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Aus Spende wird Gebühr: Bislang basierte die Kasse am Wanderparkplatz in Birkenstein auf freiwilliger Basis. Im Sommer wird daraus nun Pflicht. Die Gemeinde lässt einen Parkscheinautomaten aufstellen. 

Zum ersten Mal überhaupt in Fischbachau

Schluss mit Gratisparken: Gebührenpflicht für Wanderer in Birkenstein kommt

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Bald ist es mit dem Gratis-Parken in Birkenstein vorbei. Der Gemeinderat Fischbachau hat  eine Gebührenpflicht für den Wanderparkplatz am oberen Ortsende beschlossen. 

Fischbachau – Bevor sie die Bergschuhe für den Weg zum Gipfel schnüren, haben die Wanderer in Birkenstein nur ein Ziel: möglichst weit oben parken. Dies führt – vor allem an den klassischen Ausflugstagen – zu einem Ungleichgewicht in dem beschaulichen Fischbachauer Ortsteil. Während der obere Bereich unter den Automassen ächzt, ist der untere Parkplatz am Mühlenweg oft verwaist. Die Gemeinde will diese Schieflage wieder ins Lot bringen – und bricht dafür mit einem eisernen Grundsatz: Erstmals wird das Parken in Fischbachau gebührenpflichtig. Das hat der Gemeinderat gegen zwei Stimmen so beschlossen.

Vorerst handle es sich nur um ein Pilotprojekt, erklärte Bürgermeister Josef Lechner (CSU) nun im Gemeinderat. Als Testfeld habe man sich den stark frequentierten Wanderparkplatz am oberen Ende von Birkenstein ausgesucht. 150 Autos kommen hier derzeit unter. Die Fläche hat die Gemeinde langfristig gepachtet. Verdient hat sie damit bislang nichts. Das soll sich nun ändern. Fünf Euro werden künftig für ein Tagesticket fällig. Zwei Stunden bleiben gebührenfrei. Zum Einkehren oder Kirchgang, wie Lechner betonte. „Das sollte zum Beten reichen. Außer, es hat einer besonders viele Sünden zu beichten.“

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Bevor allerdings der Rubel rollt, muss die Gemeinde erst etwas investieren. Rund 6700 Euro soll der Parkscheinautomat kosten. Auch ein Fundament und ein Stromanschluss müssen noch geschaffen werden. Die Maschine soll ein echter Alleskönner sein. Sie schluckt nicht nur Münzen, sondern akzeptiert auch EC-Karten. Selbst per Smartphone-App lässt sich der Parkschein lösen. Der Münchner Anbieter ParkNow werde kostenlos seine Plattform auf den Automaten aufschalten. „Dann haben selbst die Stadterer keine Ausreden mehr“, meinte Lechner schmunzelnd.

Als Nebeneffekt der Gebührenpflicht erhofft sich die Gemeinde, dass die Wanderer auch den unteren, weiterhin kostenlosen Parkplatz für bis zu 40 Autos nutzen. Georg Göttfried (FaB) fürchtete allerdings eher ein Ausweichen auf die näher gelegenen Stellplätze beim Café Seidl. „Das haben die Bergsteiger gleich raus, und dann blockieren sie die Café-Gäste.“ Auch Emmi Göttfried (Neue Liste), Inhaberin der vor allem bei Wallfahrern beliebten Gaststätte, meldete sich zu Wort. „Ich bin für eine Gebühr, aber nicht so“, sagte sie und stimmte letztlich gegen den Beschlussvorschlag. Katharina Schreyer (CSU) regte an, auch beim Café Seidl eine Bezahlsäule aufzustellen.

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Das gehe wegen der Eigentumsverhältnisse nicht, erklärte Lechner. Der Parkplatz gehöre der Berggemeinde, die sich aus 27 Anteilseignern zusammensetze. Die Gemeinde Fischbachau habe die Stellplätze nur gepachtet. Der Bürgermeister machte aber klar, dass das Café Seidl über seine fünf angemieteten Plätze frei verfügen und diese auch für Wanderer sperren könne. Anders als beim großen Parkplatz scheide der Kommunale Zweckverband allerdings als Überwachungsinstitution aus.

Martin Schmid (FWG) wollte dies nicht so einfach akzeptieren. Man müsse eben mit der Berggemeinde verhandeln. In anderen Städten und Gemeinden gehe es ja auch. „In Rosenheim öffnet sich kein Schlagbaum, ohne dass man ein Ticket zieht.“ Schmids Fraktionskollege Hans Seemüller machte sich für ein Parkleitsystem stark, um die Gäste von vorneherein auf die für sie angedachten Plätze zu lotsen.

Genau das habe man vor, sagte Lechner. Zwei große Tafeln im Zentrum von Fischbachau sollen diese Leitungsfunktion erfüllen. Langfristig könne man sogar über ein digitales System zur Anzeige der noch verfügbaren Kapazitäten nachdenken. Das hat allerdings eine Voraussetzung: eine Gebührenpflicht auf allen Parkplätzen.

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