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Mountainbike: ATS und Fischbachau wollen Trail ausweisen – Grundeigentümer schwer erreichbar

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Von: Christian Masengarb

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Mountainbikes gehören auf den Almen und in den Bergen mittlerweile zum gewohnten Bild. Konflikte mit Wanderern sind programmiert. Die ATS möchte deshalb gezielt Trails ausweisen.
Mountainbikes gehören auf den Almen und in den Bergen mittlerweile zum gewohnten Bild. Konflikte mit Wanderern sind programmiert. Die ATS möchte deshalb gezielt Trails ausweisen. © Thomas Plettenberg

Fischbachau und die ATS wollen einen Mountainbike-Trail ausweisen, um die Radler dort zu konzentrieren und auf allen andere Wegen Konflikte mit Wanderer zu verringern. Nur müssen sie zunächst die betroffenen Grundstückseigentümer erreichen.

Fischbachau – Daran, dass Streitigkeiten zwischen Radfahrern und Wanderern auch auf Fischbachauer Wegen im Corona-Sommer zugenommen haben, ließ Rathaus-Geschäftsleiter Johann Neundlinger in der jüngsten Gemeinderatssitzung keinen Zweifel. „Es gibt immer wieder Konflikte, das ist allen bekannt“, sagte er. Dennoch machte er Gemeinderäten und Zuschauern wenig Hoffnung, dass das Gegenmittel, das die Alpenregion Tegernsee Schliersee (ATS) in petto hat, die Lage schon im kommenden Jahr entspannen könnte. Zu kompliziert ist offenbar die Umsetzung.

Wie berichtet, will das kommunale Tourismus-Unternehmen in allen Landkreis-Kommunen ein bis zwei bestehende Wege als Radl-Trails ausweisen. Der Landkreis solle kein Saalbach Hinterglemm 2.0 werden, betont Tim Coldewey, der das Projekt betreut. Die ATS wolle lediglich die ohnehin am Berg fahrenden Mountainbiker auf einige Strecken konzentrieren, um auf allen anderen Wegen die Konflikte mit Wanderern zu verringern. Entspannung durch Lenkung also. Coldewey: „Manche denken, wir wollen den ganzen Landkreis umgraben. Das ist Quatsch.“ Die bestehenden Wege sollen lediglich etwas renaturiert, einige Kurven befestigt werden.

Wichtigster Baustein dieses Plans sind die Grundstückseigentümer, über deren Flächen die Trails führen sollen. „Ohne sie geht nichts“, sagt Coldewey. Corona habe die Gespräche bereits ausgebremst. Wer derzeit alle ins Boot holen will, brauche viel Zeit. Das Beispiel Fischbachau verdeutlicht nun, wie schwer es sein kann, die Grundstückseigentümer zu erreichen, selbst wenn die Pandemie es ermöglicht.

Die Fischbachauer Verwaltung hatte auf Anregung der ATS rund 35 Grundstückseigentümer, über deren Land eine Strecke führen könnte, zu einem Informationsgespräch geladen – Anfang Oktober, noch bevor die Infektionszahlen explodierten. Gekommen waren auch der inzwischen zurückgetretene Bürgermeister Johannes Lohwasser, Josef Faas von der Unteren Naturschutzbehörde sowie Coldewey und ein Vertreter der Versicherungskammer Bayern.

Nur blieben viele Grundstückseigentümer zuhause: Lediglich etwa ein Viertel von ihnen erschien zum Termin, sagt Neundlinger. Mit ihnen seien Gemeinde und ATS zwar einig geworden. Doch bei einer so geringen Teilnehmerzahl sage das wenig über die Umsetzbarkeit ihres Plans aus. Ob die geplante Strecke je für Radler freigegeben werden kann, bleibt dadurch weiter offen.

Dabei haben Kommunen und ATS die größte Angst der Grundstückseigentümer ausgeräumt. Diese sorgten sich, für Verletzungen von auf ihren Flächen gestürzten Mountainbikern verantwortlich gemacht zu werden. Weil durch eine Gesetzesänderung nun die Haftpflichtversicherung der Gemeinden auch Stürze von Radlern abdeckt, können Grundstückseigentümer beruhigt schlafen. Moutainbike-Trails sind dadurch einfacher umsetzbar. Das müssen die Touristiker nur noch allen mitteilen.

Die ATS will daher nun die verbleibenden Grundstückseigentümer einzeln kontaktieren. Erst wenn mit allen eine Einigung erzielt wurde, will Neundlinger Details über die geplante Strecke an die Öffentlichkeit geben.

Bis Fischbachau einen Trail ausweisen und bewerben kann, dürften also noch Monate vergehen. Sehr wahrscheinlich müssen sich Radler und Wanderer auch im kommenden Sommer weiter dieselben Wege teilen – alle dadurch entstehenden Konflikte eingeschlossen.

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