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Fischbachau macht sich bereit: Die Ladesäulen sind bestellt , als nächstes möchte die Gemeinde ein E-Auto anschaffen. Ob und welches, können die Bürger mitentscheiden.

„Wir wollen vorausdenken in unserer Gemeinde“

Rathaus-Chef will Bürger über E-Auto-Kauf abstimmen lassen

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E-Mobilität geht auch ohne Fördertopf: Fischbachaus Bürgermeister Josef Lechner will ein Elektroauto aus Haushaltsmitteln anschaffen. Welches, dürfen die Bürger selbst entscheiden.

Fischbachau – Die Qual der Wahl in Sachen E-Autos haben bald die Bürger in Fischbachau. Bei einer Umfrage in der nächsten Ausgabe des Gemeindeboten dürfen sie ankreuzen, welches Elektroauto sie sich in ihrem Ort wünschen. Einen Kleinwagen wie den Renault Zoe oder den BMW i3, ein Kompaktfahrzeug wie den Nissan Leaf, oder doch lieber einen Minivan wie den Renault Kangoo oder den Nissan Evalia? Den Sieger der Abstimmung werde die Gemeinde zeitnah anschaffen und als Carsharing-Fahrzeug zur Verfügung stellen, kündigt Bürgermeister Josef Lechner an. Aber nur, wenn genügend Bürger mitmachen. „Rücklauf zeugt von Interesse“, erklärt Lechner.

Dass der Bürgermeister überhaupt damit liebäugelt, auf Gemeindekosten ein E-Auto zu kaufen, liegt an der etwas komplizierten Vorgeschichte. Wie berichtet, suchte man im Fischbachauer Rathaus – wie bei vielen anderen Projekten auch – zuerst nach Fördergeldern. Mit dem transnationalen Interreg-Programm schien man fündig geworden zu sein. Neben Fischbachau bewarben sich auch die Gemeinden Bayrischzell, Schliersee, Irschenberg und Gmund für eine Starthilfe in Sachen E-Mobilität. Die Hiobsbotschaft folgte im Frühsommer: Die EU-Töpfe waren schnell erschöpft, der Autozuschuss wurde ersatzlos gestrichen. Da habe man sich dazu entschieden, das E-Auto-Projekt auf eigene Reifen zu stellen.

Eines der Hauptziele ist es für Lechner, die Fischbachauer von den Vorzügen des emissionsfreien Fahrens zu überzeugen. Durch ein gemeindeeigenes Fahrzeug hätten sie die Chance, mit der neuen Technik in Berührung zu kommen – und sich damit für eine wichtige Entscheidung vorzubereiten. Ab 2020 würde bei den ersten Haushalten die Einspeisevergütung für Fotovoltaikanlagen auslaufen. Spätestens dann würden sich viele Bürger überlegen, sich ein Elektroauto anzuschaffen, um so den selbst erzeugten Strom besser nutzen zu können.

„Wir wollen vorausdenken in unserer Gemeinde“, betont Lechner. Das gilt auch für das Carsharing-Modell an sich. Denn auch hier hat der Bürgermeister einen Hintergedanken. Sollte die gemeinsame Nutzung eines Autos bei den Bürgern gut ankommen, würden die vielleicht künftig auf die Anschaffung eines Zweitwagens verzichten.

Damit sich diese Hoffnung erfüllt, muss die Buchung und Bezahlung des Mietwagens möglichst unkompliziert vonstatten gehen. Hier wird Fischbachau laut Lechner auf externe Partner setzen. Neben MORE aus Garmisch-Partenkirchen, die bereits mit dem E-Werk Tegernsee kooperieren, ist mit E-Wald ein Anbieter aus dem Bayerischen Wald im Gespräch. Zur Abholung bereit stehen soll das Auto auf dem neuen Parkplatz im Fischbachauer Zentrum. Eigentlich sollten hier schon zwei Ladesäulen des Energiekonzerns Bayernwerk stehen. „Die hatten Lieferverzug“, erklärt Lechner. Noch im Herbst würden die Stationen aber aufgebaut.

Langfristig soll es in allen fünf Gemeindeteilen die neuen Stromzapfsäulen geben. Ein entscheidender Punkt, um das E-Carsharing für möglichst viele Bürger lukrativ zu machen. „An dieser Vision hat sich nichts geändert“, sagt Lechner. Zuerst jedoch müssen die Fischbachauer entscheiden, welches Auto sie wollen – und dann der Gemeinderat, ob der Rathaus-Chef auf Einkaufstour gehen darf. Den Zuschlag soll in jedem Fall ein Händler aus der Region erhalten, verspricht Lechner. Wann es so weit ist, kann er aktuell noch nicht sagen. „Aber vielleicht wäre das ja ein schönes Weihnachtsgeschenk für meine Bürger.“

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