Gut bedacht bei Wind und Wetter: Die beiden Schülerinnen Marlies Floßmann (3.v.l.) und Amelie Bachmeier (3.v.r.) bedanken sich stellvertretend für alle anderen Kinder bei der Hundhamer Dorfgemeinschaft sowie (v.l.) Werner Simon (Grundstück), Bürgermeister Johannes Lohwasser, Max Bachmeier (Zimmerer) und Anderl Floßmann für das neue Buswartehäuschen am Hundhamer Marienplatz. Foto: Privat
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Gut bedacht bei Wind und Wetter: Die beiden Schülerinnen Marlies Floßmann (3.v.l.) und Amelie Bachmeier (3.v.r.) bedanken sich stellvertretend für alle anderen Kinder bei der Hundhamer Dorfgemeinschaft sowie (v.l.) Werner Simon (Grundstück), Bürgermeister Johannes Lohwasser, Max Bachmeier (Zimmerer) und Anderl Floßmann für das neue Buswartehäuschen am Hundhamer Marienplatz.

Grundstück kostenlos bereitgestellt

Hundhamer bauen Wartehäuschen als Bürgerprojekt

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Man könnte es als Paradebeispiel einer intakten Dorfgemeinschaft bezeichnen: Seit Jahren engagiert sich ein Kreis an Hundhamer Bürgern für Projekte im Ort. Jetzt ist der umtriebigen Gruppe der nächste Coup geglückt: ein Schulbus-Wartehäuschen am Marienplatz.

Hundham – Dass das neue Wartehäuschen am Hundhamer Marienplatz die meiste Zeit über leer steht, liegt nicht an mangelnder Nachfrage. Vielmehr ist der erneute Lockdown samt Schulschließung Schuld, dass kein Kinderlachen durch den hölzernen Unterstand hallt – und aktuell natürlich auch die Weihnachtsferien. Wenn es dann aber wieder losgeht mit Präsenzunterricht, braucht der Hundhamer Nachwuchs beim Warten auf den Schulbus Wind und Wetter nicht mehr länger zu fürchten – dank einer Initiative der Dorfgemeinschaft.

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Hundhamer bauen Wartehäuschen als Bürgerprojekt

Wie der Fischbachauer CSU-Gemeinderat Michael Gartmaier berichtet, habe es bereits vor Jahrzehnten Überlegungen gegeben, an der Haltestelle Marienplatz ein Wartehäuschen aufzustellen. Doch erst Ende 2020 sollte die Idee in die Tat umgesetzt werden. Der Hundhamer Anderl Floßmann brachte den Stein ins Rollen. Eine spontane Aktion, berichtet Gartmaier. Doch der Rückhalt in der Bevölkerung war groß und so gelang es Floßmann, den halben Ort zum Mithelfen zu motivieren.

Um den Gehsteig nicht zu blockieren, entschieden sich die Initiatoren für einen Standort in der angrenzenden Wiese. Die gehört dem Hundhamer Werner Simon. Anders als in anderen Gemeinden blieben den Beteiligten in Sachen Buswartehäuschen langwierige Grundstücksverhandlungen erspart. „Familie Simon hat sich vorab bereit erklärt, einen Teil ihres Grundstücks zur Verfügung zu stellen“, berichtet Gartmaier begeistert.

Ebenso unkompliziert verlief der Bau. Etliche Gewerbetreibende aus dem gesamten Gemeindegebiet spendeten Material von Holz über Glas und Pflaster bis hin zur Dachrinne sowie Schrauben. Väter und Großväter schafften es mit handwerklichem Geschick, dass der Bau noch rechtzeitig vor dem ersten Schnee fertig wurde. Auch die Gemeinde ließ sich nicht lumpen und bezahlte das Fundament und die Dachplatten. Auch der Bauhof rückte aus, berichtet Bürgermeister Johannes Lohwasser. Die Dorfgemeinschaft übernahm die trotz großzügiger Spenden verbleibenden Kosten und verköstigte die fleißigen Arbeiter.

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Der Bürgermeister begrüßt ausdrücklich das Engagement der Hundhamer. „Nachahmung ist willkommen“, sagt Lohwasser. Tatsächlich scheint sich in dieser Hinsicht schon etwas abzuzeichnen. Vom Auerberg habe er Signale für ein ähnliches Projekt vernommen, berichtet Lohwasser erfreut. „Wir als Gemeinde versuchen, so viel wie möglich zu unterstützen“, verspricht der Rathauschef.

Die Hundhamer hingegen hoffen, dass ihr neues Wartehäuschen nicht nur von den Schülern genutzt, sondern auch von den Bussen öfter angefahren wird. So wolle man den Umstieg vom Auto auf den Öffentlichen Personennahverkehr attraktiver machen – gerade auch bei den jüngsten Bürgern. Bleibt zu hoffen, dass auch eine Taktverdichtung im Busverkehr angestrebt wird, sagt Gartmaier. „So dass es in Zukunft noch öfter heißt: Nächster Halt Hundham Marienplatz.“

Die rund 20 Schulkinder, die hier regelmäßig zusteigen, haben durch das neue Wartehäuschen jedenfalls deutlich mehr Komfort. Sogar eine Sitzbank gibt es. Zum Ausruhen, falls der Schulranzen mal wieder schwer auf die kleinen Schultern drückt. Die Initiatoren des Projekts freuen sich, dem Nachwuchs etwas gutes getan zu haben. Doch auch sie haben einen Wunsch: „Haltet das Bushäusl sauber, sonst bauen wir es wieder ab.“

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