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Den Tod mit Humor nehmen: Das gelingt den Darstellern der Theatergruppe Fischbachau mit ihrem Stück.  

Der Himmel wartet nicht

Neue Komödie aus Fischbachau - eine Kritik 

Die Theatergruppe Fischbachau hat ein neues Stück rausgebracht - und das kann man anschauen. Alle Termine und eine Kritik zu „Der Himmel wart ned“ gibt‘s hier:

Fischbachau – Tickt zu Lebzeiten bereits die Uhr gnadenlos herunter, so ist es nach dem Ableben im Jenseits nicht besser: Dieses Szenario demonstrierte nun die Theatergruppe Fischbachau souverän und spaßig bei der ausverkauften Premiere ihres Stücks „Da Himme wart ned“ aus der Feder von Markus Scheble und Sebastian Kolb.

„Wir wollen keine todernsten Stücke machen“, erklärt Spielleiter Christian Scherl. „Die Zuschauer möchten einen lustigen Abend verbringen, sich auch mal auf die Schenkel klopfen.“ Dieses Vorhaben ist Scherl und seinem Ensemble am Freitagabend auf der Bühne im Klostersaal Fischbachau geglückt – das Publikum honorierte die Komödie mit vielen Lachern.

Spielleiter Scherl schafft eingangs eine atmosphärische Stimmung, die das Himmelreich räumlich und akustisch vom Diesseits abgrenzt. Noch bevor sich der türkisblaue Vorhang für den ersten Akt öffnet, beginnt das Stück neben der Hauptbühne. Dort sitzt der verstorbene Stelzl (Gottfried Gifthaler) im blauen Scheinwerferlicht auf einer bauschigen Wolke vor dem geöffneten Himmelstor. Das Gemälde von Petrus blickt auf den ehemaligen Polizeibeamten herunter, dann schallt über die Deckenlautsprecher dessen Stimme herunter: „Als Engelanwärter musst du deine Flügel erst verdienen“, so der Himmelswächter. Um ins Paradies zu gelangen, stehe jedem noch eine spezielle Aufgabe zu – eine Schutzengel-Aufgabe. „Wo war meiner, als ich geheiratet habe“, wettert Stelzl zurück. Ausgerechnet den Schreinermeister Bömmerl (Gerhard Eisenkolb), den es frisch dahingerafft hat, soll Stelzl nun nach oben holen. Für den Engelanwärter, der Bömmerl „schon in der Schule nicht leiden konnte“, nur ein „Laufburschenjob“.

Doch Petrus warnt: 24 Stunden haben die beiden Zeit, durch das Tor zu schreiten, andernfalls schließen sich die Pforten zum Paradies, „und ihr müsst bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag im Wartezimmer bleiben.“ Die Drohung sitzt. „Um Gottes willen“, entfährt es Stelzl, „hier gibt es nur Frauenmagazine und Klatschzeitschriften, bloß das nicht“. Von nun an ist Eile geboten, denn „der Himmel wartet nicht“, betont Petrus. Doch Stelzls letzte irdische Aufgabe stellt sich als äußerst schwierig heraus, denn Geister wandeln bekanntlich unsichtbar unter den Menschen. Und da gibt es noch die bucklige Verwandtschaft, in Person Barbara Schoner und Ferdinand Vitzthum als die Froschmeiers, die nur zur Beerdigung anreisen, um bei Bömmerls Tochter Anna (Vroni Eisenkolb) alles von Wert abzustauben.

Um nicht zu viel von der Handlung vorwegzunehmen: Im Haushalt verbirgt sich ein äußerst wertvoller Gegenstand, von dem Anna nichts weiß. Doch die „hinterfotzigen Grattler“, wie Bömmerl die Froschmeiers nennt, haben bereits Witterung aufgenommen. Die drei Akte gipfeln in einem Slapstickfinale, das die Zuschauer bei der Premiere aufjohlen ließ, wenn Stelzl und Bömmerl zur Geisterstunde zurückschlagen.

Ein weiterer komödiantischer Höhepunkt ist die Darbietung von Elisabeth Bucher als Haushälterin Fini, die dank ihrer Rolle eine große spielerische Bandbreite abdecken darf: Von der grantigen Hauserin bis hin zur leidend-schmachtenden Verliebten, und völlig durchgeknallt als Medium.

Ausdrucksstark auch der Auftritt von Martin Greinsberger als Schreinergeselle Emmeran, dessen Gestik und Mimik an den englischen Komiker Rowan Atkinson alias Mr. Bean erinnert. Wenn Emmeran und Fini die Geister anrufen, bleibt kein Auge trocken. Auch Vroni Liebl überzeugt mit ihrem nüchtern-trockenen Spiel als Alkoholikerin Resi, die sich immerzu an ihrer Schnapsflasche klammert als wäre es der Heilige Gral. Die Darsteller schaffen es, den Tod als endgültigen Abschied mit Humor zu nehmen.

Weitere Vorstellungen:

Samstag, 28. Januar, Sonntag, 29. Januar, (16 Uhr), Freitag, 3. Februar und Samstag, 4. Februar, jeweils um 20 Uhr. Zusatzvorstellung am Samstag, 11. Februar (20 Uhr). Reservierungen bei Barbara Funk unter 0 80 28 / 90 58 29.

Daniel Wegscheider

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