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Trotz der Anspannung gut gelaunt stellten sich die Josef Obermaier (l., CSU), Johannes Lohwasser (2.v.r., FWG) und Georg Gruber (r., FaB) den Fragen von Moderator und Redaktionsleiter Stephen Hank.

Nach dem Aufeinandertreffen in der Wolfseehalle

Podiumsdiskussion Fischbachau: So haben sich die Kandidaten geschlagen

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Drei Männer wollen den Chefsessel im Fischbachauer Rathaus erobern. Bei unserer Podiumsdiskussion sind die Kandidaten aufeinander getroffen. Und so haben sie sich geschlagen.

Fischbachau – Man musste sie suchen, die inhaltlichen Unterschiede zwischen den drei Kandidaten auf der Bühne. Es dauerte fast eineinhalb Stunden, ehe Moderator Stephen Hank Erfolg vermelden konnte. Bei der Frage, ob Fischbachau ein Hotel brauche oder nicht, gingen die Meinungen erstmals auseinander bei der Podiumsdiskussion der Bürgermeisterkandidaten in der Wolfseehalle.

Während sich Johannes Lohwasser (29, FWG) und Georg Gruber (51, FaB) für einen Ausbau der Übernachtungsmöglichkeiten aussprachen, plädierte Josef Obermaier (53, CSU) dafür, zuerst die Auslastung der bestehenden Betten von derzeit 25 Prozent zu erhöhen. Merkur-Redaktionsleiter Hank griff die Mini-Kontroverse humorvoll auf: „Wenn Sie also kein Hotel wollen, dann wählen Sie Herrn Obermaier.“ Die Fischbachauer im prall gefüllten Saal applaudierten fast schon erleichtert. Schließlich waren viele von ihnen zur Veranstaltung der Heimatzeitung gekommen, um sich eine Entscheidungshilfe für den 15. März zu holen.

Der Zuspruch jedenfalls war gigantisch. Schon wenige Minuten nach dem Einlass waren viele Tische in der Wolfseehalle besetzt. Bis kurz vor Beginn suchten die Bürger nach den letzten freien Stühlen. Sie alle wollten erleben, wie sich die drei Bewerber um die Nachfolge von Amtsinhaber Josef Lechner (CSU) auf dem Podium präsentieren. Das große Interesse erklärt sich nicht zuletzt aus einer fast schon historischen Situation. Nachdem Lechner jeweils ohne Gegenkandidat in seine beiden Amtszeiten im Chefsessel des Fischbachauer Rathauses gestartet war, erlebt das Leitzachtal erstmals seit 13 Jahren wieder einen echten Wahlkampf.

Wobei der – zumindest auf der Bühne in der Wolfseehalle – sehr brav geführt wurde. Dies gipfelte ausgerechnet bei der Frage nach den Alleinstellungsmerkmalen. „Jetzt wird es spannend“, schickte Stephen Hank augenzwinkernd voraus. Doch Moderator und Publikum wurden eines besseren belehrt. Nachdem jeder der Kandidaten seinen Punkt gesetzt hatte (Obermaier seine kommunalpolitische Erfahrung, Gruber seine Karriere in Wirtschaft und Verwaltung, Lohwasser lachend seine blonden Haare), versicherten sich die drei Herren gegenseitig, dass sie nach der Wahl gerne miteinander im Gemeinderat zusammenarbeiten würden.

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Egal wer am Ende die Führung übernimmt: Inhaltlich dürfte die Fischbachauer ein ähnlicher Fahrplan erwarten. Die Kurzzusammenfassung: Nachverdichtung statt große Neubaugebiete, heimischer Mittelstand statt externe Industriebetriebe, Breitbandausbau statt 5G-Euphorie. Weitgehend einig waren sich die Kandidaten auch bei der Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs. Hier brauche es ein Gesamtkonzept für Bus und Bahn, und das Anrufsammeltaxi des Landkreises müsse auf neue Füße gestellt werden.

Die Angst vor der Stauwelle durch Tagestouristen konnten die drei Herren den Bürgern nicht nehmen. „Wir können keinen Schlagbaum aufstellen“, sagte Gruber. Lohwassers Vorschlag, auf „stillen Tourismus“ zu setzen, konterte Obermaier: „Sanft darf er sein, aber nicht einschlafen.“ Es gehe ihm lediglich ums Marketing, erwiderte Lohwasser: „Wenn man das nutzt, ist das kein Widerspruch zum Wachstum.“ Zum zweiten Mal an diesem Abend flackerte ein Hauch von Kontroverse auf.

Erfahrung gegen Unvoreingenommenheit lautete die Trennlinie auch beim Thema Bürgerbeteiligung. Während Gruber und Lohwasser eine offene Sprechstunde in Aussicht stellten, trat Obermaier auf die Realismusbremse. Dies lasse sich nicht immer mit den vielen Terminen eines Rathauschefs vereinbaren.

Das war es dann aber schon mit den Differenzen auf der Bühne. Und auch in Sachen persönlicher Präsenz schenkten sich die Kandidaten nicht viel. Alle drei legten einen souveränen Auftritt hin, hatten ihre Aufregung gut im Griff. Obermaier spielte seine Erfahrung als langjähriger Gemeinderat glaubhaft aus, doch auch Gruber und Lohwasser zeigten, dass sie sich offenbar bereits gut eingearbeitet haben.

Das Überraschungsmoment des Abends verbuchte aber am Ende der jüngste der Kandidaten. Lohwasser stand auf und trat nach vorne, um sein Schlussstatement vorzutragen. Das Publikum klatschte begeistert: Bei so viel Harmonie wurde jedes Alleinstellungsmerkmal wohltuend aufgenommen.

Die besten Sprüche des Abends

„Ich will jetzt keine Interna ausplaudern, aber es hat mich zumindest nicht abgeschreckt.“ 

Johannes Lohwasser auf die Frage, ob ihm seine Mutter, die Sekretärin des Schlierseer Bürgermeisters, nicht von einer Kandidatur abgeraten habe.

„Sollte ich Bürgermeister werden, ist das doch ein Zeichen, dass man es damit zu etwas bringen kann.“ 

Josef Obermaier über seinen Abschluss an der Mittelschule. Es ging um die Bedeutung der Einrichtung für den Ort.

„Ich habe es mir echt lange angeschaut, aber leider nicht verstanden.“ 

Georg Gruber über die Komplexität des landkreisweiten Anrufsammeltaxis.

„Die schütteln sich ab wie ein nasser Hund.“ 

Obermaier über das Verhalten der Telekom bei Anfragen zum Breitbandausbau.

„Wir waren sechs Leute und ein Haufen Gewehre. Am Schluss hatten wir schon Sorge, dass wir es nicht mehr nach Hause schaffen.“ 

Gruber über seinen Gebirgsschützen-Ausflug mit dem gemeindeeigenen Elektro-Kleinbus.

„Als Schwammerlsucher-Bus?“ 

Lohwasser überlegt, wie man den Skibus auch im Sommer nutzen könnte.

„Da brauche ich jetzt meinen Publikumsjoker.“ 

Gruber räumt charmant ein, dass ihm in Sachen Gehweg Birkenstein das Detailwissen fehlt.

„Einer von uns drei wird Chef von einem der größten Arbeitgeber in Fischbachau.“ 

Obermaier über die Bedeutung des Bürgermeisteramts.

„Ich werde erstaunlich wenig darauf angesprochen.“

Lohwasser über sein Alter.

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