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Mehr wie ein Feldweg als eine Straße sieht der Kramersteig in Hundham aus. Jetzt will die Gemeinde die vor Jahrzehnten versäumte Ersterschließung nachholen.

Das Ende der Schotterstraße

Kramersteig: Anwohner müssen durch Trick weniger zahlen

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Der Hundhamer Kiesweg „Kramersteig“ soll erschlossen werden. Das müssten eigentlich die Anwohner aus eigener Tasche zahlen. Die Gemeinde übernimmt aber trotzdem den Löwenanteil.

Hundham – Bei Sonne staubig, bei Regen voller Pfützen: Der Kramersteig in Hundham ist eine Schotterstraße mitten im Ort. Eine Altlast, mit der die Gemeinde schon lange kämpft, wie Fischbachaus Bürgermeister Josef Lechner (CSU) im Gemeinderat erklärte. Das Problem: Der Kramersteig ist nicht ersterschlossen. „Damit dürften wir ihn streng genommen gar nicht unterhalten“, sagte Lechner. Der Winterdienst sei problematisch, und bei Starkregen schwemme es den Kies bis in den Rathausweg und die Staatsstraße 2077. Deshalb müsse man das Thema irgendwann anfassen, meinte Lechner. Und dieses irgendwann sei jetzt gekommen. „Auch wenn wir die Anwohner damit nach Jahrzehnten zur Kasse bitten müssen.“

Grundlage dafür ist die sogenannte Erschließungsbeitragssatzung. Diese sieht vor, dass die Anwohner die Baumaßnahme größtenteils aus eigener Tasche bezahlen müssen. Der Gemeindeanteil ist mit zehn Prozent überschaubar. Zum Glück für die Grundstücksbesitzer hat die Gemeinde aber 2016 die angrenzende Caritas-Siedlung gekauft. „Damit sind wir selbst der größte Eigentümer am Kramersteig“, sagte Lechner.

Eine Kostenschätzung beim Ingenieurbüro Infra habe eine Summe von 330.000 Euro für den Vollausbau ergeben. Der Minimalausbau mit zwei statt acht Straßenlaternen und ohne Bepflanzung würde mit 260.000 Euro zu Buche schlagen. Davon abgezogen würden der verpflichtende Gemeindeanteil von zehn Prozent plus der Umlagebetrag für das Caritas-Grundstück.

Um die Geldbeutel der Anwohner zusätzlich zu schonen, würde die Gemeinde auch bei der günstigen Variante den Betrag für den Vollausbau in Höhe von 84 500 Euro bezahlen, kündigte Lechner an. Für die Bürger blieben damit 149.500 Euro übrig. Umgerechnet also 10,56 Euro pro Quadratmeter. Für ein 1000 Quadratmeter großes Grundstück mit einem Haus mit zwei Vollgeschossen würden damit 13.728 Euro fällig, rechnete der Bürgermeister vor.

Damit die Gemeinde diese Variante durchführen darf, müssten aber alle Eigentümer einen städtebaulichen Vertrag unterzeichnen. Mit einer Ausnahme hätten dies bereits alle getan, berichtete Lechner. Die noch fehlende Unterschrift erklärte er mit einem Eigentümerwechsel an einem der Grundstücke. Deshalb habe sich die Gemeinde entschieden, die Frist bis Ende Juni zu verlängern. Sollte der neue Besitzer aber wider Erwarten sein Einverständnis verweigern, würde automatisch der Vollausbau greifen.

„Dann müssen aber alle wegen einem bluten“, meinte Manfred Kreuzmayr (FWG). „Das ist schon grob.“ Lothar Prack (Neue Liste) erkundigte sich, ob es in so einem Fall eine Einspruchmöglichkeit gebe. Lechner schüttelte den Kopf. Der einzige Weg sei eine Klage gegen den Gebührenbescheid. „Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass sich einer verweigert“, sagte der Bürgermeister. Schließlich müsste dieser dann ebenfalls die größere Summe für den Vollausbau bezahlen. Ein Argument, das auch die Skeptiker am Ratstisch überzeugte. Die beiden notwendigen Beschlüsse fielen einstimmig.

Bernhard Padeller (FaB) war gedanklich schon einen Schritt weiter. Er schlug vor, auch die Anwohner der Privatstraße Am Hag in die Planung mit ins Boot zu holen. Der Weg sei das Hauptproblem für das Geschiebe, das sich bei Starkregen Richtung Staatsstraße bewege. „Der Kindergarten ist deshalb schon zwei Mal abgesoffen“, sagte Padeller.

Ein Gespräch zu diesem Thema sei bereits geplant, antwortete Lechner. Im Juli werde er über die weiteren Schritte informieren. Ziel sei es, die Arbeiten noch heuer auszuschreiben. „Dann könnten wir die Maßnahme 2018 durchführen.“

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