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Muss aktuell auf ein Ersatzgerät zurückgreifen: Schwimmmeister Peter Baumgartner mit einem Beckensauger im Fischbachauer Warmfreibad. Weil das Roboterfahrzeug von nächtlichen Eindringlingen beschädigt wurde, kommt nun wieder das bereits ältere Zweitgerät zum Einsatz. 

Sie lassen sich von der Maschine durchs Becken ziehen

Kurioser Vandalismus im Warmfreibad: Nachtschwimmer attackieren Saugroboter

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Sie steigen über den Zaun und hüpfen ins Becken. Nun haben Eindringlinge im Warmfreibad Fischbachau eine weitere Attraktion für sich entdeckt: den Saugroboter.

Fischbachau – Am Rausch der Geschwindigkeit kann es nicht liegen. Gemächlich kriecht der Poolsauger des Nachts durch das Becken im Fischbachauer Warmfreibad. Als Antrieb zum Wasserskifahren taugt er also nicht. Dennoch hängen sich immer wieder Passagiere an die kleine Maschine im Stil eines Mähroboters und lassen sich durchs kühle Nass ziehen: Nachtschwimmer, die nach Einbruch der Dunkelheit über den Zaun klettern.

„Der Sauger ist halt unsere einzige Nachtattraktion im Bad“, seufzt Nikolaus Estner. Doch wirklich zum Lachen zumute ist dem Meister für Bäderbetriebe mittlerweile nicht mehr. Denn die Eindringlinge richten mit ihren Fahrten einen großen Schaden an. Rund 2000 Euro habe die letzte Reparatur gekostet, berichtet Estner. Aktuell befindet sich der Sauger schon wieder beim Hersteller.

Warmfreibad Fischbachau: Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung

Als wäre der nächtliche Hausfriedensbruch nicht genug, hat das Fischbachauer Warmfreibad nun auch noch mit Sachbeschädigung zu kämpfen. „Wegen eines sinnlosen Blödsinns“, ärgert sich Estner. Bisweilen werde der Roboter auch einfach aus dem Wasser gezogen und wieder reingeworfen. Gift für die sensible Technik, die sich per GPS durchs Becken manövriert. Mindestens einmal pro Woche ist das Gerät im Einsatz, um Haare, Blätter und andere Verunreinigungen aus dem Wasser zu filtern. „Das ist auch so vorgeschrieben“, erklärt Estner.

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Auch Bürgermeister Josef Lechner (CSU) ist alarmiert. Er sieht nicht nur den finanziellen Schaden, sondern auch ein Risiko für die Nachtbader. „Das alles geschieht ohne Aufsicht“, sagte er nun im Gemeinderat. Doch die „Ermittlungen“ haben bereits begonnen. Drei Personen stünden im Verdacht, regelmäßig bei Dunkelheit ins Bad einzusteigen. Die habe er auch bereits angeredet, berichtete Lechner. So nach dem Motto: „Big brother is watching you“ – frei übersetzt: „Der große Bruder hat euch im Blick.“ Sobald ein eindeutiger Zeugenhinweis vorliege, werde man über eine Anzeige nachdenken.

Kamera soll Nachtschwimmer im Warmfreibad Fischbachau enttarnen

Dafür setzt die Gemeinde nun auch auf technische Unterstützung. Eine Wildkamera mit Nachtsichtfunktion soll helfen, die Eindringlinge zu entlarven. Jeweils von 21 bis 7 oder 8 Uhr morgens sollen die Objektive scharf geschalten sein. Und scharf seien sie tatsächlich, betonte Lechner schmunzelnd in Richtung der Nachtbader. „Ich hoffe, sie sind keine Nacktschwimmer und haben Badehosen an.“ Sollte nichts Auffälliges in den Aufzeichnungen zu sehen sein, würden diese aber natürlich sofort gelöscht.

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Auch Estner betont, dass es nicht gleich um eine polizeiliche Anzeige gehe. Vielmehr wolle man Gesichter haben und die betreffenden Personen dann direkt auf ihr Fehlverhalten und dessen Konsequenzen ansprechen. Falls es sich um Jugendliche handle, werde man auch die Eltern mit ins Boot holen.

Die Hoffnung geht vor allem in Richtung Vernunft. Denn jedes Mal, wenn der Beckensauger wieder defekt ist, müssen Estner und seine Kollegen auf ein altes Ersatzgerät zurückgreifen. Sollte das auch mal ausfallen, wäre im schlimmsten Fall die Beckenreinigung nicht mehr in gewohnter Qualität möglich. Und dann wäre es mit dem Badespaß schnell vorbei – auch tagsüber. Für alle.

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