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Gemeinsam in die Zukunft: Die Raiffeisenbank im Oberland mit (v.l.) Vorstand Manfred Klaar, Vorstandsvorsitzendem Hubert Stehr und Aufsichtsratsvorsitzendem Josef Lechner und die Raiffeisenbank Tölzer Land mit Aufsichtsratsvorsitzender Monika Drexler-Ditz und Vorstandsvorsitzendem Hansjörg Hegele wollen sich zusammenschließen. 

Gemeinsame Pressekonferenz

Banken-Fusion: Vorstand steht Rede und Antwort

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Die Nachricht der Fusion der Raiffeisenbank im Oberland und der Raiffeisenbank Tölzer Land hat für Aufsehen gesorgt. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz stand die Führungsriege nun Rede und Antwort.

Miesbach – Ein Blick auf die Landkarte offenbart ein deutliches Bild. Wie ein Flickenteppich liegen sechs kleine Raiffeisenbanken südlich von München, eingekesselt von den vier großen Nachbarn Rosenheim-Chiemsee, Starnberg-Herrsching-Landsberg, Werdenfels und München-Land. „Diese Karte hat uns in den vergangenen Monaten oft begleitet“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Raiffeisenbank im Oberland, Hubert Stehr. Ab dem 23. September wird sie wesentlich ruhiger aussehen. Mit ihrer Fusion leiten die Raiffeisenbank im Oberland und die Raiffeisenbank Tölzer Land eine Art Flurbereinigung in der Landschaft der Genossenschaftsbanken ein. Dass die Größe trotzdem allenfalls ein Randaspekt für die Verschmelzung war, erläuterten die Vorstände und Aufsichtsratsvorsitzenden der beiden Banken gestern bei einem gemeinsamen Pressegespräch in Miesbach.

Die Gründe

Eigentlich, meint der Aufsichtsratsvorsitzende der Raiffeisenbank im Oberland, Josef Lechner, hätte man es auch bequemer haben können. „Beide Banken sind gut im Markt unterwegs.“ Trotzdem habe man über den Tellerrand hinausgeschaut. Schon vor längerer Zeit hätte der Aufsichtsrat der Raiffeisenbank im Oberland den Vorstand beauftragt, sich nach möglichen Partnern umzuschauen. Bei der Raiffeisenbank Tölzer Land sei man nun fündig geworden. „Die Chemie stimmt“, sagt Lechner. Alle maßgeblichen Personen würden die Fusion befürworten. Ein Genossenschaftsexperte habe in einem Gutachten auch die betriebswirtschaftliche Sinnhaftigkeit bescheinigt – und ein Gewinnpotenzial im siebenstelligen Bereich ausgemacht. Deshalb ist Lechner optimistisch, dass die Vertreterversammlungen Mitte Mai die Fusion absegnen werden.

Die Ziele

Um das neue Potenzial zu heben, wollen die beiden Banken zum einen Synergieeffekte nutzen. Durch die Zusammenlegung von Kompetenzen in den Bereichen Digitalisierung und Regulatorik würden an anderer Stelle Kapazitäten frei. „Wir pflegen aktuell zwei getrennte, aber ähnliche Internetauftritte“, erklärt Hansjörg Hegele, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenbank Tölzer Land. Ein Aufwand, der sich nun halbieren wird. Davon sollen auch die Kunden profitieren. „Wir wollen mehr Spezialisten ausbilden, um noch mehr Beratung anbieten zu können“, sagt Stehr. Ein eher langfristiges, aber nicht minder wichtiges Ziel sei die Etablierung der neuen Raiffeisenbank als auf Dauer eigenständiges Unternehmen, betont Lechner. Die Gefahr, selbst von einer größeren Bank geschluckt zu werden, sei damit gebannt. „An uns führt in Zukunft kein Weg mehr vorbei.“ Um intern noch besser vernetzt zu sein, ist laut Stehr mittelfristig eine Zusammenlegung der beiden Kreisverbände Miesbach und Bad Tölz denkbar.

Die Folgen für die Kunden

Die Kunden werden vorerst nicht viel von der Fusion mitbekommen. Weil die Raiffeisenbank im Oberland die aufnehmende Bank ist, müssen sich lediglich die Kunden im Tölzer Land auf neue Kontonummern und Karten einstellen. Auch am Filialnetz wird sich nichts ändern – zumindest nicht durch die Fusion. „Im Zuge des veränderten Nutzungsverhaltens beobachten wir das Thema aber schon“, sagt Josef Bernöcker, Vorstand der Raiffeisenbank im Oberland. Am meisten tut sich in Reichersbeuern. Dort lässt die Bank eine neue Geschäftsstelle bauen und gibt das ehemalige Hauptgebäude an die Gemeinde ab. Insgesamt hätten die Kunden positiv auf die Nachricht der Fusion reagiert, versichert die Führungsriege unisono. Ängste, dass die neue Bank zu einem Großkonzern anwachsen könnte, entkräftet Lechner: „Wir wollen es nicht unter die zehn größten Raiffeisenbanken in Bayern schaffen, sondern unter die besten zehn Prozent.“

Die Folgen für die Mitarbeiter

Für das Personal bedeutet die Fusion vor allem eines: jede Menge Arbeit. Gerade bei der technischen Umstellung am 23. September seien Urlaubssperren möglich, erklärt Hegele. „Wir müssen viele Arbeitsprozesse zusammenführen.“ Die ersten Projektgruppen würden in Kürze festgelegt. Je nach Raumkonzept müssten sich manche Mitarbeiter auch auf einen Umzug in ein neues Büro einstellen. Um seinen Job fürchten müsse dabei aber niemand. Die Vorstände kümmern sich indes um die Festlegung der gemeinsamen Strategie. Eine weitere Fusion wird darin in naher Zukunft nicht enthalten sein, meint Lechner. „Wir wollen erst mal diese Sache sauber zu Ende bringen, dann sind wir wieder hübsch für neue Partner.“

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