1. Startseite
  2. Lokales
  3. Miesbach

Geitauer Alm: Mönche haben Hütte wieder aufgebaut

Erstellt:

Von: Sebastian Grauvogl

Kommentare

Geitauer Alm
Hier werkeln die Mönche: Die Geitauer Alm über Bayrischzell gehört seit 2015 dem Kloster Scheyern. © Thomas Plettenberg

Bayrischzell - Die Benediktinermönche des Kloster Scheyern sind ihrem Ruf als fleißige Arbeiter gerecht geworden. Rund eineinhalb Jahre nach dem Kauf haben sie die obere Geitauer Alm wieder aufgebaut.

„Müßiggang ist der Seele Feind“, heißt es in den Ordensregeln des Heiligen Benedikt. Dass es ihnen Ernst ist mit diesem Gelübde, das haben die Mönche des Kloster Scheyern im vergangenen Jahr auf der Geitauer Alm oberhalb von Bayrischzell eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Mit viel handwerklichem Geschick und Fleiß bauten sie die teilweise eingestürzte obere Alm wieder auf. Rechtzeitig vor dem Winter ist das Dach wieder dicht, neue Tragstützen schützen die Hütte vor dem schweren Schnee. „Es ist alles winterfest“, sagt Pater Lukas, Cellerar bei den Benediktinermönchen.

Vor gut eineinhalb Jahren war die obere Geitauer Alm davon noch weit entfernt. Wie berichtet, hatte die Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee das 96 Hektar große Almgebiet im August 2015 nach dreijährigem Bemühen zu einem nicht näher genannten Betrag an das Kloster Scheyern verkauft. Ein Gutachten hatte dem Areal zuvor einen Wert von rund 1,4 Millionen Euro attestiert. Die Sparkasse hatte die Geitauer Alm ihrerseits 2006 unter dem damaligen Vorstandsvorsitzenden Georg Bromme für knapp 750 000 Euro von der Gemeinde Bayrischzell erworben. Eine Aktion, die eigentlich nicht zu den Aufgaben einer Sparkasse gehört, wie sich 2014 im Zuge der Aufklärung der Sponsoringaffäre herausstellen sollte.

Nicht nur aufgrund ihres Baujahrs Anfang des 18. Jahrhunderts handelt es sich bei den beiden Hütten also um ein geschichtsträchtiges Ensemble. Was für die Sparkasse zuletzt zu einer echten Last wurde, nahmen die Mönche gerne auf sich. Zuerst sicherten sie sich das Wegerecht, was Bromme seinerseits bekanntlich versäumt hatte. „Das war für uns eine der Bedingungen für den Kauf“, betont Pater Lukas. Dann nahmen sie Kontakt mit der Denkmalschutzbehörde auf, um die Sanierung der baufälligen oberen Alm zu planen. Was auf dem Immobilienmarkt für private Käufer nicht selten ein K.O.-Kriterium ist, konnte die Benediktiner nicht aus der Ruhe bringen. „Wir haben fast nur denkmalgeschützte Gebäude“, meint Pater Lukas schmunzelnd. Experten in Sachen Sanierung einer alten Berghütte seien die Mönche deshalb zwar nicht. In „guten Gesprächen“ mit den Fachstellen hätten sie aber viel gelernt.

Als sämtlicher Papierkram erledigt war, griffen die Brüder in die Werkzeugkiste. Sie sägten die fauligen Stellen in den alten Holzbalken des eingestürzten Dachstuhls ab und stückelten neue Teile an. Wie in einem Puzzlespiel setzten sie so die knapp elf Meter lange Almhütte wieder zusammen. Dank ihres handwerklichen Geschicks konnten die Mönche vieles selbst machen und blieben daher vor hohen Baukosten verschont. Mit rund 20 000 Euro habe das Kloster seinen Plan eingehalten, sagt der Cellerar.

Zusammen mit dem als Wohnraum ausgebauten Stall stehen den Benediktinern in der oberen Alm drei Schlafzimmer, eine Stube mit Herd und ein Abstellraum zur Verfügung. Am liebsten hätten sie heuer auch noch die Inneneinrichtung fertiggestellt. „Doch da ist uns leider der erste Schnee dazwischengekommen“, sagt Pater Lukas. Weil auch die Türen noch fehlen, sind die Eingänge zugenagelt. Im Frühsommer soll dann aber alles fertig sein.

Die Mönche freuen sich laut Pater Lukas bereits darauf, Höhenluft in ihrer eigenen Alm zu schnuppern. „Sie wollen auch mal mit ihren Schülern rauf“, sagt er. Die meiste Zeit des Jahres soll es aber ruhig zugehen in der Hütte. Sie dient als Rückzugsort. Die untere, mit 22 Metern deutlich längere Hütte, bleibt das, was sie bisher war: eine bewirtschaftete Alm mit Käserei und Stall für 20 Stück Jungvieh. Die Mönche halten an der bewährten Pächterfamilie Mair fest.

Doch auch die Benediktiner werden nach Abschluss der Sanierung ihrer Hütte nicht die Hände in den Schoß legen. Im Sommer wollen sie die teils zugewachsene Weide wieder freilegen. „Da ist seit Jahrzehnten nicht ausgeholzt worden“, sagt Pater Lukas. Für Müßiggang bleibt auf der Geitauer Alm also auch in Zukunft keine Zeit.

Auch interessant

Kommentare