Amtsrichter: „Von der Strafverfolgung wird in diesem Fall endgültig abgesehen.“

Freisinger klaut Radlader von Baustelle - und wird dafür nicht bestraft

Fischbachau/Miesbach - Er klaute einen ganzen Radlader von einer Baustelle und versuchte, das Gefährt zu verkaufen. Doch eine Strafe bekommt der Freisinger dafür nicht.

Der Diebstahl und versuchte Wiederverkauf eines Radladers in Fischbachau hat für den dreisten Täter keine Folgen. Der Grund: Der Endzwanziger aus dem Landkreis Freising sitzt wegen mehrerer anderer Delikte bereits in Haft. „Die hierfür zu erwartende Strafe fällt nicht erheblich ins Gewicht“, erklärte Richter Walter Leitner bei der Verhandlung am Miesbacher Amtsgericht.

Es war Ende September vergangenen Jahres. Auf einer Baustelle in Stephanskirchen (Kreis Rosenheim) schraubte der Mann aus dem Landkreis Freising das Typenschild eines Radladers ab. Zwei Tage später entwendete er an der Straße zwischen Hundham und Bad Feilnbach einen Radlader im Wert von rund 20 000 Euro. Dieser gehörte einer in Fischbachau ansässigen Tiefbaufirma. Der Täter montierte das Typenschild des Radladers ab, brachte das in Stephanskirchen gestohlene Typenschild an und bot den unkenntlich gemachten Radlader im Internet zum Verkauf an.

Er hatte schon einen Käufer - doch machte einen entscheidenden Fehler

Schnell fand sich auch ein Interessent, der die 15 000 Euro, die der Dieb veranschlagt hatte, auch gezahlt hätte. Besichtigt hatte der potenzielle Käufer das Gefährt auch schon, und zwar in Bad Feilnbach. Es wäre fast alles glatt gelaufen, wäre einem Verantwortlichen der Fischbachauer Baufirma der zum Verkauf stehende Radlader nicht im Internet aufgefallen. Sofort war ihm klar, dass es sich dabei um das gestohlene Baustellen-Gefährt handeln musste. Die Firma schaltete die Polizei ein, der Mann wurde festgenommen.

Die logische Folge war eine Anzeige gegen den Dieb, Betrüger und Urkundenfälscher, weshalb er sich nun bei einer Schöffensitzung auf der Anklagebank des Miesbacher Amtsgerichts wiederfand – begleitet wurde er von Verteidiger Wolfgang Müller und zwei Polizisten. Denn mittlerweile verbüßt der Mann eine Haftstrafe in der Justizvollzugsanstalt Landsberg am Lech.

Vom Amtsgericht Aichach war der Endzwanziger im April wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis zu fünf Monaten Haft verurteilt worden. Das Traunsteiner Gericht brummte dem Mann für das gleiche Vergehen im Juni gar sechs Monate Freiheitsstrafe auf – beides ohne Bewährung, aber noch nicht rechtskräftig. Dazu kommt noch ein Urteil des Amtsgerichts München wegen Diebstahls, Urkundenfälschung und Betrugs. Die Haftstrafe hierfür: ein Jahr und zehn Monate.

Das Vergehen im Landkreis Miesbach wäre da nicht weiter ins Gewicht gefallen, und so blieb der Mann ohne Strafe. Amtsrichter Leitner: „Von der Strafverfolgung wird in diesem Fall nun endgültig abgesehen.“

Philip Hamm

Rubriklistenbild: © dpa

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