Naturfilmer Rolf Steinmann aus dem Leitzachtal/Fischbachau
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Unglaubliche Weiten und ewiges Eis: Auf Rolf Steinmann übt die Arbeit mit der Kamera unter solchen Bedingungen eine besondere Faszination aus.

Dreharbeiten für „Terra X“

Emotionaler Moment für Naturfilmer Rolf Steinmann: Den Polarwölfen ganz nah

  • vonHeidi Siefert
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Naturfilmer Rolf Steinmann hat schon viele emotionale Momente erlebt. Doch bei den Dreharbeiten zu „Terra X“ ging für ihn ein Traum in Erfüllung: Er kam den scheuen Polarwölfen ganz nah.

  • Für die Sendung „Terra X“ war Rolf Steinmann aus Fischbachau in rauer Natur unterwegs
  • Der Naturfilmer dreht unter anderem im ewigen Eis der Arktis
  • Dabei kam der 40-Jährige den scheuen Polarwölfen ganz nahe

Leitzachtal – Sieben Polarwölfe, die sich neugierig nähern, an Mensch und Ausrüstung schnuppern. Auf die Frage nach dem emotionalsten Moment seiner Dreharbeiten für „Terra X: Ein perfekter Planet“ muss Rolf Steinmann nicht lange überlegen. Die weitgehend unerforschten Fellknäuel auf Armlänge um sich zu haben, stellte alles andere in den Schatten. Und dabei gab es jede Menge besonderer Erlebnisse bei den Dreharbeiten zur fünfteiligen Koproduktion von ZDF und BBC, die am Sonntag erstmals ausgestrahlt wurde und für die der Wahl-Leitzachtaler Beiträge zu den Kapiteln „Vulkane“ und „Sonne“ lieferte.

Auf Tuchfühlung mit einem explodierenden Vulkan

„Während ich Grizzlybären in einer Geysirlandschaft filmte, trat ich in kochenden Schlamm und verbrannte mir den Fuß schwer. Für die Vulkanepisode filmte ich darüber hinaus einen explodierenden Vulkan“, berichtet der 40-Jährige von den herausragendsten Ereignissen. Und doch sind die nur ein Bruchteil dessen, was dem renommierten Naturfilmer zwischen der Vulkanregion Kamtschatka im Fernen Osten der Russischen Föderation und Ellesmere Island im Kanadisch-Arktischen Archipel widerfuhr.

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Da steht er – während im heimischen Oberland über das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung diskutiert wird – mit Gasmaske am Kraterrand eines dauerhaft explodierenden Vulkans, der in der Südsee permanent Lava bis zu 100 Meter in die Luft schleudert. Giftige Schwefeldämpfe wabern um ihn. Asche fliegt und bisweilen fällt saurer Regen; „gewalttätig auf der einen Seite, aber völlig faszinierend auf der anderen“. Nicht weniger archaisch ist die Geysirlandschaft in Kamtschatka, wo heiße Quellen und Fontänen wie Gewächshaus und Dünger für das Gras sind, das den vom Winterschlaf ausgehungerten Grizzlys Nahrung bietet. Hier passierte auch das Missgeschick mit dem Tritt in den Schlamm, der Steinmann den Fuß verbrannte.

Trotz Verletzung: Eine Drehpause kam für den Fischbachauer nicht in Frage

Eine Pause gönnte sich der Perfektionist an der Kamera nicht. Fast ehrfurchtsvoll sagen Kollegen von ihm, er sei ein Besessener, der nicht nur die Schönheit der Welt suche, sondern selbst Natur sei. Schließlich stand noch eine Woche Dreh an. Doch mit extremen Umständen weiß Steinmann umzugehen. Vor allem in der winterlichen Hoch-Arktis, die auf den vielfach ausgezeichneten Tierfilmer besondere Faszination ausübt und die er als einen „irrealen Ort wie ein gefrorener Traum“ beschreibt, dessen Weite und Einsamkeit er liebt und dessen Unendlichkeit ihn fasziniert.

Bei 55 Grad unter Null in der völligen Dunkelheit der Polarnacht perfekt getarnte weiße Tiere auf weißer Schneelandschaft aufzuspüren und zu filmen, ist eine besondere Herausforderung an Mensch und Technik. Da muss das Equipment auch mal im Schutz eines Seesacks mit dem Föhn auf Betriebstemperatur gebracht werden. Den Körper gilt es ohnehin bestmöglich vor der extremen Kälte zu schützen, die sich ihren eisigen Weg durch jeden noch so kleinen Spalt bahnt.

Filme sollen die Leute zum Nachdenken bringen

Belohnt wurde das Team gleich zu Beginn der Dreharbeiten mit dem Moment, den Steinmann als besonders friedlich und intim beschreibt. Während er bei unzähligen anderen Drehs mit dem Problem kämpfte, die ausgesprochen scheuen Wölfe zu finden, kamen sie hier ganz nah. Noch nie von Menschen bejagt, kennen sie keine Scheu, konstatierte er. Nach den ersten glücklichen Aufnahmen musste das kleine Team aber doch auf die Suche gehen – und fand sie nach Wochen mit einem Trick. Weil die Polarwölfe nicht auffindbar waren, suchte man nach potenziellen Beutetieren und fand mit einer Herde Moschusochsen prompt die Hauptdarsteller des Films, den Steinmann auch als einen Beitrag zum Klimaschutz sieht. Wenn Filme zeigen, was in der Natur passiert und die Zuschauer berühren, könnten sie vielleicht einen Prozess des Nachdenkens auslösen, der sie zu anderem Handeln animiert, meint der 40-Jährige.

Für ihn selbst hatten die Dreharbeiten auf Ellesmere Island einen besonderen Bezug. Vor 30 Jahren hatte Schulbub Rolf in einem Buch des amerikanischen National-Geographic-Autors Jim Brandenburg das Bild eines Polarwolfs im Sprung auf eine Eisscholle gesehen. Seitdem wollte er Tierfilmer werden. Seinen Traum hat der gebürtige Münchner verwirklicht. Das Buch war mit dabei beim Dreh im ewigen Eis.

Die Sendung „Terra X: Ein perfekter Planet“ läuft jeweils sonntags um 19.30 Uhr im ZDF. Ab 31. Januar sind alle Folgen über die Mediathek zugänglich.

sie

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