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Die Angst vor geschlossenen Rollläden treibt die Fischbachauer um (Symbolfoto).

Antrag von CSU-Gemeinderat Michael Gartmaier

Schutz vor „Spekulanten“: Fischbachau plant Satzung gegen Zweitwohnungen

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Zweitwohnungsbesitzer genießen unter Einheimischen keinen guten Ruf. Im Fischbachauer Gemeinderat kam nun ein Antrag für eine neue Satzung auf den Tisch. Das Vorbild: Kreuth.

Fischbachau – Das Unheil beginnt schleichend, ja fast unbemerkt. Ein Haus wird verkauft, umgebaut und eingerichtet. Dann aber kehrt Ruhe ein. Die neuen Nachbarn machen sich rar, sind nur wenige Wochen im Jahr im Haus. Die Folge: geschlossene Rollläden, verriegelte Tore. Der klassische Fall eines Zweitwohnsitzes. Und je öfter er in einem Ort zu finden ist, desto mehr verändert sich dieser in eine Geisterstadt. Eine Angst, die nun auch in Fischbachau umgeht. „Wenn wir als Leitzachtaler in Richtung Tegernsee und Schliersee schauen, haben wir Angst, dass uns ein ähnliches Schicksal erleidet“, sagt Michael Gartmaier (CSU).

Um sich gegen die „Welle“ aus Zweitwohnsitzen zu wappnen, hat Gartmaier in der jüngsten Gemeinderatssitzung die Rathausverwaltung darum gebeten, den Erlass einer „Satzung zur Sicherung der Zweckbestimmung von Gebieten mit Fremdenverkehrsfunktion“ zu prüfen. Diese legt fest, dass eine Umwandlung von (Ferien-)Wohnungen oder Häusern in einen Zweitwohnsitz in bestimmten Gebieten nur noch per Genehmigung durch die Gemeinde möglich ist. „Damit können wir Wohnraum für Einheimische sichern und verhindern, dass dieser leer steht“, begründete Gartmaier seinen Antrag. Aktuell habe man nur bei Neubauprojekten ein Mitspracherecht, nicht aber wenn es um bereits bestehende Gebäude oder Vorhaben in Baulücken oder im Bereich alter Bebauungspläne gehe.

Neuland würde Fischbachau mit einer solchen Satzung nicht betreten. Neben mehrerer Gemeinden im Berchtesgadener Land hat kürzlich auch der Kreuther Gemeinderat den Erlass des Regelwerks beschlossen (wir berichteten). Gartmaier bat Rathauschef Josef Lechner (CSU) deshalb, mit seinen Bürgermeisterkollegen dort zu sprechen und sich über einen möglichen Geltungsbereich in Fischbachau Gedanken zu machen.

Lechner versprach, das Thema anzugehen. Es sei auch schon auf Landkreisebene diskutiert worden. Man werde die Kreuther Satzung, die sich allerdings erst als rechtssicher erweisen müsse, als Muster verwenden und einen Vorschlag für Fischbachau erarbeiten. Voraussichtlich im Januar oder Februar 2020 könne der Gemeinderat dann darüber abstimmen.

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Gut so, findet Gartmaier. Die Zeit dränge. Seit Jahren würden die Immobilienpreise in Fischbachau in die Höhe klettern und die Mieten fast zwei Drittel des Einkommens der Bürger fressen. Das, so Gartmaier, gelte es dringend einzudämmen. Eigentümer, die sich bereits einen Zweitwohnsitz in der Gemeinde gesichert haben, brauchen aber nicht zittern. Sollte Fischbachau die Satzung tatsächlich erlassen, gilt diese nur für neue Vorhaben, schränkte Gartmaier ein. „Bestehende Zweitwohnungen hätten Bestandsschutz.“

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Für die Zukunft sei die Aufgabe aber klar: „Schützen wir uns vor Häusern und Wohnungen, wo die Rollläden länger zu als offen sind“, forderte Gartmaier. Nur so könne man das Gemeindeleben in seiner jetzigen Form erhalten – und die Fischbachauer Bürger vor Spekulanten bewahren, „die Wohnraum nur als Geldanlage sehen“.

sg

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