Mobilfunkmast
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Der neue Mobilfunkstandard 5G hat nun auch den Haushamer Gemeinderat beschäftigt.

Antrag der Grünen

5G Mobilfunk Ausbau in Hausham: Gemeinderat bleibt skeptisch

  • vonJonas Napiletzki
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Die Sorge vor weiteren Mobilfunkmasten für den 5G-Ausbau strahlt auch in die Gemeinde Hausham hinein. Die Grünen haben nun im Gemeinderat eine klare Positionierung beantragt.

Hausham – „Wir wollen nicht, dass uns etwas übergestülpt wird“, sagte Antragstellerin Harda von Poser (Grüne). Die Telekommunikationsunternehmen wollen ihr zufolge die zwölf bestehenden Masten in der Gemeinde Hausham aufrüsten und „etliche weitere Antennen installieren“. Das will von Poser gemeinsam mit ihren Fraktionskollegen Willi Halletz und Sascha Privitera verhindern. In ihrem Antrag forderte die Fraktion eine klare Positionierung des Gemeinderates gegen den 5G-Ausbau.

Die Auswirkungen auf Mensch, Tier und Pflanzen seien unzureichend erforscht, argumentierte Poser. „Höhere Frequenzen führen zu einer verstärkten Strahlenbelastung.“ Die Folgen könnten Tumore, Auswirkungen auf Spermien und Insektensterben sein. „Darüber ist die Bevölkerung unzureichend aufgeklärt.“

Bürgermeister Jens Zangenfeind (FWG) gab zu bedenken, dass die Gemeinde auf die Pläne der Netzbetreiber nur bedingt Einfluss habe. Zwar könne man über den Bau auf gemeindeeigenen Flächen entscheiden, bei privaten Standorten habe man aber kein Mitspracherecht.

5G im Landkreis Miesbach: Das ist geplant

Thomas Danzer (SPD) hinterfragte die kritische Einstellung der Grünen. „Jeder Berufstätige und auch jeder Schüler braucht das Internet.“ Insbesondere zur Sicherung von Arbeitsplätzen in der Region seien schnelle Verbindungen notwendig. Hubert Lacrouts (CSU) teilte Danzers Ansicht. „Natürlich müssen wir auf unsere Bürger Rücksicht nehmen, aber auf der Strecke bleiben dürfen wir nicht.“ In Österreich und der Schweiz gebe es selbst in den Bergen überall Handynetz – in Hausham sei man schon jetzt „hinten dran“. Lacrouts möchte 5G deshalb „kritisch beäugen, aber nicht verwerfen“.

„Viel wichtiger ist eine Sensibilisierung der Bürger“, sagte Ria Röpfl (FWG). Das könne durch öffentliche Diskussionen im Gemeinderat erfolgen – ein Wunsch, den auch die Grünen-Fraktion in ihrem Antrag geäußert hatte. Diesen Vorschlag sah Zangenfeind als problematisch an. „Vertragsangelegenheiten müssen wir den Vorgaben entsprechend im nicht-öffentlichen Teil besprechen.“

Poser wandte ein, dass Bürger mehr aufgeklärt werden müssten. „In Deutschland ist eine tausendfach höhere Strahlenbelastung erlaubt als in Wien.“ Zudem gäbe es keine Versicherung für Eigentümer, die Stationen auf ihrem Grund errichten ließen – obwohl Haftungsfragen bei Gesundheitsschäden auf sie zurückfallen könnten.

Die Ratsmitglieder beschlossen einstimmig, sich dem Netzausbau kritisch gegenüberzustellen. Über konkrete Anfragen im Zusammenhang mit dem Ausbau des 5G- Netzes gestellt werde der Gemeinderat – soweit zulässig –öffentlich entscheiden.

Konzerne haben noch keine genauen Pläne

Auf Nachfrage unserer Zeitung dementieren die Netzbetreiber – zumindest teilweise – die Gerüchte über die Aufrüstung beziehungsweise Neuinstallation von Mobilfunksendemasten in Hausham. Telefonica-Pressesprecher Jörg Borm erklärt, O2 betreibe derzeit nur einen Mobilfunkstandort an der Industriestraße in Hausham. „Von dort aus versorgen wir den Gemeindekern mit den Standards GSM, UMTS und LTE.“ Ein Ausbau auf 5G sei – zumindest in diesem Jahr – „nicht vorgesehen“.

Mathias Brandes, Leiter der Unternehmenskommunikation bei United Internet, sagt: „1&1 Drillisch verfügt noch nicht über ein eigenes Mobilfunknetz und daher auch nicht über eigene Masten.“ Der Ausbau des 5G-Netzes sei zwar geplant, derzeit befinde sich die Firma aber noch in Verhandlungen mit anderen Netzbetreibern.

Vodafone plant laut Konzernsprecher Volker Petendorf, 5G auch in den Landkreis Miesbach zu bringen. In Hausham betreibe der Konzern bis dato zwei der insgesamt 50 im Kreis Miesbach bestehenden Vodafone-Mobilfunkstationen. „Beide verfügen über LTE, sodass 99,9 Prozent der besiedelten Gebiete sowohl an das Mobilfunk-, als auch an das LTE-Netz angeschlossen sind.“ Die zwei Haushamer Stationen sollen „nicht vor Mitte 2021 auf 5G aufgerüstet werden“. Denn: Im Landkreis soll 5G zuerst an den vier Stationen Waakirchen, Kreuth, Gmund und Tegernsee in Betrieb gehen.

Seit Ende Juli 2020 sendet in Hausham ein Telekom-Mast den 5G-Standard aus. Der Sprecher der Unternehmenskommunikation, Markus Jodl, sagt: „Zu sehen ist das nicht, weil dafür weder ein neuer Mast gebaut, noch eine neue Antenne installiert wurde.“ Der neue Mobilfunkstandard werde hier – wie auch 3G und 4G – auf der Frequenz 2100 Megahertz ausgestrahlt. „Für die Errichtung weiterer Standorte in Hausham gibt es aktuell keine Pläne.“

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