslauf hervor, den Lohwasser zum Pressegespräch mitgebracht hat. Nach dem Abi 2009 am Gymnasium Miesbach absolvierte der Elbacher ein Freiwilliges Soziales Jahr an der Schule in Neuhaus, seit 2010 zeigt er als DAV-Wanderleiter Einheimischen und Gästen die hiesigen Berge. Seine Begeisterung für die Region lebt Lohwasser zudem seit 2012 als Mitarbeiter der Schlierseer Gäste-Info aus. Und auch dem Ehrenamt im Pfarrverband ist der ehemalige Ministrant treu geblieben: als Mitglied der Kirchenverwaltung.

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Politische Ämter tauchen in Lohwassers Biografie bislang nicht auf. Aus Interesse für die Kommunalwahl 2020 habe er vor ein paar Monaten bei den Versammlungen der Freien Wähler Fischbachau vorbeigeschaut, erzählt er. „Die offene und sachliche Diskussionskultur hat mich beeindruckt.“ Nach und nach habe er den Wunsch verspürt, sich selbst politisch zu engagieren. Viele Gespräche mit Freunden, seiner Familie und den Mitgliedern der Freien Wähler später stand für Lohwasser fest, gleich das höchste politische Amt einer Gemeinde anzustreben: den Chefsessel im Rathaus.

Dem 29-Jährigen ist bewusst, dass ihm intensive Monate bevorstehen. Neben seiner Vollzeit-Tätigkeit an der Uni (seine Doktorarbeit will Lohwasser auch als Bürgermeister fertigstellen) will er sich in die Gemeindepolitik einarbeiten. Neben dem Besuch von öffentlichen Sitzungen und der Recherche in Protokollen wird Lohwasser möglichst viele Gespräche mit Bürgern führen. „Ich möchte austarieren, wo der Schuh drückt“, sagt er.

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Über den Ausgang der Abstimmung macht sich der 29-Jährige jetzt noch keine Gedanken. Auf seine Ministranten setzt er aber dennoch. „Vielleicht“, meint Lohwasser schmunzelnd, „dürfen ja einige von ihnen mittlerweile selbst wählen.“

sg

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