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Die Fächer bleiben vorerst leer: Klaus Waldschütz, Vorsitzender des Leitzachtalvereins, vor den neuen Holzregalen im alten Schulhaus in Elbach. Weil die dem Kreisbaumeister nicht gefallen, ist das Archiv noch nicht eingezogen.

Umzug steht in den Sternen

Leitzachtalarchiv: Kreisbaumeister bemängelt nagelneue Regale

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Eigentlich sollte das Leitzachtalarchiv längst in das alte Schulhaus in Elbach umgezogen sein. Doch die Regale sind noch leer. Und genau die sind für den Kreisbaumeister ein Problem.

Elbach – An sich wäre alles bereit für den Umzug. Vor ziemlich genau einem Jahr hat der Leitzachtalverein die Holzregale für die alten Bücher seines Archivs im frisch restaurierten alten Schulhaus in Elbach aufgestellt. Doch sie stehen auf wackligen Füßen, wie Klaus Waldschütz, Vorsitzender des Leitzachtalvereins, auf Nachfrage unserer Zeitung erklärt. „Der Kreisbaumeister macht Schwierigkeiten“, sagt Waldschütz. Die Regale, die der Verein für gut 12 000 Euro von einem Schreiner hat anfertigen lassen, würden angeblich nicht zum denkmalgeschützten Haus passen. Waldschütz kann da nur den Kopf schütteln. „Irgendwo“, sagt er, „hört der Spaß auf.“

Doch der Einspruch von Kreisbaumeister Werner Pawlovsky ist durchaus ernst gemeint, teilt Sophie Stadler, stellvertretende Pressesprecherin des Landratsamts, auf Anfrage mit. Der Leitzachtalverein habe den Raum in Eigenregie mit Regalen vollgestellt – ohne Rücksprache mit der Denkmalschutzbehörde oder der Gemeinde Fischbachau als Hauseigentümerin zu halten. Leider seien die Regale „überdimensioniert in Größe und Anzahl“.

Auch das Material sei ungünstig gewählt. Weil die „massiven Regale“ rückseitig verplankt seien, werde laut Pawlovsky „das Raumerlebnis empfindlich gestört“. Alles in allem sei die Möblierung nicht denkmalgerecht. Als Kreisbaumeister könne Pawlovsky dieses Vorgehen nicht unterstützen, zumal das alte Schulhaus mit der Denkmalmedaille des Landkreises ausgezeichnet wurde.

Als Ausweg strebe die Behörde eine gemeinsame Lösung mit den Beteiligten an, sagt Stadler. So könne sich der Kreisbaumeister ein „transparentes Interieur“ vorstellen, zum Beispiel in Form von Glas- oder Riffelblechplatten mit schlanken Metallprofilen. Sollte es „wider Erwarten“ bei den Holzregalen bleiben, sei die Untere Denkmalschutzbehörde – wie bei allen Verstößen – gezwungen, „kostenpflichtige Bescheide auszustellen“.

Tatsächlich findet am Montag ein Gespräch statt, berichtet Waldschütz. Schon jetzt macht der Vorsitzende des Leitzachtalvereins aber klar, dass er von Pawlovskys Vorschlag nicht viel hält. Es sei allgemein bekannt, dass sich Papier nicht gut mit Metall verträgt. „Wir haben Bücher aus dem 12. Jahrhundert“, sagt Waldschütz. Zudem sei das Archiv nicht für die Allgemeinheit zugänglich. Deshalb die teuren Holzregale wegzuwerfen und für viel Geld neue Möbel anzuschaffen, sehe er nicht ein. „Wir machen das ja nicht zum Spaß“, schimpft Waldschütz.

Bürgermeister Josef Lechner hofft dennoch auf eine einvernehmliche Lösung. Ein Kunstschmied habe bereits einen Entwurf für eine denkmalgerechte Variante der Regale ausgearbeitet. Sich der Behörde zu widersetzen, hält Lechner für gefährlich. „Damit würden wir die Grundlage der Förderbescheide für die Sanierung des Hauses aufs Spiel setzen.“ 535 000 Euro haben die Arbeiten an dem 350 Jahre alten Gebäude gekostet. Das Amt für ländliche Entwicklung, der Bezirk Oberbayern und eben auch der Denkmalschutz beteiligten sich mit insgesamt 194 000 Euro.

Waldschütz will im Regalstreit trotzdem nicht klein beigeben. Er kündigt an, eine höhere Instanz in Sachen Denkmalschutz um eine Einschätzung zu bitten. Im schlimmsten Fall werde man das Archiv im Haus auf der gegenüberliegenden Straßenseite belassen, meint Waldschütz: „Dann ziehen wir eben nicht um.“

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