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Paraderolle in 147 Folgen: Thekla Mairhofer bei einer Szene der Fernsehserie „Café Meineid“.

Zum 60. Geburtstag der Schauspielerin und Café-Besitzerin

Vom Café Meineid ins Winklstüberl: Porträt über Thekla Mairhofer

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Sie zog aus, um Schauspielerin zu werden. Sie hatte Erfolg – doch ihre Heimat im Café Winklstüberl vergaß sie nie. Zum 60. Geburtstag unser großes Porträt über Thekla Mairhofer.

Fischbachau – Das Drehbuch ihres Lebens traf Thekla Mairhofer 2003 mit voller Wucht. Nicht im Café Meineid, sondern daheim im Winklstüberl. Ihr Vater war gestorben, sie musste den Betrieb übernehmen. Von heute auf morgen, als Schauspielerin und alleinerziehende Mutter. „Da zieht es einem erst mal den Boden unter den Füßen weg“, sagt Mairhofer. Das schlug ihr auch auf die Gesundheit. So sehr, dass es ihr zwischenzeitlich sogar die Sprache nahm. Mairhofer hätte vielleicht aufgegeben – wären da nicht die Anrufe von Franz Xaver Bogner gewesen. Der Regisseur und Drehbuchautor beschwor seine Freundin, nicht aufzugeben. Auch andere Film- und Fernsehkollegen sprachen ihr Mut zu. Mit Erfolg: Mairhofer kämpfte sich in ihre wohl schwerste Rolle hinein – und meisterte sie.

Als Inhaberin und Chefin des Café Winklstüberl erhält Thekla Mairhofer nun Unterstützung durch ihre Tochter Sophia.

Dass sie einen starken Willen hat, hatte sie bereits knapp 30 Jahre zuvor bewiesen. Mit 17 Jahren ging sie auf die Schauspielschule nach München und folgte damit dem Rat von Volksschauspieler Ludwig Schmid-Wildy. „Der hat gesagt, ich bin begabt“, sagt Mairhofer und lacht. Ihre Eltern waren ganz und gar nicht begeistert. Sie hätten ihre Tochter lieber daheim im Café gesehen. Ihr Vater setzte sie in München ab, dann war sie auf sich allein gestellt. Interesse an ihrer Schauspielerei hätten ihre Eltern nie gezeigt, meint Mairhofer. „Vielleicht hatten sie auch einfach keine Zeit dazu.“ Umso mehr freut es sie, dass ihre Mutter heimlich doch ein Album mit Fotos und Zeitungsausschnitten ihrer berühmten Tochter angefertigt hat.

1977 legte diese ihre „Bühnenreife-Prüfung für Schauspiel und Musical“ ab. Nach einem Lehrjahr am Stadttheater Ingolstadt hatte sie im Historien-Dreiteiler „Sachrang“ ihren ersten Fernsehauftritt. Bis heute ihr Lieblingsstück ist aber eine Theaterproduktion: „Jagdszenen aus Niederbayern“ aus dem Jahr 1984. Die Geschichte über den schwierigen Stand von Außenseitern in einem kleinen Dorf. „Das ist irgendwie exemplarisch für mein Leben gewesen“, sagt Mairhofer. Auch sie musste gegen viele Widerstände ankämpfen, als sie das Winklstüberl übernahm. „Keiner hat es mir zugetraut“, sagt sie. Allen Gerüchten zum Trotz verkaufte sie nicht.

Ausgerechnet die Rolle einer Außenseiterin war es, die Mairhofer zum Fernsehdurchbruch verhalf. 1986 spielte sie bei „Irgendwie und Sowieso“ eine Prostituierte. Und das mit so viel Humor, dass Ottfried Fischer und Franz Xaver Bogner am Set aus dem Lachen nicht mehr herauskamen. Ab diesem Tag war Mairhofer bei Bogners Projekten gesetzt. Die Rolle der g’schnappigen Gerichts-Protokollführerin Roswitha Haider im Café Meineid war ihr quasi auf den Leib geschneidert. Als Einzige war sie in allen 147 Folgen von 1990 bis 2003 zu sehen. Bis heute bezeichnet Mairhofer ihre Schauspielkollegen als eine Art Familie.

Dass sie im Abspann der Serie – wie auch bei allen anderen Produktionen – mit dem Nachnamen Mayhoff auftaucht, liegt an ihrer damaligen Agentin. Die habe ihr geraten, sich von Mairhofer zu trennen. „Sie hat gemeint, das ist zu lang und zu bayerisch“, erzählt die Fischbachauerin und lacht. Dem Rat, für eine Zeit lang nach Hamburg zu gehen, um dort richtig Deutsch zu lernen, folgte sie nicht. Die Nähe zu ihrer Heimat war ihr wichtiger.

Tatsächlich wurde Mairhofer dort wieder gebraucht. Zwei Schicksalsschläge im Jahr 1995 sorgten dafür, dass sie die Gerichtsrobe immer öfter mit der Schürze tauschte. Ihr Bruder war bei einer Skitour in einer Lawine ums Leben gekommen, nur einen Monat später starb ihre Mutter an Krebs. „Das war der Anfang meiner Rückkehr“, sagt Mairhofer. Ab 2003 musste sie dann endgültig ihre Frau stehen. Die neuen Auflagen machten ihr das Leben nicht leichter. Ständig musste sie investieren, modernisieren, nachrüsten. Mit IHK-Kursen erarbeitete sich die gelernte Schauspielerin das Rüstzeug für ihre neue Rolle als Geschäftsführerin.

Nach und nach brachte sie nicht nur die Produktion, sondern auch die Stüberl auf Vordermann. Den ursprünglichen Charakter des Winklstüberl tastete sie dabei aber nicht an – und erst recht nicht die Größe der berühmten Tortenstücke. Wohl auch deshalb kennt der Ansturm an schönen Tagen keine Grenzen. Manchmal, wenn die Gäste sich sogar schon auf der alten Holztreppe zum Obergeschoss auf die Füße steigen, wird es selbst der Geschäftsführerin ein bisschen mulmig. Wegschicken will sie trotzdem niemanden.

Sie selbst klinkt sich hingegen mittlerweile ab und zu aus. Zum Beispiel für einen Spaziergang mit Mischlingshund Marwin nach Birkenstein. Kürzlich war sie mit ihrem Mann sogar eine Woche in Griechenland. Dank ihrer Tochter Sophia (22) mit ruhigem Gewissen. Die gelernte Bankkauffrau übernimmt an vier Tagen in der Woche die Frühschicht im Büro. Das Mutter-Tochter-Gespann harmoniert glänzend, meint Mairhofer – auch wenn sich die beiden Damen in ihren Arbeitsweisen stark unterscheiden. „Ich gehe als Schauspielerin eher nach meinem Gefühl“, sagt Mairhofer. „Sophia ist ein Vernunftsmensch.“ Gute Voraussetzungen, um den Betrieb eines Tages zu übernehmen.

Noch denkt die 22-Jährige aber nicht daran. Ihre große Leidenschaft gilt ihren drei Pferden, die sie auch auf Turnieren reitet. Thekla Mairhofer lässt ihr diese Freude – auch wenn es ihr manchmal nicht leicht fällt. In solchen Momenten denkt sie an ihre eigene Jugend. „Ich war damals noch widerspenstiger als Sophia“, meint sie schmunzelnd. Und doch hat sie das Drehbuch ihres Lebens vor allem eines gelehrt: Wie wichtig es ist, für den eigenen Traum zu kämpfen – egal, was andere sagen.

Das Kultcafé in Zahlen

Nicht nur Thekla Mairhofer feiert Geburtstag, sondern auch das Café Winklstüberl. Zwar keinen Runden wie die Chefin, dafür aber mit 66 eine besondere Schnapszahl. Zeit, den vielen Mythen rund um das Kultcafé ein paar Zahlen gegenüberzustellen. 

1300 wurde das heutige Winklstüberl als Schwaige Wynckel erstmals erwähnt. Es gehörte damals zum Kloster Maxlrain. 

1470 taucht ein Hanns Winkler erstmals in den Chroniken auf. Das Anwesen ist an das Kloster Scheyern gegangen und muss dort jedes Jahr 300 Käse abliefern. 

1680 dient die Winklschwaige dem Kloster Fischbachau. 

1865 kauft sie ein Makler und zerteilt sie in mehrere kleine Besitztümer. Das Bauernhaus geht an den Tiroler Paul Landmann. 

1950 übernehmen Josef und Thekla Mairhofer das Café Winklstüberl. seit 2003 leitet es ihre Tochter Thekla. 

10 Stüberl gibt’s im Winklstüberl. Alle sind unterschiedlich eingerichtet. 

449 Sitzplätze hat das Winklstüberl. 199 im Haus, bis zu 250 auf den Terrassen. 

800 nostalgische Kaffeemühlen stehen auf den Regalen im Café. Thekla Mairhofers Mutter hat sie über Jahre gesammelt. 

42 Sorten an Torten, Kuchen und Gebäck werden täglich in der Backstube hergestellt. Dazu kommen sechs „Wochenendschnitten“. Unumstrittener Renner ist die Bayrisch Creme. 

40 Mitarbeiter sind beim Winklstüberl fest angestellt, darunter zehn Konditoren. Je nach Saison und Andrang sind zusätzlich bis zu 30 Aushilfskräfte am Start. 

0 Ruhetage hat das Winklstüberl vorzuweisen – seit 1950. Auch Betriebsferien gab und gibt es keine. 

50 Prozent des Umsatzes machen Tagesgäste wie Ausflügler aus, die andere Hälfte kommt durch Veranstaltungen wie Taufen oder Hochzeiten zustande. 

10 Stücke schneiden die Thekenmitarbeiter aus jeder Torte heraus. Wie viele pro Tag die Backstube verlassen, bleibt ein Geheimnis. „Wir haben mal mit einer Strichliste angefangen“, sagt Thekla Mairhofer schmunzelnd. „Um drei Uhr nachmittags sind wir nicht mehr nachgekommen.“

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