+
Hier wird’s bald musikalisch: In dieses Gebäude im Ortskern von Elbach darf nach dem Auszug des Leitzachtalarchivs die Elbacher Musikkapelle ihren Probenraum einrichten.

Entscheidung im Gemeinderat

Musiker oder Obdachlose: Wer darf ins alte Leitzachtalarchiv einziehen?

  • schließen

Obdachlose Menschen oder eine heimatlose Musikkapelle? Wer zukünftig ins frühere Haus des Leitzachtalarchivs einziehen darf, musste nun der Gemeinderat Fischbachau entscheiden. 

Fischbachau – Auch wenn man nur die Straßenseite wechselt: Ein Umzug lässt sich nicht von heute auf morgen bewältigen. Vor allem nicht, wenn unzählige alte Bücher in Kisten gepackt werden müssen – und zwar so, dass sie im neuen Zuhause wieder am richtigen Regalplatz stehen. Viel Arbeit hat der Leitzachtalverein in die Umsiedelung seines Archivs ins 2015 fertig sanierte alte Elbacher Schulhaus gesteckt. Jetzt steht das alte Gebäude leer – und die Gemeinde macht sich als Eigentümerin Gedanken über die zukünftige Nutzung. Zwei mögliche Nachfolger hat Bürgermeister Josef Lechner (CSU) nun im Fischbachauer Gemeinderat vorgeschlagen: obdachlose Bürger und die Musikkapelle Elbach.

Dass die Gemeinde Zugriff auf das Haus hat, liegt an einem Tauschgeschäft mit dem Leitzachtalverein. Dem habe man 2014 eine 20-jährige Nutzung des Erdgeschosses des sanierten Schulhauses für 60 000 Euro angeboten, berichtete Lechner. In Abzug gebracht habe man 5000 Euro für die Stellplätze der Wohnung im Obergeschoss. Als auch aus dem beabsichtigten Verkauf des alten Hauses des Leitzachtalvereins an den Nachbarn nichts wurde, schlug die Gemeinde zu. Der Kaufpreis von 35 000 Euro wurde ebenfalls von der Nutzungsgebühr für das neue Archiv abgezwackt. So überwies der Verein an die Gemeinde 20 000 Euro. Die kann nun über das alte Archivgebäude verfügen, und der Nachbar erhielt ein Vorkaufsrecht.

Lesen Sie auch: Leitzachtalarchiv: Kreisbaumeister bemängelt nagelneue Regale

Zustande gekommen ist der Verkauf bislang nicht. 2016 beschloss der Gemeinderat, das Gebäude zu behalten. Da er zuletzt Tendenzen wahrgenommen habe, dass sich an dieser Auffassung etwas geändert haben könnte, stellte Lechner die Frage erneut in den Raum. Am Ergebnis änderte sich aber nichts. Mit 12:6-Stimmen entschieden die Ratsmitglieder, weiter an dem Haus festzuhalten. „Dann müssen wir uns jetzt überlegen, was wir damit tun“, machte der Bürgermeister klar.

Als eine Alternative brachte er die vorübergehende Unterbringung von zwei Obdachlosen ins Spiel. Die Gemeinde sei dazu verpflichtet, ihnen Wohnraum zur Verfügung zu stellen, erklärte Lechner. „Das sind Menschen, die durch einen Schicksalsschlag aus der Bahn geraten sind.“ Der Rathauschef räumte aber ein, dass auch die Musikkapelle Elbach noch nach einer neuen Heimat für ihre Instrumente, Notenhefte und einen Probenraum sucht.

Lesen Sie auch: Leitzachtalverein: Darum hat es bei der Hauptversammlung gekracht

Der Tenor im Gemeinderat ging klar in Richtung Kapelle. „Die Musiker sind im Grunde genommen auch obdachlos“, sagte Heinrich Isenmann (CSU). Alois Gasteiger (FaB) plädierte ebenfalls für einen zentrumsnahen Standort der Kapelle: „Da sind sie flexibler.“ Ein Probenraum mitten im Ort sei „Gold wert“, bestätigte Peter Rauffer (FaB). Der Beschluss pro Musikkapelle fiel demnach einstimmig – verbunden mit einer Verpachtung der 70 Quadratmeter großen Parkfläche hinter dem Haus an den benachbarten Friseursalon.

Lesen Sie auch: Endlich Platz für Lager und Büro: Vereine bekommen Räume in Hundham

Für die Obdachlosen schlug Hans Seemüller (FW) einen Wohncontainer vor. Nach der Auflösung der Asyl-Gemeinschaftsunterkünfte seien da einige auf dem Markt. „Die kosten aber eine Menge Geld“, entgegnete Lechner. Auf Nachfrage unserer Zeitung erklärt er, dass er bereits eine andere Lösung im Köcher habe. Durch den Kauf des Wolfseeareals verfüge die Gemeinde auch über zwei hochwertig ausgestattete Sanitär-Container. Einen davon könne man ohne großen Aufwand in passablen Wohnraum umwandeln.

Langfristig sollen die Obdachlosen dann im Dachgeschoss des sanierungsbedürftigen Fischbachauer Feuerwehrhauses unterkommen. 2019 soll zuerst der Bereich der Feuerwehr auf Vordermann gebracht werden, 2020 dann das Dach um 1,20 Meter angehoben werden. Und das ohne große Mehrkosten, wie Lechner verrät: „Da gibt es 90 Prozent Zuschuss.“

sg

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Förderzentrum Hausham hatseinen neuen Bus
Große Freude bei Betreuern und Schülern des Förderzentrums in Hausham. Der neue behindertengerechte Bus ist da.
Förderzentrum Hausham hatseinen neuen Bus
Schliersee hat keine Zweifel an Fremdenverkehrsbeitrag
Seit der Sommerpause gilt: keine Schlierseer Gemeinderatssitzung ohne Antrag von Michael Dürr. Diesmal ging es um den Fremdenverkehrsbeitrag und dessen Rechtssicherheit …
Schliersee hat keine Zweifel an Fremdenverkehrsbeitrag
Käfer-Plage: Stadt Miesbach verzichtet auf Widerspruch
Allen Appellen zum Trotz: Die Stadt Miesbach wird keinen Widerspruch gegen die Allgemeinverfügungen einlegen, mit denen die zuständigen Behörden den Asiatischen …
Käfer-Plage: Stadt Miesbach verzichtet auf Widerspruch
Weihnachtsmärkte im Landkreis: Alle Termine, alle Infos
Es weihnachtet wieder sehr - von Otterfing bis Bayrischzell, von Irschenberg bis Bad Wiessee. Ein Überblick mit allen Christkindlmärkten im Landkreis Miesbach samt …
Weihnachtsmärkte im Landkreis: Alle Termine, alle Infos

Kommentare