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Steht seit mehr als zehn Jahren leer: Das ehemalige Jugendheim an der Fischeralm in Aurach könnte einem Seniorenzentrum weichen. 

80 Heimplätze, 30 Wohnungen

Pflegezentrum an der Fischeralm: Fischbachau plant Großprojekt für Senioren

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Betreuung und Pflege ganz nach Wunsch und vor der Haustür: Dieses Angebot will die Gemeinde Fischbachau für ihre Senioren schaffen. Mit einem Großprojekt an der Fischeralm.

Fischbachau – Alt werden in den eigenen vier Wänden: Ein Wunsch, der sich aus gesundheitlichen Gründen nicht für jeden erfüllt. Wie gut, wenn dann der Umzug in ein betreutes Wohnen oder ein Pflegeheim nicht mit einem Abschied aus dem Heimatort verbunden ist. Die Fischbachauer Senioren haben diesen Luxus bisher nicht. Die nächsten Pflegeeinrichtungen liegen in Neuhaus und Miesbach. Und da seien die Wartelisten meist lang, berichtete Fischbachaus Bürgermeister Josef Lechner (CSU) nun im Gemeinderat. Höchste Zeit, die Situation für Altbürger in der Gemeinde zu verbessern, fand Lechner – und legte gleich eine Lösung auf den Ratstisch: ein Pflege- und Wohnzentrum an der Fischeralm.

Seit Jahren gebe es Verhandlungen über die Zukunft des 10 000 Quadratmeter großen Grundstücks am Fuß des Auracher Köpferls, erklärte Lechner. Mittlerweile stehe fest, dass das seit mehr als einem Jahrzehnt unbewohnte frühere Jugendheim nicht mehr saniert werden kann. Nun seien sich Eigentümer und Interessent einig geworden. Bei letzterem handelt es sich um die Erl Immobiliengruppe aus Deggendorf. Ein Familienunternehmen, dass sich auf den Bau von Pflegeheimen und Betreutem Wohnen spezialisiert habe, wie Projektentwicklungsleiter Frank Kühnhauser den Gemeinderäten erklärte.

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Für Fischbachau plant die Erl-Gruppe ein Heim mit 80 Pflegeplätzen und rund 30 barrierefreie und altersgerechte Wohnungen mit je einem bis drei Zimmern. Ersteres verpachtet der Bauträger für mindestens 20 Jahre an einen Betreiber, erläuterte Kühnhauser. Dieser kümmert sich um die Pflegeleistungen und die hauseigene Küche. Pro 20 bis 25 Bewohner werde man einen Gemeinschaftsraum mit Wohnküche schaffen. Die Wohnungen gehen in den freien Verkauf, der Abschluss eines Vertrags für bestimmte Grundleistungen sei aber verpflichtend. Weitere Hilfsleistungen könnten die Eigentümer oder ihre Mieter selbst zubuchen.

Die Gestaltung der beiden Baukörper – einer davon in L-Form – soll sich an den ortstypischen Klosterbauten oder Gutshöfen orientieren, ergänzte Lechner. Um überhaupt Baurecht im Außenbereich zu schaffen, müsse man im Flächennutzungsplan ein „Sondergebiet Pflege- und Wohnheim“ ausweisen und im Parallelverfahren einen Bebauungsplan aufstellen. Im Verfahren würden auch alle offenen Fragen zu Erschließung und Naturschutz geklärt, antwortete Lechner auf die Fragen von Willi Rothemund und Martin Bacher (beide FWG). Geplant sei eine Zufahrt über die von der B 307 abzweigende Fischeralmstraße. Gespräche mit der Bahn über die technische Sicherung des dortigen Bahnübergangs laufen, versicherte der Rathauschef.

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Sorgen über die Landschaft machte sich Andreas Estner (FWG). „Das wäre schon ein gewaltiger Eingriff“, sagte er. Umso wichtiger sei es, dass die Pflegeplätze und Wohneinheiten auch für Einheimische bezahlbar seien und nicht als Spekulationsobjekt für reiche Hamburger oder Berliner missbraucht werden. Von vorneherein festlegen könne man das nicht, erklärte Kühnhauser. Er versicherte aber, dass das Pflege- und Wohnzentrum zwar von hoher Qualität, aber dennoch in der „Mittelklasse“ angesiedelt sei. Die Kosten der Heimplätze seien durch die Pflegestufen abgedeckt. „Wir bauen keine Residenz“, betonte Kühnhauser. „Auch Fischbachauer mit kleiner Rente können einziehen.“

Ein Versprechen, das den Gemeinderat überzeugte. Die beiden Beschlüsse fielen einstimmig. Auch wenn eine Pflegeeinrichtung grundsätzlich keine Gewerbesteuer zahle, könne man als Gemeinde viele soziale Zwecke damit erfüllen, erklärte Lechner. Nicht selten würden alleinstehende Senioren ein ganzes Haus bewohnen. Beim Umzug ins Betreute Wohnen würden sie sich ihren Alltag erleichtern – und Platz schaffen für ihre Nachkommen. Für Lechner nicht weniger als das letzte fehlende Puzzlestück in Fischbachau. „Dann haben wir vom Kleinkind bis zum Greis alle versorgt.“

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