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Das Anwesen befindet sich im idyllischen Leitzachtal.

Und jetzt klagen sie selbst gegen Käufer

Schwestern verkaufen Hof - Vater, der da wohnt, weiß nichts

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Zwei Schwestern haben ihre zwei Grundstücke samt Wohnhaus und Kapelle in Fischbachau verkauft. Ohne Wissen ihres Vaters, der da noch wohnt. Aber das ist noch nicht das Schlimmste.

Fischbachau/München Der Vertrag sei „sittenwidrig und nichtig“, heißt es in der Klage, die vor dem Landgericht München II verhandelt wird. Die beiden Schwestern sind der Ansicht, die Käufer hätten ihnen die Immobilien zum „Schleuderpreis“ abgeluchst. Das Problem hinter dem Kauf: Der Vater der Schwestern, der ein lebenslanges Wohnrecht im Erdgeschoss des Hauses hat, sollte nichts von dem Verkauf erfahren. Dabei hätte er sich als ehemaliger Immobilienexperte einer Bank im Landkreis Miesbach viel besser mit der Materie ausgekannt.

„Das ist eine komische Konstellation, dass man über den Vater hinweg verkauft“, sagte die Vorsitzende Richterin. „Da würde ich mich als Vater nicht über die Käufer, sondern erst mal über die Töchter ärgern.“ Sie fragte sich, warum die Frauen nicht mit dem Vater gesprochen hätten. „Ja, das war nicht schön, das stimmt“, sagte eine der Schwestern, die in Kolbermoor wohnt und die Klage führt. „Wir haben vermutet, dass er halt nicht dafür ist.“ Sie habe sich inzwischen bei ihrem Vater entschuldigt.

Die Vorsitzende fragte schließlich den Käufer, einen Manager, ob er sich in dieser Situation überhaupt wohlfühle. „Ich habe mir nichts vorzuwerfen“, betonte dieser. „Ich habe nicht vor, mich von Bedrohungen und falschen Behauptungen da wegdrängen zu lassen.“ Er berichtete, dass er vom Vater wegen Betrugs angezeigt worden sei. Dieser habe ihn auch in seinem beruflichen Umfeld diskreditiert. „Da bin ich sehr empfindlich. Da läuft jetzt ein Compliance-Verfahren. Ich tue mich schwer, die Sache einzustellen.“

Nach Angaben der Klägerin wollten sie und ihre Schwester die Grundstücke nicht unter einer halben Million Euro hergeben. Eine Maklerin vom Chiemsee hätte ihnen dann erklärt, dass solche Objekte „schwierig bis gar nicht“ zu verkaufen seien. Es liege abgelegen und nah an der Bundesstraße. Das führe zu einem niedrigen Preis.

Die Maklerin habe „das Anwesen runtergemacht“ – und schließlich den Manager aus Unterföhring als Interessenten ins Spiel gebracht. Bei einem Treffen hätten Sie sich dann auf rund 200 000 Euro geeinigt. „Das Problem war, dass wir schnell-schnell verkaufen wollten und uns nicht ausgekannt haben“, sagte die Klägerin. In ihrer Klageschrift heißt es, dass der Immobiliensachwert nach sachverständiger Schätzung bei 758 000 Euro liege, unter Berücksichtigung des Wohnrechts bei 675 000 Euro.

Der Käufer schilderte die Sache anders. Die Verkäuferinnen hätten beim Treffen „detaillierte Kaufpreisvorstellungen“ gehabt, die bei 260 000 Euro begonnen hätten. Zur Sprache seien dann die Probleme gekommen, etwa der Zustand des Hauses, das Wohnrecht und eine Grundschuld auf dem Haus. „Wir mussten den Preis nach unten ziehen. Das sahen die Klägerinnen ein“, sagte der Unterföhringer. Bei 220 000 Euro sei allerdings blockiert worden. „Ich habe zugesagt, auf ihr Kaufminimum einzugehen.“ Dabei komme er bei Abzug aller Minderungen und Risiken, darunter auch eine angebliche Branddrohung durch den Bewohner, auf einen Wert von unter 200 000 Euro.

Rechtlich geht es nun darum, ob ein „grobes Missverhältnis“ zwischen Wert und Kaufpreis vorliegt. Von einem solchen geht die Rechtsprechung bei 90 Prozent Abweichung aus, erklärte die Richterin in der Verhandlung. „Die Hürden für einen Sieg erscheinen äußerst hoch, aber es ist nicht auszuschließen“, sagte sie. Der Prozess dauert an.

gut

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