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Ein Pieks – und die Impfung ist erledigt.

Aktion ist in Bayern einzigartig

Nur Landkreis Miesbach impft ankommende Flüchtlinge

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Miesbach - Im Landkreis Miesbach werden alle neu ankommenden Flüchtlinge jetzt geimpft. Die Aktion ist bayernweit einzigartig, denn in anderen Landkreisen ist das nicht üblich. Und das, obwohl das Robert-Koch-Institut in Berlin dringend zu Impfungen rät.

Polio, Mumps, Masern, Röteln, Windpocken, Diphtherie und obendrein eine Tetanus-Spritze – das ist das Impfpaket des Landkreises Miesbach. Seit einigen Tagen führt das Miesbacher Gesundheitsamt einen umfassenden Gesundheits-Check bei neu ankommenden Flüchtlingen durch, der auch Impfungen beinhaltet. „Zum Schutz der Mitarbeiter und der Bevölkerung vor Infektionen“, wie Behördensprecher Gerhard Brandl betont. Zuerst erfolgt eine Erstuntersuchung mit Fiebermessen, danach erhält jeder erwachsene Flüchtling eine Röntgenuntersuchung des Oberkörpers sowie eine Blutuntersuchung. „Hier suchen wir nach Hepatitis B und HIV“, erklärt der Leiter des Miesbacher Gesundheitsamtes, Dr. Christian Auracher. Danach werden die Flüchtlinge, die in der Turnhalle der Berufssschule leben, dann geimpft. Es ist kein Zwang, eine Impfpflicht gibt es in Deutschland nicht. „Wir brauchen dafür das Einverständnis der Flüchtlinge“, sagt Sprecher Brandl. Aber Widerspruch habe es bisher nicht gegeben. Die ersten 200 Flüchtlinge wurden bereits geimpft. Später soll eine – ebenfalls freiwillige – Grippeschutzimpfung durchgeführt werden, für Kinder gibt es außerdem eine Hepatitis B-Impfung.

Diese umfassende Gesundheitsfürsorge ist, soweit zu sehen, bayernweit einmalig. Sie findet bei den Betreuern Anerkennung. Alexander Thal vom Bayerischen Flüchtlingsrat zum Beispiel hat noch nicht gehört, dass in den Flüchtlings-Unterkünften systematisch geimpft werde. „Was die Miesbacher machen, ist eine gute Sache“, lobt er. Nur im Ärztezentrum der „Refudocs“ in der Münchner Bayernkaserne gibt es eine spezielle Impfsprechstunde. Impfung sei ein Randthema, dem man angesichts der dauernden Suche nach Unterkünften kaum Beachtung schenke.

In der Tat: Zwar empfiehlt das Bayerische Landesamt für Gesundheit eine Impfung neuer Asylbewerber – doch nur gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken. „Das darüber hinausgehende Angebot weiterer Impfungen durch einzelne Gesundheitsämter bleibt diesen unbenommen“, erklärt Sprecherin Martina Junk. Richtig offensiv propagiert wird das Impfen vom LGL aber nicht – die Behörde verweist auf Merkblätter. Dabei heißt es im Asylbewerberleistungsgesetz eindeutig: „Die zuständige Behörde stellt die ärztliche (...) Versorgung einschließlich der amtlich empfohlenen Schutzimpfungen und medizinisch gebotenen Vorsorgeuntersuchungen sicher.“ Amtlich empfohlen bedeutet: Die Behörden müssen sich an die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission im Robert-Koch-Institut (RKI) halten. Jeder Flüchtling kann sich impfen lassen, bestätigte das bayerische Sozialministerium. „Die Sicherstellung und Finanzierung erfolgt durch den Freistaat.“ Das RKI gab erst gestern Abend eine aktualisierte Empfehlung und ein neues Konzept zur Impfung von Flüchtlingen heraus (abrufbar unter rki.de). Es empfiehlt eine Impfung „möglichst frühzeitig“ schon in den ersten Tagen. Denn immer wieder kommt es zu Krankheitsfällen – in Berlin zum Beispiel grassierten Masern unter Bosnien-Flüchtlingen.

Der Bayerische Landkreistag indes hält von Regel-Impfungen nicht viel und wird keine Empfehlungen an die Landkreise abgeben, wie es auf Nachfrage unserer Zeitung hieß. „Die Frage ist, ob man das wirklich tun muss“, sagt Geschäftsführer Johann Keller. „Da ist bei uns Skepsis angesagt.“ Ähnlich zurückhaltend sind andere Landkreise. Im Landkreis Freising beispielsweise gibt es keine regelmäßige Impfungen von Flüchtlingen, ebenso wenig im Landkreis Fürstenfeldbruck. Die Betreuer würden aber vom Gesundheitsamt informiert, dass Asylbewerbern über die normalen niedergelassenen Ärzte geimpft werden können“, sagt Freisings Sprecherin Eva Doerpinghaus.

Das Problem: Zu einem Arzt wird ein Flüchtling erst geschickt, wenn er wirklich krank ist. Ansonst werde in einer Unterkunft nur geimpft, sagt Doerpinghaus, wenn ansteckende Krankheiten kursieren – wie etwa vor einiger Zeit, als Windpocken in einer Unterkunft diagnostiziert wurden. Dr. Rudolf Summer, Chef des Gesundheitsamts Fürstenfeldbruck, sieht zudem die Gefahr von so genannten Kontraindikationen. Das bedeutet: Die Impfung mit Lebend-Impfstoffen wie Masern, Mumps oder Röteln kann für den Geimpften lebensbedrohlich sein – wenn er schwere Vorerkrankungen wie HIV oder Hepatitis B hat.

Die Flüchtlinge würden in Fürstenfeldbruck, wo sie am Fliegerhorst in einer Massen-Unterkunft leben, zwar untersucht. Dieses Ergebnis abzuwarten und sie dann systematisch zum Impfen zu holen, „das ist schwierig“, sagt der Mediziner Summer. „Da haben wir die Leute gar nicht.“

Dirk Walter

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