Amtsgericht verurteilt betrügerischen Fischbachauer

Schnelles Geld dank Mehrfach-Verkauf

Den Käufern blieb er die Ware schuldig, dem Vermieter die Miete: Ein Fischbachauer hat gleich mehrere Personen geprellt. Am Amtsgericht Miesbach kassierte er dafür nun die Quittung. 

Fischbachau Um schnell an Geld zu kommen, fasste ein 33-jähriger Fischbachauer einen Plan: Internet-Betrug. Zudem blieb er seinem Vermieter mehrere Tausend Euro schuldig, weil er seine Miete nur ein einziges Mal bezahlte. Nun fand sich der Mann wegen Betrugs auf der Anklagebank des Miesbacher Amtsgerichts wieder – und bekam von Richter Walter Leitner eine elfmonatige Freiheitsstrafe auf Bewährung aufgebrummt.

Immerhin bestritt der Fischbachauer seine Taten vor Gericht nicht. „Ich sagte mir immer, ich schicke es morgen weg, habe das dann aber nicht gemacht“, erklärte der 33-Jährige vor Gericht. Es um ein Airbrush-Set, das er im Oktober 2015 auf der Internet-Plattform eBay-Kleinanzeigen anbot. Schnell fand sich eine Käuferin, die den geforderten Betrag von 71 Euro auch prompt überwies. „Wenige Tage später habe ich das gleiche Set wieder auf eBay entdeckt, obwohl ich es ihm eigentlich schon abgekauft und bezahlt hatte“, sagte die betrogene 43-Jährige aus Flensburg vor Gericht aus. Sie roch den Braten: „Ich habe ihn nicht wissen lassen, dass ich diejenige bin, die das Set bereits erworben hat, und ihn nach seiner Handynummer gefragt.“ Die händigte der Fischbachauer der vermeintlich neuen Kaufinteressentin auch umgehend aus. Die Flensburgerin ging damit zur Polizei. Der Plan des 33-Jährigen, das Airbrush-Set immer wieder zum Verkauf anzubieten, war somit zum Scheitern verurteilt. Dennoch fand der Arbeitslose noch am selben Tag ein weiteres Opfer: Ein 43-Jähriger aus Erkrath in Nordrhein-Westfalen überweis 35 Euro auf das Konto des Fischbachauers – in der Hoffnung, ein Airbrush-Set zugeliefert zu bekommen. Fehlanzeige. Der Fischbachauer steckte das Geld der Käufer ein – die Ware verschickte er nie. „Ich hatte einfach kein Geld und habe das Airbrush-Set dann noch für private Zwecke weiter verwendet“, gestand er.

Damit nicht genug, machte sich der 33-Jährige auch noch des Mietbetrugs schuldig. Von September 2015 bis Juli 2016 lebte er in einer Wohnung in Fischbachau, die ihm ein Münchner Rechtsanwalt (61) vermietete. Die monatlichen Mietkosten beliefen sich auf rund 675 Euro. Gezahlt hat der Fischbachauer allerdings nur ein einziges Mal – im Oktober 2015. Somit häuften sich mehr als 7300 Euro an, die der 33-Jährige seinem Vermieter bis heute schuldig ist. „Ich habe es gut gemeint mit ihm“, erklärte der Münchner. „Ich hätte andere Interessenten gehabt, die finanziell weitaus flüssiger gewesen wären.“ Doch im Glauben, die Miete schon zu erhalten, gab der Rechtsanwalt dem 33-Jährigen samt Freundin und Kleinkind eine Chance. „Seine damalige Chefin hat mich gebeten, ihnen die Wohnung zu geben, da sie dringend eine benötigten. Das habe ich dann auch gemacht“, erinnerte sich der 61-Jährige.

Mit seinen rund 1300 Euro Monatslohn wäre der 33-Jährige auch durchaus imstande gewesen, die Miete zu stemmen. Doch dem Fischbachauer waren offenbar andere Dinge wichtiger: „Ich habe von dem Geld halt Klamotten gekauft und was man sonst so braucht.“ Kurze Zeit später schmiss er seinen Job, womit noch weniger Geld da war. „Es wurde mir einfach zu viel Arbeit, das wollte ich nicht mehr“, erklärte der 33-Jährige. Der Vermieter blieb auf den entgangenen Mieteinnahmen sitzen, die Flensburgerin auf dem Kaufpreis für das Airbrush-Set – der Erkrather immerhin erhielt sein Geld zurück.

Die Haftstrafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Der Fischbachauer muss 100 Sozialstunden ableisten, zudem ordnete Amtsrichter Leitner die Einziehung von mehr als 7300 Euro des hoch verschuldeten 33-Jährigen an. Leitner: „Sie wollten einfach Geld einziehen, ohne die Ware zu liefern. Zudem war Ihre finanzielle Situation schon vor Mietbeginn desolat – das wussten Sie auch.“

Philip Hamm

Rubriklistenbild: © dpa

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