+
Auslaufmodell Integral: Geht es nach Fischbachaus Bürgermeister Josef Lechner und Tegernsee-Bahn-Chef Heino Seeger, könnten ab 2023 batteriebetriebene Elektroloks die Dieseltriebwagen der BOB ablösen.

Halbstundentakt bis 2023?

Pilotprojekt: Mit Akku-Loks zum Wendelstein

  • schließen

Fischbachau - Es wäre eine Revolution: Dank batteriebetriebener Elektroloks könnte die Elektrifizierung und Halbstundentakt auf der Bahnstrecke Schliersee-Bayrischzell 2023 Realität werden.

Für Fischbachaus Bürgermeister Josef Lechner (CSU) wäre es „ein verkehrs- und energietechnischer Quantensprung“. Für Heino Seeger, Geschäftsführer der Tegernsee-Bahn, „die Zukunft der Eisenbahn im Landkreis Miesbach“. Und für die Fahrgäste nicht weniger als der lang ersehnte Halbstundentakt von München bis Bayrischzell. Dabei ist das Ziel, dass auch von Schliersee südwärts zu Stoßzeiten alle 30 Minuten ein Zug fährt, nicht neu. Ebenso wenig die Vision, die Bahnstrecke von Holzkirchen nach Bayrischzell zu elektrifizieren. Doch es blieb beim Wunsch – bis jetzt. Denn das Pilotprojekt, das Lechner nun im Gemeinderat vorstellte, könnte den „gordischen Knoten“ bis 2023 lösen. Mit einem Kreuzungsbahnhof in Hammer, einer Oberleitung von Holzkirchen nach Schliersee – und batteriebetriebenen Elektroloks bis Bayrischzell. Für Lechner eine revolutionäre Idee, die die verkehrspolitische Warteschleife gewissermaßen elegant auf dem Nebengleis umfahren könnte.

Ausgangspunkt sind die Sorgen mit der Bayerischen Oberlandbahn (BOB), die den Fischbachauer Bürgermeister seit 2014 bewegen. Verspätungen, Zugausfälle und der leidige Stundentakt südlich von Schliersee. Spätestens seit den beiden Krisengesprächen mit dem Unternehmen steht für Lechner fest: „So lange die BOB auf den Integral angewiesen ist, wird sie ihre Probleme nicht los.“ Zumal der Landkreis mit den alten Dieseltriebwagen zum Exot geworden sei. Gut 90 Prozent des Regionalverkehrs in Deutschland seien elektrifiziert. „Deshalb stellt die Industrie keine Ersatzteile für den Integral mehr her.“ In wiederholten Gesprächen mit BOB, Bayerischer Eisenbahngesellschaft (BEG) und DB Netz AG sei klar geworden, dass Halbstundentakt und Elektrifizierung zwar von allen Seiten gewünscht, aber sich weder finanziell noch zeitnah umsetzen ließen. „Verkehrspolitisch hätten wir da von Jahrzehnten gesprochen“, erklärt Lechner. Für ihn eine strategische Falle, denn das Geld sei prinzipiell vorhanden. Gemeinsam mit Seeger habe er Fördertöpfe ausfindig gemacht. Was bisher fehlte, war ein neuartiges Konzept, um diese tatsächlich anzapfen zu können.

Da kam den beiden die Idee mit den Akku-Loks gerade recht. Sie stammt von Dieter Wellner, der sich in seiner Zeit beim Bayerischen Verkehrsministerium unter anderem für BOB stark gemacht hatte. Sein Plan: Von München bis Schliersee greifen herkömmliche Elektroloks den Strom von der Oberleitung ab. „Diese müssten wir von Holzkirchen bis Schliersee erst noch verlegen“, räumt Seeger ein.

In der Marktgemeinde wird dann ein so genannter E-Tender angekoppelt – ein kleiner Vorstellwagen mit Batterien. „Wie bei der Dampfeisenbahn, nur mit Akkus statt Kohle“, erklärt der Chef der Tegernsee-Bahn. Bei Bussen komme diese Technik bereits zum Einsatz. Mit einer Stromladung fahren die Züge dann nach Bayrischzell und zurück – ohne umweltschädliche Dieselabgase und ohne eine Oberleitung, die die Landschaft verschandelt. Um die Strecke für Einheimische und Tagestouristen aus München dank Halbstundentakt aufzuwerten, müsste zudem der Haltepunkt in Hammer zu einem Kreuzungsbahnhof ausgebaut werden. „Das verleiht unseren modernisierten Skigebieten weiteren Schub“, sagt Lechner.

So überzeugend das Konzept auch klingen mag – ohne starke Fürsprecher geht nichts. „Da bin ich allein ein zu kleines Licht“, meint der Bürgermeister. Deshalb hat er, in Absprache mit Schliersee und Bayrischzell, die Projektskizze an Bayerns Verkehrsminister Joachim Herrmann geschickt. Auch Wirtschaftsministerin Ilse Aigner ist informiert. Die beiden wiederum sollen Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt für die E-Loks im Oberland begeistern. Das ehrgeizige Ziel: „2022 soll die Strecke bereits für Elektrozüge ausgeschrieben werden“, so Lechner. Sogar eine Bewerbung der Tegernsee-Bahn – unabhängig von der BOB – könne er sich vorstellen. Auch wenn Seeger noch nicht konkreter werden will: Den Schritt in die Zukunft der Eisenbahn würde er sicher gerne mitgehen. „Dafür stellen wir jetzt die Weichen.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Mehr Baurecht bei Straßengrundabtretung: Gemeinde verhandelt in Neuhaus
Die Nachverdichtung einer Siedlung in Neuhaus hat den Schlierseer Gemeinderat beschäftigt. Die zentrale Frage: Opfert man ein Stück Grünzug, um so zu einer neuen Straße …
Mehr Baurecht bei Straßengrundabtretung: Gemeinde verhandelt in Neuhaus
„Sie sterben auf den Straßen“: Miesbacher Pfarrer beerdigt Corona-Tote in Ecuador - und gehört selbst zur Risikogruppe
Seit das Coronavirus in Ecuador wütet, vernichtet es jeden Tag die Existenzen ganzer Familien. Ein Pfarrer aus Miesbach hilft den Betroffenen vor Ort - mit 82 Jahren.
„Sie sterben auf den Straßen“: Miesbacher Pfarrer beerdigt Corona-Tote in Ecuador - und gehört selbst zur Risikogruppe
Coronavirus im Landkreis Miesbach: 95-Jähriger erliegt Covid-19
Die Corona-Pandemie hat den Landkreis Miesbach bayernweit anfangs mit am stärksten getroffen. Alle News hier im Ticker.
Coronavirus im Landkreis Miesbach: 95-Jähriger erliegt Covid-19
Altenpflegeschulen Miesbach und Corona: „Unsere Schüler haben keine Angst“
Altenpflegeschulen Miesbach: Schulleiter Alexander Ohly erklärt, wie er die Schüler vor Corona schützt - obwohl einige in Einrichtungen mit bestätigten Fällen arbeiten.
Altenpflegeschulen Miesbach und Corona: „Unsere Schüler haben keine Angst“

Kommentare