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Freut sich über viele Geburten: Dr. Stefan Rimbach, Chefarzt für Gynäkologie und Geburtshilfe im Krankenhaus Agatharied.

Agatharieder Chefarzt Dr. Stefan Rimbach im Interview

„Auch wir spüren den Ärztemangel in der Geburtshilfe“

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Agatharied - Weil die Stadtklinik Bad Tölz keinen Gynäkologen findet, steht die Geburtshilfe vor dem Aus. Über Konsequenzen für das Krankenhaus Agatharied spricht Chefarzt Dr. Stefan Rimbach im Interview.

Herr Dr. Rimbach, sollte die Stadtklinik Bad Tölz keinen neuen Gynäkologen finden und 2017 keine Geburtshilfe mehr anbieten, könnte sich dann der Andrang in Agatharied sogar noch weiter erhöhen?

Rimbach: Über die Entwicklung im Nachbarlandkreis und mögliche Auswirkungen will ich nicht spekulieren. Ich bin froh, dass bei uns derzeit noch alles gut läuft. Damit das in Zukunft so bleibt, suchen aber auch wir aktuell einen weiteren Arzt. Und da bekommen wir den europaweiten Personalmangel im Bereich Gynäkologie und Geburtshilfe zu spüren.

Wo rührt der denn eigentlich her?

Rimbach: In meinen Augen sind mehrere Faktoren dafür verantwortlich. Eine Hauptursache ist sicherlich der hohe Stress. Ein Drittel bis die Hälfte aller Geburten findet in der Nacht statt. Dazu kommt der extreme Druck, in kurzer Zeit weitreichende medizinische Entscheidungen treffen zu müssen. Falls es dann auch noch zu unerwarteten Komplikationen kommt, sieht sich der Arzt nicht selten mit Klagen der Eltern konfrontiert. In Kombination wirken diese Punkte wie ein Schreckgespenst, das viele junge Mediziner von diesem eigentlich sehr schönen und faszinierenden Fachgebiet abhält.

Eine ausweglose Situation?

Rimbach: Das würde ich nicht sagen. Es gibt vielversprechende Programme, dem Trend entgegenzuwirken. Das Spektrum reicht von ermäßigten Kongressgebühren über kostenlose Mitgliedschaften in der Deutschen Gesellschaft bis hin zu Veranstaltungen an den Universitäten oder Leitfäden, die den Nachwuchsmedizinern eine Entscheidungshilfe bieten. Am wichtigsten ist es aber, ihnen die Unsicherheit zu nehmen. Da sind alle praktizierenden Kollegen gleichermaßen gefragt.

Klingt nach einer Herkulesaufgabe.

Rimbach: Nicht unbedingt. In erster Linie geht es doch darum, die eigene Begeisterung weiterzugeben. Für mich ist die Gynäkologie und Geburtshilfe so vielschichtig wie kaum ein anderes medizinisches Fachgebiet. Hier kann ein Arzt das gesamte Leben der Frau begleiten – von der Entbindung bis zu einer möglicherweise notwendigen Krebsbehandlung. Mit am faszinierendsten ist aber die Geburt. Wir behandeln sie im Krankenhaus Agatharied als das, was sie ist: ein positives, natürliches Ereignis. Falls es doch notwendig wird, greifen wir geburtsmedizinisch ein.

Ein Grund für den großen Zuspruch für das Krankenhaus Agatharied?

Rimbach: Auf jeden Fall. Die allermeisten Frauen im Landkreis wollen ihr Kind in unserer Klinik auf die Welt bringen, was uns sehr freut. Und wegen unseres guten Rufs suchen auch verstärkt Paare aus angrenzenden Regionen unsere geburtshilfliche Abteilung auf.

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