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Gibt sich nicht so schnell geschlagen: Georgine Schwoshuber.

Georgine Schwoshuber: So kämpft sie gegen das Urteil

Diese Frau saß ein Jahr im Knast - jetzt will sie Gerechtigkeit

München/Bayrischzell – Ihren Kampf gegen die Justiz hat Georgine Schwoshuber noch lange nicht aufgegeben. So wehrt sich die Bayrischzeller Wirtin weiterhin gegen die Verurteilung zu 14 Monaten Haft. 

Inzwischen ist es gut elf Jahre her, dass die damals 62-jährige Wirtin des Silbercafé in Bayrischzell mit einer Münchnerin aneinandergeriet. Die Dame betrat damals das Café und wollte es wieder verlassen, ohne die fünf Euro zu bezahlen, die Schwoshuber als Eintritt für ihr Puppenmuseum haben wollte, dies allerdings nur von Gästen, die nichts verzehren. An der Eingangstür begann die Auseinandersetzung, und sie setzte sich auf dem Parkplatz vor dem Café fort. Das Amtsgericht Miesbach verurteilte Schwoshuber 2006 wegen räuberischer Erpressung in Tateinheit mit Körperverletzung zu einem Jahr und zwei Monaten Haft – ohne Bewährung. Das Landgericht München II und später das Oberlandesgericht bestätigten den Richterspruch.

Das für Schwoshuber Unfassbare war eingetreten: Sie musste tatsächlich ins Gefängnis. Seitdem wehrt sich die heute 72-Jährige gegen die aus ihrer sich himmelschreiende Ungerechtigkeit. Den jüngsten Versuch, eine Wiederaufnahme des Verfahren zu erreichen, unternahm Schwoshuber mit Hilfe der Münchner Anwältin Gabriela Klinger-Linhardt. Die Argumentation: Ein wichtiger Zeuge sei nicht gehört worden, zudem gehe aus einem neuen Sachverständigengutachten hervor, dass die Verletzungen der Münchnerin, wie sie auf Fotos zu sehen sind, nicht in Einklang zu bringen seien mit den Schilderungen der Geschädigten. Schwoshuber war vorgeworfen worden, der Frau mit einem Faustschlag ins Gesicht Prellungen der Wangen und Oberlippe sowie eine Platzwunde beigebracht zu haben.

Lassen nicht locker: Georgine Schwoshuber (l.) und ihre Anwältin Gabriela Klinger-Linhardt.

Diese neuen Beweise seien geeignet, „die tatsächlichen Feststellungen des Urteils zu erschüttern und die Wahrscheinlichkeit eines Freispruchs zu begründen“, schreibt Klinger-Linhardt in ihrem Antrag. Besagter Zeuge habe das Opfer kurz nach der Auseinandersetzung mit Schwoshuber gesehen, aber keine Verletzungen im Gesicht der damals 63-Jährigen erkennen können. Bislang war der Zeuge nicht angehört worden.

Die grotesken Gerichts-Auftritte der Georgine Schwoshuber

Das Landgericht München I folgte dieser Argumentation nicht. Maßgeblich für die Verurteilung und das Strafmaß sei der Vorwurf der versuchten räuberischen Erpressung gewesen. Die Verletzungen würden eine untergeordnete Rolle spielen. Bei der Frage nach dem Vorhandensein von Verletzungen komme es nicht darauf ein, ob diese für einen Dritten erkennbar sind. Bezüglich des Gutachtens heißt es in dem Beschluss, dass es falsch zitiert werde. Nicht von einem Widerspruch sei die Rede, sondern davon, dass sich mittels der Fotos die im Attest genannten Verletzungen nicht verifizieren lassen.

Eine körperliche Auseinandersetzung sei allein schon auf der Videoaufzeichnung der Überwachungskamera zu sehen. Der fragliche Ausschnitt – das Video liegt unserer Zeitung vor – ist derweil sehr kurz. Er zeigt, wie Schwoshuber zur Tür geht, diese öffnet und ein Schild oder Ähnliches hereinholt. Während die Tür wieder ins Schloss fällt, kommt die Münchnerin. In den nächsten Sekunden zieht die 63-Jährige die Tür mit beiden Händen auf, Schwoshuber stellt sich in den Weg, tritt nach einem leichten Gerangel einen Schritt zurück, die Münchnerin schlüpft durch die Tür, und in diesem Moment ist ein ein kurzes Greifen oder Schlagen Schwoshubers zu erkennen. Die Wirtin eilt ihrem Gast hinterher, die Tür fällt wieder zu. Die eigentliche Auseinandersetzung fand dann den Zeugenaussagen zufolge außerhalb des Cafés statt.

Gegen den ablehnenden Beschluss des Landgerichts hat Klinger-Linhardt nun Beschwerde eingelegt. Begründung unter anderem: Natürlich sei die Frage nach Verletzungen von Belang, zumal davon gegebenenfalls die Glaubwürdigkeit der Münchnerin abhänge. Schwoshuber selbst hält die auf den Fotos zu sehenden Verletzungen übrigens für ausgeschminkt.

Auch mehr als zehn Jahre nach dem ersten Urteil am Amtsgericht Miesbach kämpft die Bayrischzeller Wirtin weiter.

Daniel Krehl

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