Fordern Entlastung für Gastronomie und Hotellerie: Kirchstiegl-Wirt Martin Lidschreiber (r.) und CSU-Gemeinderat Michael Gartmaier wünschen sich mehr Unterstützung durch die Gemeinde Fischbachau.
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Fordern Entlastung für Gastronomie und Hotellerie: Kirchstiegl-Wirt Martin Lidschreiber (r.) und CSU-Gemeinderat Michael Gartmaier wünschen sich mehr Unterstützung durch die Gemeinde Fischbachau.

Appell ans Rathaus Fischbachau

Wirt und Gemeinderat fordern: Kein Fremdenverkehrsbeitrag für Gastro und Hotels

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Die Lage von Gastronomie und Hotellerie ist nach monatelangem Lockdown kritisch, finden zwei Fischbachauer. Sie wünschen sich mehr Unterstützung durch die Gemeinde.

Fischbachau – „Schee wars beim Wirt“, singt Martin Lidschreiber vom Fischbachauer Duo Da Maurer und Da Wirt im gleichnamigen Titel auf der neuen CD „Waide Hund“. Aktuell klingt der Song aber eher wie ein nostalgisches Schwelgen in längst vergangenen Zeiten. Denn beim Wirt „zamhocken“ können sich die Menschen wegen des andauernden Corona-Lockdowns seit Monaten nicht.

Auch Lidschreiber selbst, der zusammen mit seiner Mutter das Gasthaus Kirchstiegl in Greisbach führt, geht die aktuelle Situation zunehmend an die Substanz. Wirtschaftlich und nervlich gleichermaßen. Aus dieser Verzweiflung heraus hat Lidschreiber nun einen Hilferuf an die Gemeinde ausgesandt. Sein Wunsch: Den Fremdenverkehrsbeitrag für alle Betriebe in Gastronomie und Übernachtungstourismus aussetzen.

Seit Kurzem gibt es nun immerhin eine erste, zarte Öffnungsperspektive für Außengastronomie (10. Mai) und Hotellerie (Pfingsten). Einkehrschwung und Zimmerbuchung sollen jedoch vorerst an strenge Regeln (Inzidenz stabil unter 100) samt Negativtest gekoppelt werden. Für Lidschreiber noch keine wirkliche Rückkehr zur griabigen Wirtshauskultur im Leitzachtal, zumal man wohl sogar für eine Halbe Bier auf der Terrasse einen Termin vereinbaren muss. An seiner Forderung, den Fremdenverkehrsbeitrag vorübergehend zu erlassen, hält der Wirt deshalb fest.

Wirt wünscht sich mehr Unterstützung durch Gemeinde

Je nach Umsatz zahle er jedes Jahr zwischen 1500 und 2000 Euro an Fremdenverkehrsbeitrag, berichtet der Kirchstiegl-Wirt. Schon im Herbst vergangenen Jahres bemängelte der Kirchstiegl-Wirt im Zuschauerraum des Gemeinderats die aus seiner Sicht fehlende Unterstützung. „Leider hat sich aber trotzdem nichts bewegt“, erzählt Lidschreiber. Also wandte er sich an seinen CSU-Kollegen und Tourismusreferenten Michael Gartmaier, der im Fischbachauer Gemeinderat sitzt.

Der bemängelte in der Sitzung am 22. März, dass der Punkt erneut nicht auf der Tagesordnung aufgetaucht sei. Neben besagtem Erlass des Fremdenverkehrsbeitrags regte Gartmaier dabei auch einen „Seniorennachmittag to go“ oder eine Gutscheinaktion an, um die Gastronomen im Ort zu unterstützen. Auch diese Vorschläge seien bislang aber nicht ernsthaft diskutiert worden.

Gartmaier kann das nicht nachvollziehen. „Unsere Wirte tragen zum Erhalt von Kultur und Brauchtum bei“, sagt er. In guten Zeiten sage jeder, wie wichtig sie sind, also müsse man ihnen in dieser schwierigen Zeit auch zur Seite stehen. „Sonst sind sie irgendwann nicht mehr da.“ Gartmaier weiß, dass die Einflussmöglichkeiten der Gemeinde begrenzt sind. Dennoch müsse man mit Pragmatismus und guten Ideen versuchen, etwas zu bewegen. Alleine schon aus symbolischen Gründen.

Bürgermeister fürchtet Klagen

Bürgermeister Johannes Lohwasser (FWG) teilt auf Nachfrage unserer Zeitung mit, dass er sich sehr wohl Gedanken gemacht habe. Er werde das Thema gern im Gemeinderat zur Diskussion stellen. Die Verwaltung werde die Aussetzung des Fremdenverkehrsbeitrags aber nicht empfehlen. „Ich bezweifle, dass sich eine Befreiung für einzelne Branchen rechtssicher umsetzen lässt“, erklärt Lohwasser. Vielmehr fürchte er, einen Präzedenzfall zu schaffen, der auch Klagen nach sich ziehen könnte.

Rund 90 000 Euro nehme die Gemeinde pro Jahr über den Fremdenverkehrsbeitrag ein. Die Summe stamme aber nicht nur aus Gastronomie und Hotellerie, sondern auch aus anderen Betrieben wie beispielsweise dem Handwerk. Ein einmaliger Erlass des Beitrags ist für Lohwasser nicht das geeignete Instrument im Sinne einer Corona-Hilfe. Er setze lieber auf landkreisweite Projekte wie beispielsweise die Oberlandcard, um die örtliche Wirtschaft zu stärken – unabhängig von Corona. Betriebe, denen es finanziell schlecht gehe, dürften sich jederzeit ans Rathaus wenden. „Wir sind immer zu Stundungen bereit.“

Gartmaier und Lidschreiber ist das zu wenig. Die ehrenamtliche Hilfsbereitschaft im Leitzachtal sei groß. Jetzt sei es aber an der Zeit, dass auch die Gemeinde Verantwortung übernehme. „Das sind wir unseren Betrieben schuldig“, findet Gartmaier. Lidschreiber sieht es auch als langfristige Investition. Denn wenn die Wirte weiterhin auf ihren Kosten sitzen bleiben, müssten sie die Verluste womöglich an ihre Gäste weitergeben. „Dann kostet die Halbe Bier halt irgendwann 5,50 Euro.“

sg

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