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Ehre für den treuen Fahrer: Vorsitzender Georg Gasteiger (l.) und Musikmeister Klaus Taubenberger (r.) zeichnen Lorenz und Magdalena Gruber für 50 Jahre als Fahrer der Musikkapelle Fischbachau bei Leonhardi in Hundham aus. 

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Leonhardi Hundham: Rosserer chauffiert seit 50 Jahren die Musikkapelle

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Lorenz Grubers Pferde marschieren gern im Takt: Seit 50 Jahren chauffiert der Fischbachauer die Musikkapelle Fischbachau bei der Leonhardifahrt in Hundham.

Fischbachau – Bei der Musikantenprobe müssen die Rösser von Lorenz Gruber (63) nicht vorbeischauen. Doch ein bisschen müssen sie sich schon an die Blasmusik gewöhnen, bevor sie an Leonhardi in Hundham die Musikkapelle Fischbachau hinter sich her ziehen. „Trommelschläge mögen Pferde normalerweise nicht so gern“, sagt Gruber. Deshalb bereitet er sie auf ihren großen Einsatz vor: mit Blasmusik aus dem Radio im Stall. Der Effekt ist erstaunlich: „Bei Leonhardi marschieren sie dann sogar im Takt der Musik“, erzählt Gruber begeistert.

Seit 1952 chauffieren die Rösser der Familie Gruber in Faistenau bei der Hundhamer Leonhardifahrt die Musikkapelle. „Eine ehrenvolle Aufgabe“, schwärmt Gruber. Er selbst hält die Zügel seit einem halben Jahrhundert in der Hand. Die Leonhardifahrt am kommenden Samstag wird seine 50. als Musikanten-Fuhrmann. Dafür haben Musikkapellen-Vorsitzender Georg Gasteiger und Musikmeister Klaus Taubenberger ihren treuen Chauffeur nun mit einem Überraschungsbesuch auf seinem Hof geehrt.

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Bei Dunkelheit habe man sich für den Auftritt aufgestellt, erzählt Gasteiger. Mit dem Marsch „Mein Heimatland“ seien die Musiker dann vor die Haustür der Grubers. „Den können wir auswendig und damit auch ohne Licht spielen“, scherzt Gasteiger. Nachdem der völlig überraschte und sichtlich gerührte Hausherr dem Ehrenständchen gelauscht hatte, überreichten Gasteiger und Taubenberger ihm eine eigens von einem begabten Handwerker der Kapelle angefertigte Schnitzarbeit. Sie zeigt einen von einer Lyra umrahmten Pferdekopf. Ein Symbol für die enge Verbindung zwischen Musikern und Rosserern. „Da ist eine lange Vertrauensbasis da“, lobt Gasteiger das Verhältnis der Kapelle zu Gruber und seinen Pferden. Dies feierten alle gemeinsam mit einer Brotzeit im Keller des Hofs – ebenfalls Teil der Überraschung.

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Überraschend ist Gruber einst auch Chauffeur der Musiker geworden. Weil eins der Kutschenpferde erkrankt war, sprang er im Alter von nur 13 Jahren als Vorreiter mit seinem Ross ein. Seitdem lenkt er mit viel Geschick den Kapellenwagen. So auch wieder am kommenden Samstag.

300 Pferde erwartet das Organisationskomitee, verteilt auf 50 Festwagen, Kutschen und Einzelreiter. Die Gespanne stellen sich ab 8.30 Uhr an den bekannten Straßenabschnitten der Zugstrecke auf, die Einzelreiter versammeln sich vor der Leonhardikapelle. Um 9.15 Uhr beginnt die Wallfahrt mit der ersten Pferdesegnung. Die Eucharistie-Feier am Freialtar der Leonhardikapelle schließt sich um 10 Uhr an. Nach dem Festgottesdienst geht es auf die zweite Umfahrt, mit einer weiteren Segnung von Mensch und Tier. Die Staatsstraße durch Hundham bis Greisbach und die Kreisstraße nach Bad Feilnbach werden ab 8.30 Uhr während des Festes gesperrt. An den Ortseingängen stehen genügend Parkplatz zur Verfügung.

Für alle Teilnehmer klingt der Tag dann beim Leonhardi-Ball der Musikkapelle Niklasreuth ab 20 Uhr im Gasthaus Nägele in Wörnsmühl aus.

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