Kothalm Fischbachau
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Teils erweitert, teils in schlechtem Zustand: Der Weg auf den Schweinsberg. Im oberen Bereich (im Bild unten rechts) haben Fällarbeiten stattgefunden.

„Was ich nicht verstehe...“

Das Mysterium des Kothalm-Wegs

  • Christian Masengarb
    vonChristian Masengarb
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Der Forst ertüchtigt einen Wanderweg Richtung Kothalm in Fischbachau, der kurz vor dieser an einer Wiese endet. Dann lässt er ihn drei Jahre verfallen und ertüchtigt ihn erneut. Wie das sein kann, hat sich der Gemeinderat gefragt. Die Antwort beginnt mit einer Almwiese und einer kaputten Seilbahn.

Fischbachau – Als Thomas Kantenseder (FaB) heuer den Wanderweg Richtung Kothalm auf dem Schweinsberg in Fischbachau ging, traute er seinen Augen kaum. „Im vergangenen Juni habe ich im Gemeinderat gefragt, warum der Weg zerstört wurde“, berichtete er auf der jüngsten Sitzung des Fischbachauer Gemeinderats. „Mittlerweile ist der Weg von unten her erweitert worden.“ Der obere Weg sei aber noch schlechter als vergangenes Jahr, dazwischen läge eine Almwiese. Kantenseder wunderte sich, was das soll. „Was ich nicht verstehe: Wahrscheinlich war das der gleiche Naturschutz, der verhindert, dass an der Glockenalm was vorwärtsgeht. Und da oben ist scheinbar alles wurscht.“

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Das Mysterium des Kothalm-Wegs

Bauamtsleiter Gerhard Wagner kannte die Maßnahme, aber nicht die Hintergründe. „Ich war mit Vertretern von Forstamt und Unterer Naturschutzbehörde nach Beginn der Maßnahme vor Ort.“ Diese hätten ihm mitgeteilt, dass die Maßnahme zwischen Forst und Naturschutz abgestimmt sei. „Ich habe den Wegebau anfänglich eher kritisch gesehen.“

Auf Nachfrage unserer Zeitung kann Gerhard Waas Licht ins Dunkel bringen. Er war der Vertreter des Forstamtes Schliersee, der mit Wagner den Weg inspiziert hatte. Die Maßnahmen seien die jüngste Entwicklung im Kampf gegen das Zuwachsen, erklärt er. Der Almbauer führe diesen an der Kothalm bereits seit Jahren. „Die Kothalm hat im Osten schöne Weideflächen.“ Die Alm brauche die Flächen für ihr Vieh, der Naturschutz brauche das Vieh zum Freihalten der Wiesen. „Es geht um den Erhalt der Alm.“

Das Problem: Vieh und Weide kamen lange nicht zusammen. Wegen eines Waldes fehlte ein Triebweg für die Kühe. Um den herzustellen, wollte der Almbetreiber im Zuge einer Durchforstung des Bergwaldes seine Bäume im abgelegenen Gebiet gleich mit fällen und verbringen lassen. Dafür hatte er vor drei Jahren eine Seilbahn am steilen Felshang südlich der Kothalm errichten lassen. Um das Holz aber zur Seilbahn und von dort ins Tal zu bringen, brauchte er schweres Gerät. Damit dieses auf den Berg kommt, hatte der Forst den früher einfachen Wanderweg ertüchtigt, den Kantenseder nun ansprach.

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Der Plan funktionierte – zunächst. Als der Wald zwischen Kothalm und Weide zu gut drei Vierteln gefällt war, ging die Seilbahn kaputt. Der Betreiber konnte wochenlang die Ersatzteile nicht beschaffen, hatte aber schon den nächsten Auftrag und wollte seine Verluste begrenzen. „Da ist er abgehauen“, berichtet Waas. Der Wald blieb, wie er war. Der Forstweg setzte sich langsam mit Steinen zu.

Der Förster erfuhr von dem Problem zunächst nichts. Weil er nichts hörte, dachte er, die Maßnahme sei abgeschlossen. Erst im vergangenen Jahr erfuhr er, dass ein Teil des Waldes noch steht, und schaute sich die Lage erneut an. Die Rinder kämen bereits durch und zur Fläche dahinter, berichtet Waas. „Aber es muss gemacht werden. Sonst wächst es wieder ganz zu.“

Nur: Derzeit sei der Holzpreis so schlecht, dass sich die Maßnahme für den Almbauern nicht lohne. Er zahle bei jedem Festmeter rund 15 Euro drauf. Da die Rinder bereits durch den Wald zur Weide kämen, sei die Maßnahme nicht mehr dringend und müsse warten. Die erneute Ertüchtigung des Weges sei nun der erste Schritt, die Arbeiten wieder aufzunehmen, sobald das wieder geht. „Wir wollen einen grünen Weg, auf dem die Fahrzeuge fahren können“, sagt Waas.

Auf Nachfrage unserer Zeitung stellt Bauamtsleiter Wagner klar, dass die Gemeinde die Maßnahme unterstütze. „Fachlich ist das nicht unsere Baustelle. Wenn die Fachbehörden die Baumaßnahme als notwendig erachten, wird das von der Gemeinde nicht angezweifelt.“

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