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2018 wird die letzte Saison: Die Gemeinde Fischbachau hat den Campingplatz am Wolfsee gekauft. Geht es nach dem Wunsch von Bürgermeister Josef Lechner, soll hier ein „oberbayerisches Modelldorf“ entstehen. 

Kauf des Areals ist besiegelt

Modelldorf statt Campingplatz: Gemeinde überplant Wolfsee

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Jetzt ist es raus: Ab 2019 hat die Gemeinde Fischbachau das Zepter am Wolfsee in der Hand. Anstelle des Campingplatzes soll hier ein oberbayerisches Modelldorf entstehen.

Fischbachau – Ein kleines Café am See, ein Maibaum, umringt von alten Bauernhöfen – vielleicht sogar ein Mehrgenerationenhaus: Bürgermeister Josef Lechner macht kein Geheimnis daraus, welche Variante er für die Überplanung des Wolfsee-Areals in Fischbachau favorisiert. Ein kleines, oberbayerisches Modelldorf schwebt ihm vor. „Ein Ensemble aus einem Guss“, schwärmt Lechner. Mit direkter Anbindung an den fußläufig erreichbaren Hauptort. „Dessen Kaufkraft wollen wir stärken“, erklärt er. Quasi im Umkehrschluss soll das neue Wohngebiet an die Biomasse-Heizung in Fischbachau angeschlossen werden.

Als verstecktes Kleinod könnte man den Wolfsee derzeit bezeichnen. In den Genuss der Traumlage mit See- und Bergkulisse kommen in erster Linie Urlauber. Camper, die sich in den Ferien oder auch dauerhaft bei Platzbetreiber Rainer Daiss einmieten. Daiss sei im September 70 Jahre alt geworden und auch gesundheitlich angeschlagen, berichtet Lechner. Weil sich trotz intensiver Bemühungen kein Nachfolger für den Platz gefunden habe, sei man sich nun über den Verkauf des 60 000 Quadratmeter großen Areals an die Gemeinde einig geworden. Aus dem Plan B, wie Lechner diese Variante seit mehreren Jahren bezeichnet, ist damit ein Plan A geworden.

Für die Camper ändert sich jedoch vorerst nichts. Bis Ende 2018 laufe der Betrieb ganz normal weiter, versichert Lechner. Die Gemeinde allerdings drückt aufs Gas. „In einem Jahr müssen die Planungen abgeschlossen sein“, betont Lechner. Den Grundstein für die beabsichtigte Wohnbebauung hat der Gemeinderat mit einer Änderung des Flächennutzungsplans bereits gelegt (wir berichteten). Jetzt geht es an die Ausarbeitung eines detaillierten Konzepts. Neben externen Experten und den Fachstellen bei Behörden soll daran auch der Gemeinderat mitwirken. Noch heuer werde es einen Kreativworkshop für den Wolfsee geben, kündigt Lechner an. Ziel sei ein „einzigartiger Bebauungsplan“ für das gesamte Gebiet.

Denkbar sind laut Lechner mehrere Varianten. „Relativ unwahrscheinlich“ sei hingegen, dass die Gemeinde den Campingplatz selbst weiterführt. Damit die Fans von Wohnwagen und Zelt auch ab 2019 eine Zukunft in Fischbachau haben, arbeitet die Gemeinde aktuell an einem Konzept für den Glockenalm-Platz in Aurach. Nicht nur wegen des absehbaren Endes am Wolfsee ist das Thema wieder akut geworden, meint Lechner. So habe sich der Pächter der Glockenalm verabschiedet, und der Platz sei in der Saison 2017 geschlossen gewesen.

Ideen für eine Wiederbelebung gibt es bereits. Laut Lechner soll das Areal mit neuen Duschen, WC-Anlagen und einem Gemeinschaftshaus den heutigen Standards angepasst werden – ohne, seine Naturnähe und die vielen Bäume zu verlieren. „Das wird kein High-End-Campingplatz“, verspricht der Bürgermeister. Dies würde weder zum benachbarten Hochmoor, noch zu Fischbachaus touristischer Ausrichtung passen. Die Eigentümer des Platzes würden diese Auffassung teilen, so Lechner. Auch ein Pachtinteressent habe sich bereits gemeldet.

Doch es gibt noch vieles zu besprechen. Unter anderem, wer für die notwendigen Investitionen aufkommt und wie hoch in der Folge die Pacht ausfällt. Ziel ist es laut Lechner, die Glockenalm 2018 wieder zu öffnen. „Ob wir es tatsächlich hinbekommen, weiß ich nicht.“ Spätestens 2019 sollte aber alles in trockenen Tüchern sein. Dann wäre ein reibungsloser Übergang der Camper vom Wolfsee nach Aurach möglich.

Wie es mit der Wolfseehalle weitergeht, ist noch offen. Laut Lechner würde die Gemeinde auch hier gerne zuschlagen. Ein Angebot liege Eigentümer Alfons Köck vor. Die Gespräche befänden sich „in den letzten Zügen“. Sollte es mit dem Kauf klappen, würde die Gemeinde die Halle weiterbetreiben und touristisch beleben. Für den Bürgermeister die optimale Ergänzung des Dorfs am See.

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