Vor allem im Winter stark gefordert: ein Team der Bergwacht Hausham bei einem Einsatz im Skigebiet Sudelfeld. Das Foto ist bei laufendem Liftbetrieb und damit vor Ausbruch der Corona-Pandemie entstanden.
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Vor allem im Winter stark gefordert: ein Team der Bergwacht Hausham bei einem Einsatz im Skigebiet Sudelfeld. Das Foto ist bei laufendem Liftbetrieb und damit vor Ausbruch der Corona-Pandemie entstanden.

Deutsches Rotes Kreuz im Landkreis Miesbach

100 Jahre DRK: Bergwacht-Mitglied aus Hausham im Interview - „Früher waren mehr Alpinisten unterwegs“

  • Luisa Billmayer
    VonLuisa Billmayer
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Franz Mayer von der Bergwacht Hausham erklärt anlässlich des 100-jährigen Bestehen des Deutschen Roten Kreuzes, was Ausflügler unterschätzen.

Hausham/Landkreis – Rund 320 Aktive sind für die Bergwachten Bayrischzell, Hausham, Rottach-Egern und Schliersee im Landkreis Miesbach im Einsatz. Franz Mayer engagiert sich seit 26 Jahren bei der Haushamer Bergrettung. Der 55-Jährige berichtet, was sich in dieser Zeit verändert hat und erklärt, warum teure Ausrüstung am Berg nicht alles ist.

Franz Mayer (55) von der Bergwacht Hausham.
Herr Mayer, welche Aufgaben hat die Bergwacht?
Wir sind rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr bei jedem Wetter dafür zuständig, Menschen aus dem alpinen und unwegsamen Gelände zu retten. Dazu zählt klassisch die Bergrettung, aber auch gesetzlich verankert Spezialgebiete wie die Höhlenrettung. Wir unterstützen auch Seilbahnbetreiber bei der Evakuierung. Im Landkreis haben wir ja einige Seilbahnen und Sessellifte. Wir sind auch im Rahmen des Katastrophenschutzes im Einsatz, so wie bei der Schneekatastrophe 2018. Bei dem schlimmen Hochwasser 2013 haben wir in den Landkreisen Miesbach, Rosenheim und auch in Deggendorf mitgeholfen. Lawineneinsätze zählen auch zu unseren Aufgaben. Zudem betreuen wir Sportveranstaltungen wie Skirennen.
Was hat sich in den letzten Jahren verändert?
Ich muss schon sagen: Früher waren mehr Alpinisten unterwegs. Also Bergsteiger, die das Gelände gekannt, sich intensiv auf eine Tour vorbereitet haben. Da spüren wir mittlerweile schon einen Wandel. Der Freizeitdruck nimmt zu, München wächst. Dementsprechend gibt es auch mehr Wochenendausflugsverkehr. Unter der Woche sind aber auch viele rüstige Rentner in den Bergen. Das Material, das sie haben, ist natürlich gut. Am Geld fehlt es nicht, aber die Leute bereiten sich weniger vor und denken sich: „Ich habe ja mein Handy dabei.“
Wie verhält man sich richtig?
Man sollte durchaus mal eine Landkarte in die Hand nehmen und nicht nur kurz aufs Smartphone schauen. Dann sieht man das ganze Gebiet, die ganze Tour. Man muss auch einschätzen können, wie lange eine Bergtour dauert und zu welcher Uhrzeit man auf den Berg geht. Häufig wird einfach übersehen, wann es dunkel wird. Im Sommer kann es auch gewittern.
Welche Herausforderungen sehen Sie für die Zukunft?
Wichtig ist immer die Zusammenarbeit. Für uns ist es wichtig, genügend Einsatzkräfte zur Verfügung zu haben, die unter der Woche ausrücken können. Da sind wir auf die Bereitschaft der Arbeitgeber angewiesen.
Haben Sie Nachwuchsprobleme?
An sich ist die Bergwacht attraktiv für junge Leute. Aber entscheidend ist für uns, dass die Jugend vor Ort ist. Ein Auswärtiger, der nur am Wochenende zur Verfügung steht und bei uns Bergwachtdienst machen will, hilft uns weniger als ein Ortsansässiger. Für uns ist wichtig, dass die Leute nach der Ausbildung auch hier einsatzbereit sind. Aktuell ist problematisch, dass wir durch die Pandemie ein Jahr lang nicht so ausbilden konnten wie normal. Dadurch haben wir fast einen Jahrgang verloren.
Schränkt Corona die Bergwacht auch sonst ein?
Wir mussten natürlich darauf achten, dass sich von uns keiner ansteckt. Bei allen Einsätzen hatten wir natürlich besondere Hygiene-Regeln wie das Tragen von FFP2-Masken. Das erschwert das Geschehen natürlich schon, besonders bei körperlicher Belastung.
Haben Sie in all den Jahren eine besondere Erfahrung gemacht?
Ja, da kann ich drei Sachen nennen. Ich war bei der Versorgung eines Ski-Unfalls dabei, bei dem ein Jugendlicher querschnittsgelähmt wurde. Beim Einsturz der Eishalle in Bad Reichenhall war ich zwar nicht persönlich dabei. Durch die Schilderungen unseres damaligen Lawinenhundeführers ist mir das aber in Erinnerung geblieben, genau wie das Hochwasser in Deggendorf. Das war einfach ein Katastropheneinsatz mit enormen Ausmaßen. Solche Sachen prägen einen durchaus. Aber man sieht auch, was möglich ist, wenn alle Organisationen an einem Strick ziehen.

Das Gespräch führte Luisa Billmayer.

Zu dieser Serie

Das Deutsche Rote Kreuz feiert sein 100-jähriges Bestehen. Daher stellen wir die fünf ehrenamtlichen Gemeinschaften im BRK-Kreisverband vor: die Bereitschaften, die Wasserwacht, die Bergwacht, das Jugendrotkreuz und die Wohlfahrt- und Sozialarbeit.

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