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Es gibt kein schlechtes Wetter: Rund 300 Hundhamer Leonhardi-Fahrer trotzten mit Kaffee aus Thermoskannen, Wolldecken und heißen Würsten der Kälte. 

„Wer Lehards verstanden hat, hat den Geist Gottes entdeckt.“

Leonhardi Hundham 2019: 60 Gespanne, 300 Wallfahrer und null Grad

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„Beim scheena Weda kann a jeder Lehards fahren“, sagte Pfarrer Josef Spitzhirn beim Leonhardi-Ritt in Hundham. Über 60 Gespanne und rund 40 Reiter trotzten der Kälte.

Hundham – „Beim scheena Weda kann a jeder Lehards fahren“, sagte Pfarrer Josef Spitzhirn beim Anblick der Leonhardi-Wallfahrer am Samstag in Hundham. Über 60 Gespanne und rund 40 Reiter trotzten Kälte und Schneeregen – weit mehr als Zuschauer.

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Leonhardi Hundham 2019: Die Bilder zur Veranstaltung

Leonhardi Hundham 2019: 60 Gespanne, 300 Wallfahrer und null Grad

Zapfige Temperaturen und Regen, der anfänglich sogar in Schneeregen überging - eine Herausforderung für die insgesamt rund 300 Wallfahrer, die am Samstag zum längsten Leonhardizug im Landkreis Miesbach zusammen kamen. Schon auf dem Weg nach Hundham sah man, dass sie sich gut gerüstete hatten. Die Standarten der Trachtler, Gebirgsschützen und Ortsvereine steckten in Schutzfolien, ebenso manch Trachtenhut. Ganze Wägen inklusive Besatzung waren unter Folien verschwunden und Schalkfrauen kauerten in Tücher gehüllt unter schwarzen oder grünen Schirmen, sodass manch Truhenwagen wie eine überdimensionierte Schildkröte anmutete. 

Zum Aufwärmen der Wallfahrer wurden bei der Aufstellung entlang der Leitzachtalstraße und Feilnbacher Straße Becher mit heißen Getränken und eimerweise heiße Würstl zu den Truhenwägen gebracht. Auch die wenigen Besucher wärmten sich schon vor Beginn des Umritts an den Ständen. Alle waren froh, als die Kutsche mit Pfarrer Josef Spitzhirn und Konzelebrant Pater Robin auftauchte und sich der Zug in Satz setzte.

Aus drei Richtungen kommend, fügten sich die mit viel Grün geschmückten Gespanne und Reiter mit ihren aufgeputzen Süddeutschen Kaltblütern in allen erdenklichen Fellfarben von Rappe bis Tiger, Warmblütern und Haflingern, Ponys Friesen und norwegischen Fjordpferden zusammen. Besonders eindrucksvoll waren die beiden aufgeregten Zuchthengste Saturn und Steinach aus Bad Feilnbach und die Gelassenheit ihrer Reiter.  Entspannt waren auch die Rösser, die die Musikkapelle zogen, die Modelle der Hundhamer Leonhardikapelle, der Kesselkapelle und eines brennenden – oder zumindest rauchenden – Hauses, das vom heiligen Florian gelöscht wird. Im Innern, erklärte Fischbachaus Bürgermeister Josef Lechner, säßen drei Buben, die Pumpe und Ofen bedienten.

Nachdem der Zug die rund vier Kilometer lange Schleife um den Ort das erste Mal gefahren und von der Geistlichkeit gesegnet worden war, nahmen die Gläubigen Aufstellung auf den Wiesen rund um die 1604 erstmals erwähnte Leonhardikapelle. 30 Minuten lang läutete Mesnerin Christine Wörndl, für die ihre 35. Leonhardimesse Jubiläum und Abschied vom Amt war, die Glocken - bis alle Teilnehmer  standen. Vorne die Bürgermeister Lechner und von Löwis aus Holzkirchen und Bundestagsabgeordneter Alexander Radwan. 

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Pfarrer Spitzhirn zu Leonhardi: „Wer Lehards verstanden hat, hat den Geist Gottes entdeckt.“

Das Wetter klärte auf. Pfarrer Josef Spitzhirn sagte augenzwinkernd: „Wenn wir noch warten, kommt noch die Sonne raus. Aber was sein muss, muss sein: Zu Lehards gehört eine Predigt.“ Mit dem Gleichnis vom Schatz im Acker machte Spitzhirn deutlich, dass ein Schatz etwas oder jemand Wertvolles ist, den zu finden zum Leben dazugehört. Wenn man seinen Schatz dann gefunden hat, würde das das Leben verändern und einen zu Dingen befähigen, zu denen man vorher nicht in der Lage gewesen wäre. „Die Freude gibt Kraft und macht uns freier“, sagte der Pfarrer und mahnte, dass der aahre Schatz das Himmelreich Gottes sei. 

Der Heilige Leonhard habe sich für die Unfreien eingesetzt und habe sie Gott, Christus und dem Himmel nähergebracht. In Leonhards Sinne zu handeln, heiße Mensch, Tier und Natur gut zu behandeln - dafür brauche es keine Greta Thunberg. „Wer Lehards verstanden hat, hat den Geist Gottes entdeckt. Lehards gibt Kraft, ein neuer befreiter Mensch zu sein“, sagte der Geistliche und forderte die Leonhardi-Wallfahrer zur zweiten Rundfahrt und Segnung unter dem Kreuz auf.

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