Angst vor zunehmenden Wildschäden

Almbauern sehen Wolf als "Naturkatastrophe"

Fischbachau - Der Wolf polarisiert. Bei seiner Bezirksversammlung warnte der Almwirtschaftliche Verein Oberbayern vor zunehmenden Wildschäden. Und: Die Bauern dürfen ihr Vieh schützen.

Es ist ein Thema, das polarisiert. Für Jäger, Almbauern und besorgte Bürger gilt der Wolf als Ärgernis. Naturschützer und Tierliebhaber befürworten dagegen seine Rückkehr in den Alpenraum. Bei der Bezirksversammlung des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern (AVO) im Gasthof Sonnenkaiser in Elbach (wir berichteten) kam die Wolfs-Debatte wieder auf den Tisch. Mit dabei: Wolfsbeauftragte Brigitta Regauer sowie Gerhart Zwirglmaier, stellvertretender Forstbetriebsleiter in Schliersee. 

Eine Diskussion gab es allerdings nicht. Dafür fehlten die Pro-Wolf-Argumente. Die Anwesenden waren sich einig: „Jedes Jahr ohne Wolf ist ein gutes Jahr“, sagte etwa AVO-Vorsitzender Georg Mair. Er besuchte zusammen mit Regauer im September 2015 die „Europäische Konferenz über das Wolfsmanagment“, die unter dem Motto „Europa und der böse Wolf – schießen oder schützen?“ stand. 

Vergangenes Jahr gab es laut Mair in Frankreich über 9000 Risse. „Das ist schon dramatisch“, sagte er. Die Wolfspopulation im Nachbarland sei dabei ungefähr so groß wie in Deutschland. Und auch hierzulande fallen die Tiere bereits unangenehm auf. „In Sachsen sind aus einer geschützten Koppel 50 Schafe gerissen worden oder sie sind abgängig“, berichtete Regauer. Offiziell gebe es dort zehn Rudel, die Bauern sprechen unterdessen von 26. Die Zahlen würden jedoch von der Naturschutzbehörde niedrig gehalten, betonte die Wolfsbeauftragte. „Die gleiche Erfahrung machen wir hier auch.“ 

Positiv bewertet Regauer dagegen, dass in Frankreich im vergangenen Jahr 36 Wölfe geschossen wurden. Dies war möglich, weil dort die Naturschutzrichtlinie Fauna-Flora-Habitat (FFH) dahingehend ausgelegt wird, dass der Wolf in denselben Schutzstatus wie die Gams fällt. Und diese kann laut Gesetz „entnommen“ werden, wenn dies dem Gemeinwohl dient – zum Beispiel dem Erhalt von Schutzwäldern. „Ich würde mir das auch für uns wünschen“, sagte die Wolfsbeauftragte. „Damit ein Bauer oder ein Hirte seine Herde selbst verteidigen kann, wenn diese vom Wolf angegriffen wird.“ Freilich nur, wenn diese von Hund oder Zaun geschützt sei. 

Auch Zwirglmaier kennt die Folgen der gesetzlichen Bestimmungen. „Ich habe viele Kollegen, die den Wolf sehr positiv sehen“, berichtete er. Seine Meinung ist allerdings eine andere. Der Spruch „Wo der Wolf jagt, da stimmt die Jagd“ treffe nicht zu. „Die Wildschäden nehmen zu.“ Der Wolf mache das Rotwild scheu, darum meide dieses Fütterungen und beiße stattdessen im Wald herum. 

Den Almbauern bleibt da nichts anderes übrig, als ihr Vieh zu schützen. Hier habe sie einen Erfolg erkämpft, berichtete Regauer. Sie habe bei der Staatlichen Führungsakademie für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (FüAK) eine mündliche Bestätigung durchgeboxt, dass den Bauern bei eingesperrtem Vieh keine Sanktionen oder Kürzungen der Weideprämie drohen. Aus gutem Grund, wie Regauer betonte: „Wenn ein Wolf über eine Herde hereinbricht, dann ist das wie eine Naturkatastrophe – darauf kann man sich nicht einstellen.“

Von Daniel Wegscheider

Rubriklistenbild: © dpa

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