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Abschied von der gewohnten Idylle: Die Camper müssen zum Jahresende den Wolfsee verlassen. 

Bebauungsplan als Satzung beschlossen

Wolfsee: Gemeinderat Fischbachau macht Weg für Baugebiet frei

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Das Baugebiet am Wolfsee ist in trockenen Tüchern. Einstimmig hat der Gemeinderat Fischbachau den Bebauungsplan als Satzung beschlossen. Einwände gab es keine.

Fischbachau – Die Zeltwände werden zu Mauern, die Wohnmobile zu Einfamilienhäusern: Das geplante Baugebiet auf dem jetzigen Campingplatz am Wolfsee in Fischbachau ist in trockenen Tüchern. Am Montagabend hat der Gemeinderat den Bebauungsplan einstimmig als Satzung beschlossen. „Eine lange Reise ist zu Ende gegangen“, sagte Bürgermeister Josef Lechner (CSU). Das gilt allerdings auch für die Camper, die sich Ende des Jahres endgültig von ihrem Domizil verabschieden müssen.

Mehr als zwei Jahre sind vergangen, seit der Gemeinderat die Aufstellung eines Bebauungsplans am Wolfsee auf den Weg gebracht hat. Am 8. September 2017 habe die Gemeinde das komplette Areal gekauft, machte Lechner zum wiederholten Mal deutlich. Wie berichtet, halten sich unter den Campern nach wie vor hartnäckig Gerüchte, dass der Platz weiter bestehen könnte. Auch zur Sitzung waren einige von ihnen gekommen. Der Bürgermeister entschuldigte sich bei ihnen für die ungute Kommunikation. „Es tut mir furchtbar leid, aber es liegt nicht an uns“, betonte er.

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Tatsächlich hatte die Gemeinde bereits früh ihre Absichten kundgetan und die Träger öffentlicher Belange im Rahmen einer vorzeitigen Anhörung daran beteiligt. Wohl auch deshalb ist nun bei der Auslegung des Bebauungsplans kein einziger Einwand gegen die geplanten 21 Häuser auf einer überbauten Fläche von 25 000 Quadratmeter eingegangen, berichtete Lechner. „Wir haben nur Hinweise und Anregungen bekommen.“

Zum Beispiel habe das angrenzende Hartsteine-Schotterwerk darauf hingewiesen, dass die südlich der Wolfseehalle geplanten Gebäude von Steinschlag gefährdet sein könnten. Die Gemeinde habe dies berücksichtigt und festgelegt, dass in diesem Bereich keine Gebäude „zum dauerhaften Aufenthalt von Personen“ errichtet werden dürfen, erklärte Bauamtsleiter Werner Wagner. In Sachen Hochwasserschutz werde man mit einer nördlich des Baugebiets geplanten Rückhaltefläche dafür sorgen, dass nicht nur die neuen Häuser vor Überflutungen des Bachs im Kotgraben geschützt sind, sondern dass sich auch die Situation für die Unterlieger nicht verschlechtert.

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Noch offen ist laut Lechner, wie es mit der Wolfseehalle weitergeht. Im Plan ausgewiesen werde hier ein Mischgebiet, unter anderem für eine neue Gastronomie und eventuell ein zentrales Heizwerk. Auch bei den Wohneinheiten könnte es noch zu kleineren Änderungen kommen. Sollte der Bedarf da sein, seien auf vier Parzellen auch Eigentumswohnungen oder ein Mehrgenerationenhaus denkbar. Wer von den 70 Interessenten in den Genuss eines neuen Zuhauses am Wolfsee kommt, wird der Gemeinderat Ende September mithilfe eines Punktesystems entscheiden, bei dem neben Wohnort und Familienstatus auch das soziale Engagement berücksichtigt werden soll.

Ein neues Zuhause müssen sich auch die Camper suchen. Mit der Wiederbelebung der Glockenalm (siehe unten)  will ihnen die Gemeinde eine Alternative anbieten. Ob sie diese annehmen, bleibt abzuwarten. Am Rande der Gemeinderatssitzung war deutlich zu spüren, dass ihre Enttäuschung über das Aus des Platzes am Wolfsee tief sitzt.

Chalets an der Glockenalm?

Eine Tourismusgemeinde ohne Campingplatz? Geht gar nicht, findet Fischbachaus Bürgermeister Josef Lechner (CSU). Wie berichtet, will er die seit Anfang des Jahres brachliegende Fläche an der Glockenalm in Aurach wieder beleben. Die Eigentümer könnten sich vorstellen, ihr Grundstück für ein neues Konzept zur Verfügung zu stellen. Laut Lechner besteht Kontakt zu drei bis vier „fundierten“ Bewerbern, die bereit wären, bis zu eine Million Euro in die Glockenalm zu investieren. Statt 9000 soll der Campingplatz künftig 18 000 Quadratmeter groß sein und damit bis zu 90 Stellplätze für Wohnwagen oder Wohnmobile aufweisen. Der Bürgermeister hält auch kleine Holzhäuschen im Stil von Chalets für denkbar. 

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Die planerischen Voraussetzungen hat der Gemeinderat nun geschaffen. Jeweils gegen zwei Stimmen wurde die erforderliche Flächennutzungsplanänderung in ein „Sondergebiet Tourismus“ und die Aufstellung eines Bebauungsplans beschlossen. Es gab aber auch kritische Stimmen. Martin Bacher (FWG) etwa warnte vor einer Aufwertung des Grundstücks „von Null auf 100“. Dafür entstünde der Gemeinde aber auch eine Wertschöpfung durch höhere Kurbeiträge, entgegnete Michael Gartmaier (CSU). Und Lechner verwies darauf, dass es keinen besseren Ort für einen Campingplatz in Fischbachau gebe. Die Erschließung mit Wasser und Kanal sei gesichert, zwei Gastwirtschaften und ein Supermarkt fußläufig erreichbar. „Das ist eine touristische Triebfeder für Fischbachau.

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