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(Noch) nicht im Zweitwohnungs-Fokus: die Gemeinde Fischbachau.

Diskussion über Satzung

„Werden aufgekauft“: Gemeinderat Fischbachau will Zweitwohnsitze ausbremsen

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Die Zahlen lassen noch keinen Trend erkennen. Doch die Fischbachauer Gemeinderäte fürchten trotzdem eine Überflutung mit Zweitwohnungen - und wollen gegensteuern.

Fischbachau – Noch ist die Welle nicht bis ins Leitzachtal geschwappt. Ein signifikanter Zuwachs an Zweitwohnungen sei bislang nicht zu beobachten in Fischbachau, informierte Bürgermeister Johannes Lohwasser (FWG) nun im Gemeinderat. Auf dem vermeintlichen Polster ausruhen dürfe man sich trotzdem nicht, entgegnete Michael Gartmaier (CSU). Niemand wisse, was noch kommen könne. „Wir sollten unseren Vorsprung aufs Tegernseer Tal nutzen“, betonte Gartmaier und erinnerte an seinen Antrag vom November 2019, in dem er die Rathausverwaltung mit der Prüfung der Einführung einer Zweitwohnungssatzung beauftragt hatte (wir berichteten). „Wir brauchen eine Möglichkeit, um als Gemeinde Einfluss nehmen zu können“, fand Gartmaier.

Auf der Tagesordnung stand das Thema eigentlich nicht. Und doch schien es einige Gemeinderäte stark zu bewegen, wie die Wortmeldungen zeigten. Angesprochen hatte es Willi Rothemund (FWG). Er erkundigte sich unter dem Punkt „Anfragen“ nach dem derzeitigen Sachstand zur Ausarbeitung einer Satzung, um die Umwandlung von Wohnraum in Zweitwohnungen einzubremsen. „Das wäre ein wichtiges Signal“, sagte Rothemund.

Der Bürgermeister warnte hingegen vor zu großer Euphorie. Man habe sich die Satzungen anderer Gemeinden angeschaut und sei zum Ergebnis gekommen, dass diese „rechtlich höchst fragil“ seien. Die Ausarbeitung sei schwierig, Klagen bei Vollzug wahrscheinlich. „Und wer kontrolliert die Einhaltung?“, fragte Lohwasser. In seinen Augen entfalte eine solche Satzung daher nur „Symbolwirkung“. Angesichts der in Fischbachau nicht vorhandenen „Dynamik“ in Sachen Zweitwohnungen halte er eine Einführung für wenig sinnvoll. „Die Zahlen lassen bei uns keinen Trend in diese Richtung erkennen.“

Zu den rechtlichen Hürden wusste Bauamtsleiter Werner Wagner einiges zu berichten. So sei eine Zweitwohnungssatzung nur in solchen Gebieten anzuwenden, in denen die touristische Nutzung von Gebäuden tatsächlich in Gefahr sei. Obendrein liege die Grenze, ab der ein Zweitwohnsitz genehmigungspflichtig sei, ziemlich hoch. Nur der, der weniger als 184 Tage im Jahr hier lebe, müsse einen Antrag stellen, so Wagner. „Wie man das kontrollieren soll, kann mir keiner erklären.“ Heißt im Umkehrschluss aber auch: In allen anderen Fällen greife die Satzung „hinten und vorne nicht“.

Die Gemeinderäte ließen dennoch nicht locker. Eine der Folgen der Corona-Pandemie werde sein, dass dank Homeoffice immer mehr Menschen aus den Städten aufs Land ziehen würden, warnte Bernhard Padeller (FaB). „Dadurch wird der Druck für Wohnraum bei uns noch größer.“ Eva Köhler (Grüne) bat darum, abseits der Zahlen auch die Gefühlslage der Einheimischen in die Überlegungen einzubeziehen. Da gebe es eben schon Ängste, dass sich Reiche, die aktuell noch im Tegernseer Tal unterwegs seien, früher oder später „auch bei uns einkaufen“. Eine Sorge, die auch Andreas Estner (FWG) spürt. „Die Bevölkerung fürchtet, dass wir aufgekauft werden.“ Da sei eine Zweitwohnungssatzung ein Signal, dass sich die Gemeinde zu wehren versuche. „Und dieses Signal sollten wir auch geben.“

Lohwasser verspricht auf Nachfrage unserer Zeitung, den Wunsch ernst zu nehmen. Er werde den Beschlussvorschlag in einer der nächsten Gemeinderatssitzungen auf die Tagesordnung setzen. „Wenn die Mehrheit eine Satzung will, werde ich mich dem nicht verwehren.“

sg

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