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Stolz auf sein besonderes Werk: Schreiner Rudolf Rauffer aus Fischbachau hat seinem Sohn Josef zur Primiz einen Messkelch und eine Hostienschale aus Olivenholz angefertigt.

Primiz von Josef Rauffer

“Etwas sehr, sehr Einmaliges“

Die Eltern schenken dem Primizianten sein erstes Messgeschirr. So will es die Tradition. Im Fall von Josef Rauffer aus Fischbachau fällt dieses Geschenk außergewöhnlich aus. 

Fischbachau – Wenn Josef Rauffer an diesem Sonntag Primiz feiert, folgt vieles besonderen Bräuchen. Etwa, dass die Feier in seiner Heimatgemeinde abgehalten wird und er ein eigens angefertigtes Primizgewand trägt. Tradition ist es auch, dass die Eltern Kelch und Schale schenken. Dass diese selbst angefertigt sind, ist ungewöhnlich. „Das ist schon etwas sehr, sehr Einmaliges“, sagt Rauffer erfreut. Und sinniert, dass ihm kein anderer bekannt sei, dessen Eltern die Gefäße für Hostien und Messwein selbst gemacht hätten: „Ich glaube, das ist absolut einzigartig.“

Dazu kommt das Material. Während liturgische Utensilien normalerweise aus Metall hergestellt sind, sind die aus der Rauffer’schen Werkstatt aus Holz. Das sei seine Idee gewesen, erzählt der 29-jährige Schreinerssohn. Ganz so sicher war er sich zuerst jedoch nicht. „Soll man das überhaupt machen?“, habe er sich überlegt. Dann sei er aber recht schnell auf Holz gekommen, weil das der Werkstoff war, mit dem er aufgewachsen ist. Zudem passe es gut, weil Jesus beim letzten Abendmahl seinen Jüngern wohl eher einen Becher aus Holz oder Ton gereicht habe als ein Gefäß aus Metall. So habe er den Papa gefragt, ob das mit dem Schnitzen ginge.

Für den Vater war es gleichermaßen Herzensangelegenheit wie handwerkliche Herausforderung. „Gehen wir’s an“, sagte Rudolf Rauffer und fing mit den Prototypen an. Das war vor drei Jahren. Mit der Ausführung begann er vor eineinhalb Jahren. „Er hat sich richtig reingehängt“, sagt der Sohn erfreut. Die größte Schwierigkeit habe darin bestanden, zwei lebende Materialien so zu verbinden, dass es in der Kombination funktioniert. Konkret hieß das, das hell gemaserte Olivenholz innen mit Metall auszukleiden.

Hier kam Sabine Linseisen ins Spiel. „Frau Rauffer hat sich bei mir mal Ohrringe machen lassen“, erzählt die Haushamer Goldschmiedin. Diese habe sie angesprochen, weil sie gehört habe, dass sie offen für ungewöhnliche Anfertigungen sei, sagt Linseisen. Tatsächlich habe sie das ungewöhnlich große Stück „ganz schön gefordert“. Schritt für Schritt hätten sie und Rudolf Rauffer gearbeitet. Immer wieder trafen und besprachen sie sich.

Von der ursprünglichen Idee, die gedrechselten Stücke mit Gold auszukleiden, seien sie schon aus Kostengründen schnell abgekommen. Stattdessen wählten sie vergoldetes Silber. Wie das zu bearbeiten war, erfuhr Linseisen von einem befreundeten Silberschmied, den sie um technischen Rat fragte. Etwa drei Wochen saß sie daran, klopfte, schliff, polierte. Schließlich wurden Holzkorpus und Innenschale miteinander verschraubt. So könne man die Teile wieder vergolden, wenn im Lauf der Jahre Abnutzungserscheinungen auftreten.

Wann und wie Josef Rauffer Primizkelch und -Schale verwendet, ist ihm überlassen. Auf jeden Fall wird es ihn jedes Mal an die Eltern erinnern. Nicht nur wegen der entsprechenden Inschrift am Fuß, die die einzige Zier neben dem doppelten Scheyrerkreuz ist. Das wählte der Fischbachauer, weil das Kloster Scheyern eine Gründung seiner Heimatkirche ist und er selbst vom Abt von Scheyern gefirmt wurde. Wenn Kelch und Schale das erste Mal benutzt werden, ist auch Linseisen dabei: „Es ist immer besonders schön, wenn man was macht, das einen emotionalen Wert hat.“

Das Festprogramm

Die Primizfeier von Josef Rauffer beginnt schon am frühen Sonntagmorgen. Um 7 Uhr erfolgt der Weckruf. Seine erste Messe, den feierlichen Primizgottesdienst, feiert Rauffer ab 10 Uhr im Kurpark in Fischbachau. In einem großen Festzug geht es dann weiter zum Festzelt, wo Rauffer für 12.30 Uhr zu seinem Primizmahl lädt. Seinen würdigen Abschluss erhält der große Festtag für den Pfarrverband Oberes Leitzachtal mit der Dankvesper und dem Empfang des Einzelprimizsegens um 17 Uhr im Martinsmünster.

Heidi Siefert

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