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Der Neue soll’s richten: In seinem kleinen Lebensmittelladen in Elbach sitzt Klaus Waltner (47) bereits seit eineinhalb Jahren an der Kasse. Ab April will er es auch in Fischbachau versuchen.

Nach Filialaufgabe

Letzte Chance für den Dorfladen

Fischbachau - Bürgermeister Josef Lechner musste nicht lange suchen: Klaus Waltner übernimmt den defizitären Nahversorger in Fischbachau. Er hat bereits den Edeka-Laden in Elbach zum Erfolg geführt und will jetzt auch im Nachbarort einiges anders machen als sein Vorgänger.

Der Nahversorger im Kernort Fischbachau ist das große Sorgenkind von Bürgermeister Josef Lechner (CSU). Der Dorfladen, den Lechner mit forciert hat, ist tragisch zugrunde gegangen. Dann übernahm Kurt Friedlmeier, der mehrere große Edeka-Märkte betreibt – ein Profi dachte man. Auch er hat nach einem Jahr aufgegeben und schließt seine Filiale in Fischbachau zum Ende des Monats (wir berichteten). Der Laden habe eine zu geringe Kundenfrequenz, ließ er im Gemeinderat verkünden.

Aber Lechner gibt nicht auf – und er hat nun in seinem unverbesserlichen Optimismus einen Gesinnungsgenossen gefunden. Am Freitag hat Klaus Waltner den Mietvertrag unterschrieben, und dass er am 1. April den ehemaligen Dorfladen wieder aufmachen wird, weiß er auch schon. „Das Datum steht für mich fest“, sagt er unserer Zeitung. Vor eineinhalb Jahren hat der 47-Jährige bereits den kleinen Lebensmittelladen in Elbach übernommen – und dafür eine sichere Stelle als Filialleiter bei Rewe aufgegeben. „Das hätte auch schiefgehen können“, sagt Waltner heute. „Der Laden war schon ziemlich kaputt.“ Ist es aber nicht. Waltner hat mit seinem ganz persönlichen Erfolgskonzept, das er auch auf Fischbachau übetragen will, den Umsatz wieder hochgebracht. „Als Erstes habe ich die Öffnungszeiten radikal geändert.“ Mittagspause und teilweise nachmittags zusperren – „das ist heute nicht mehr zeitgemäß“. Vor allem die Brotzeitler gelte es mitzunehmen. Deshalb hat er für die Handwerker auch frühmorgens geöffnet und extra eine eigene Brotzeittheke eingerichtet, mit heißen Getränken und kleinen Mahlzeiten. „Das hat bombastisch eingeschlagen.“ So ist aus dem verlorenen Lebensmittelgeschäft ein richtiger Treffpunkt für die Elbacher geworden. „Die Leute verweilen bei mir und ratschen beim Kaffee.“ Lebendig gehe es in seinem Laden zu. Einen lebendigen Eindruck macht auch Waltner selbst. „Ich bin ein begeisterter Kaufmann“, sagt er, „nur so geht es.“

Das Lebendige möchte Waltner jetzt nach Fischbachau bringen. Denn im Moment komme ihm der Ort beim Durchfahren „wie eine verlorene Westernstadt“ vor. „Ich will Fischbachau aktivieren, mit dem Laden einen Treffpunkt schaffen.“

Irgendwo zwischen Café und Brotzeittheke soll es auch Lebensmittel zu kaufen geben – und das gut und günstig. „Es ist richtig, dass man bei den Billigprodukten weniger verdient“, verrät Waltner. Trotzdem sei es auch auf kleinem Raum möglich, Lebensmittel zu denselben Billigpreisen anzubieten wie der Großversorger in Miesbach, Hausham oder Aurach. „Das war sicher ein Fehler von anderen“, sagt der Kaufmann, „zu meinen, dass klein auch teuer heißen muss.“ Und wenn es wieder nicht klappt? „Dann“, sagt Bürgermeister Lechner, „sind die Fischbachauer selbst schuld.“ Waltner bleibt zuversichtlich. Seine einzige Sorge: „Dass ich nicht mehr genug Zeit für meine Haflinger habe.“

Klaus-Maria Mehr

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