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100 Jahre altes Unikat: Beim Online-Auktionshaus Ebay hat Andreas Scholl diesen Gutschein entdeckt.

Unikat für das Bergbaumuseum

100 Jahre alter Einkaufsgutschein: So kam dieses Dokument nach Hausham

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Ein 100 Jahre altes Dokument hat der Interessenkreis Bergbaumuseum Hausham ersteigert. Es wird einen prominenten Platz erhalten. Wie es mit dem Museum selbst weitergeht, ist offen.

Hausham – Wie ein Bergmann gräbt sich Andreas Scholl in die Tiefe. Allerdings nicht in der Erde, sondern im Internet. Dort schürft der Beisitzer im Vorstand des Interessenkreises Bergbaumuseum Hausham nach Schätzen aus der Zeit des Pechkohleabbaus. Jetzt ist der Gruben-Detektiv fündig geworden. Er hat ein Stück Papier zutage gefördert – und zwar ein ganz besonderes.

Beim Online-Auktionshaus Ebay ist Scholl ein Gutschein über 20 Mark in die Hände gefallen, den die Bergwerksdirektion Hausham am 16. April 1919 und damit fast genau vor 100 Jahren ausgestellt hat. „Ein absolutes Unikat für uns“, schwärmt Scholl. Und in einem Zustand, als wäre der Schein gerade erst gedruckt worden. Unverblichen sind die schwarzen Lettern und das Bergbau-Symbol aus Schlägel und Eisen, der rote Stempel der Bergwerksdirektion und die in blauer Tinte gefasste Unterschrift von Direktor Sigmund Janota.

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Letzteres war für Scholl auch das Qualitätssiegel, dass es sich um ein Original handelt. Janota hatte an der montanistischen Universität in Leoben (Österreich) studiert und war von 1911 bis 1934 Chef der Haushamer Grube, hat Scholls Vater Herbert recherchiert. Die Bedeutung des Gutscheins lässt sich hingegen nicht so ohne weiteres ergründen, sagt Andreas Scholl. Er geht davon aus, dass die Bergwerksdirektion diese Form von Geldersatz in Umlauf gebracht hat, um ihre Arbeiter zum Einkauf im Haushamer Konsum und damit vor Ort zu bewegen. „So konnten die Frauen sicher sein, dass ihre Männer den Lohn nicht im Wirtshaus ausgeben“, scherzt Herbert Scholl. Möglich sei aber auch ein Zusammenhang mit der 1919 immer schneller um sich greifenden Inflation.

Sigmund Janota: Bergwerkschef 1911 bis 1934.

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Die hat das von Andreas Scholl ersteigerte Papier jedenfalls überlebt – und auch den Zweiten Weltkrieg. Wie der Gutschein allerdings zu einem Sammler nach Straubing gekommen ist, weiß der glückliche Finder nicht. In seinem Wert gestiegen ist der Geldersatz aber allemal. Scholl hat 45 Euro dafür bezahlt. Für die Bergbaufreunde ist er nun aber unverkäuflich und erhält deshalb selbstverständlich einen prominenten Platz im Museum.

Welchen Platz das Museum selbst in Zukunft in Hausham einnimmt, ist hingegen noch offen. Wie berichtet, zieht die Gemeindeverwaltung im Sommer ins neue Rathaus um. Damit braucht auch die Ausstellung im Keller des Altbaus eine neue Heimat. Langfristiger Traum ist der Einzug in den Förderturm über dem Klenzeschacht, doch noch steckt das Projekt in der Planungsphase. Weil ein nahtloser Übergang damit ausgeschlossen ist, sucht der Interessenkreis seit langem nach einer Zwischenlösung.

Angebote für Räume habe man schon bekommen, berichtet Herbert Scholl. Doch sie alle müssten erst mal für viel Geld ertüchtigt werden, um überhaupt eine Genehmigung als Museumsort zu erhalten. „Es ist besser, wenn wir diese Summe doch lieber gleich in den Förderturm investieren“, findet Scholl.

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Doch ob die Ausstellung hier wirklich Platz findet, ist noch offen. Laut Bürgermeister Jens Zangenfeind wird derzeit eine Machbarkeitsstudie erstellt, deren Ergebnisse bis Ende des Jahres vorliegen sollen. „Dann werden wir entscheiden, ob sich das Projekt verwirklichen lässt – baulich wie wirtschaftlich.“ Erst wenn darüber Klarheit herrscht, könne man sich über die nahe Zukunft des Museums Gedanken machen.

Sollte es tatsächlich mit dem Förderturm klappen, sei als Überbrückung beispielsweise eine Wechselausstellung im neuen Rathaus oder im Kunst- und Kulturhaus denkbar. Bei einem negativen Befund werde man einen Plan B entwickeln. Selbstverständlich in enger Abstimmung mit dem Interessenkreis. „Die Ehrenamtlichen sind die Experten“, sagt Zangenfeind. Eines steht für den Rathauschef aber fest: „Wir werden definitiv am Museum festhalten.“

Auch die Museumsfreunde selbst wollen noch nicht ans Kistenpacken denken. Sie versuchen, in ihrem vielleicht letzten Jahr vor der Zwangspause nochmals möglichst viele Besucher in ihre Ausstellung zu locken. Unter anderem mit einer nächtlichen Führung mit Grubenlampen oder Vorträgen von Bergbau-Experten und Geologen. Eines ist Andreas Scholl sehr wichtig: „Die Bergbau-Geschichte in Hausham darf keinesfalls in Vergessenheit geraten.“

Zur Hauptversammlung

kommen die Mitglieder des Interessenkreises Bergbaumuseum Hausham am Donnerstag, 14. März, im Bürgersaal zusammen. Auf dem Programm steht neben der Neuwahl des Vorstands auch ein Bericht des Bürgermeisters zum Förderturm-Projekt. Beginn ist um 19 Uhr.

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