+
Heimat auf Zeit: Bis Ende Oktober 2020 muss die Ambulanz Rosenheim aus ihrem derzeitigen Gebäude in Aurach ausgezogen sein. 

„Zur Not stellen wir einen Container auf“

Neue Rettungswache Aurach: Ambulanz hofft aufs Landratsamt

  • schließen

Wie geht es weiter mit dem Rettungsdienst-Standort Aurach? Nach dem Veto des Bauausschusses zum Neubau einer Rettungswache arbeiten die Beteiligten an einer Lösung des Dilemmas.

Aurach – Aus dem Rettungsdienst ist es Gabriel Mayer gewohnt, in schwierigen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren. Eine Qualität, die er nun auch als Geschäftsführer der Ambulanz Rosenheim gut gebrauchen kann. Denn nach dem Nein im Fischbachauer Bauausschuss zum Antrag auf Vorbescheid für den Neubau einer Rettungswache am nördlichen Ortseingang von Aurach (wir berichteten) haben die Retter weiter keine Klarheit, wie es mit ihrem Quartier im südlichen Leitzachtal weitergeht.

Bekanntlich müssen die Retter bis 31. Oktober 2020 aus ihrem jetzigen Gebäude ausziehen, weil der Pachtvertrag ausläuft. Auch wenn Mayer kein Öl ins Feuer gießen will, macht er auf Nachfrage unserer Zeitung deutlich, dass er die Ablehnung des Vorhabens der Ambulanz nicht nachvollziehen kann. „Es geht ja nicht um uns, sondern um die Versorgung im südlichen Leitzachtal“, sagt er. Fast mehr als die Entscheidung selbst ärgern den Geschäftsführer die Argumente, die im Ausschuss als Begründung vorgebracht wurden.

Lesen Sie auch: Mietvertrag läuft aus: Ambulanz plant Neubau in Aurach

Wie berichtet, bemängelten die Mitglieder vor allem die unsichere Zukunft der Rettungswache. Weil der Standort immer nur für fünf Jahre vergeben werde, könne es sein, dass die Ambulanz ihren Neubau eines Tages nicht mehr wie geplant nutzen könne. Stimmt nicht, sagt Mayer. Der Rettungsdienst in Aurach werde nicht ausgeschrieben, sondern durch den Zweckverband für Rettungsdienst- und Feuerwehralarmierung beauftragt. Und dieser Auftrag sei an die Ambulanz Rosenheim gegangen. „Wir haben einen unbefristeten Vertrag“, betont Mayer. Diese Sicherheit sei auch die Voraussetzung für eine wirtschaftlich tragfähige Durchführung des Neubauprojekts.

Neue Rettungswache Aurach: Ambulanz hofft aufs Landratsamt

Dass der Standort Aurach generell irgendwann auf den Prüfstand kommt, ist für Mayer so gut wie ausgeschlossen. Eine Verschiebung würde die Einhaltung der Hilfsfrist von zwölf bis 15 Minuten in Bayrischzell unmöglich machen. Laut eines Gutachtens des Instituts für Notfallmedizin gebe es daher keine Alternative zu Aurach. Und das durch die Ambulanz bereits gekaufte Grundstück sei das einzig verfügbare im Radius von 500 Metern.

Deshalb werfen die Retter ihre Planung nicht über Bord. Damit sich das Gebäude aber besser ins Ortsbild einfügt (auch das war im Gremium kritisiert worden), haben sie die Ausmaße etwas gestutzt. Schweren Herzens, wie Mayer sagt. Eigentlich habe man eine zukunftssichere Rettungswache bauen wollen, in der auch das Auto des neuen kassenärztlichen Bereitschaftsdienstes und ein Katastrophenschutzfahrzeug Platz gefunden hätten. Jetzt beschränke man sich auf den Rettungsdienst mit einer Fahrzeughalle im Parterre und einem Büro sowie Schulungsraum im Obergeschoss. Ohnehin geplant sei eine ortstypische Fassadengestaltung mit Holz.

Bürgermeister Josef Lechner hat bislang noch keinen Entwurf gesehen. Dennoch begrüßt er es, dass die Ambulanz offenbar auf die Kritikpunkte im Bauausschuss reagiert. Mayers Aussage zur langfristigen Sicherheit der Rettungswache teilt Lechner nicht uneingeschränkt. So könne es durchaus zu einer neuen Ausschreibung kommen. Etwa, wenn die Besetzung auf 24 Stunden ausgeweitet werde der neue Fahrzeuge hinzukommen würden. Der Rathauschef plädiert daher nach wie vor für eine dingliche Sicherung der Nutzung im Grundbuch.

Lesen Sie auch: Fischbachau: Standort für Rettungswache fällt durch

Am Standort zu rütteln, hat aber auch für Lechner keinen Sinn mehr. Seine Suche nach Alternativgrundstücken habe ergeben, dass diese entweder nicht wirtschaftlich zu erwerben sind oder aufgrund ihrer Lage eine Verschlechterung der Anbindung bedeuten würden. Die generelle Notwendigkeit einer neuen Rettungswache sei ohnehin unstrittig.

Vorerst liege der Ball aber am Landratsamt (siehe unten), erklärt Lechner. Sobald die Einschätzung der Behörde, beispielsweise zu Natur- und Denkmalschutz, vorliege, werde man über das weitere Vorgehen beraten. Aus heutiger Sicht könne dies bereits in der Septembersitzung des Gemeinderates passieren.

„Zur Not stellen wir einen Container auf“

Mayer hofft, die politischen Gremien in Fischbachau doch noch vom Vorhaben der Ambulanz zu überzeugen. Sollte dies nicht gelingen, ruht die Hoffnung auf dem Landratsamt. Und wenn alle Stricke reißen, schließt Mayer einen Container als Übergangslösung nicht aus. „Es bleibt auf jeden Fall ein Rettungswagen in Aurach.“

Das sagt das Landratsamt

Baurechtlich gesehen nimmt das Vorhaben der Ambulanz Rosenheim in Aurach eine gewisse Sonderrolle ein. Weil eine Rettungswache einen „zwingend ortsgebundenen Betrieb“ voraussetze, sei diese nach § 35 Baugesetzbuch zum Bauen im Außenbereich privilegiert, erklärt Sophie Stadler, Pressesprecherin am Landratsamt. Die kritischen Argumente aus dem Fischbachauer Bauausschuss verpuffen deshalb aber nicht. „Die Bedenken prüft das Landratsamt gerade“, sagt Stadler. Dies geschehe selbstverständlich in Abwägung mit den Vorgaben des Gesetzgebers für die rettungsdienstliche Versorgung der Bürger. 

So habe der Zweckverband für Rettungsdienste und Feuerwehralarmierung Rosenheim auch künftig einen Fahrzeugstandort in Aurach mit unmittelbarer Anbindung an die B 307 und damit südlich des Bahnübergangs gefordert, um die Einhaltung der Hilfsfrist nicht zu gefährden. Auch die viel diskutierte Größe des Gebäudes von 16 mal 27 Meter ist Gegenstand der Prüfung. Wie bei einem privilegierten Vorhaben üblich müsse die fachkundige Stelle (in diesem Fall eben der Zweckverband) den Platzbedarf bestätigen. Diese Stellungnahme habe man angefordert. Sobald das Ergebnis vorliege, könne man eine Einschätzung abgeben.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Käfer-Plage: Stadt Miesbach verzichtet auf Widerspruch
Allen Appellen zum Trotz: Die Stadt Miesbach wird keinen Widerspruch gegen die Allgemeinverfügungen einlegen, mit denen die zuständigen Behörden den Asiatischen …
Käfer-Plage: Stadt Miesbach verzichtet auf Widerspruch
Weihnachtsmärkte im Landkreis: Alle Termine, alle Infos
Es weihnachtet wieder sehr - von Otterfing bis Bayrischzell, von Irschenberg bis Bad Wiessee. Ein Überblick mit allen Christkindlmärkten im Landkreis Miesbach samt …
Weihnachtsmärkte im Landkreis: Alle Termine, alle Infos
Schindlberger Alm am Sudelfeld: Neuer Eigentümer, neuer Wirt - und Hoppe-Bier
Die neue Skisaison steht vor der Tür – und das Türschild an der Schindlberger Alm wechselt. Sie hat einen neuen Eigentümer, einen neuen Wirt - und ein neues Bier.
Schindlberger Alm am Sudelfeld: Neuer Eigentümer, neuer Wirt - und Hoppe-Bier
Mehr Sicherheit für Fußgänger und Radler
Um Fußgänger, insbesondere Kinder besser zu schützen, nimmt die Gemeinde Hausham viel Geld in die Hand. Zwei Bereiche werden angepackt.
Mehr Sicherheit für Fußgänger und Radler

Kommentare