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Bahnübergang Hausham: Verlegung nach 36 Jahren abgeschlossen

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Von: Jonas Napiletzki

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Bahnübergang Hausham
Der um 70 Meter nach Norden verlegte, neue Übergang, ersetzt den an der oberen Bildkante sichtbaren alten Bahnübergang in Hausham. © Thomas Plettenberg

Nach 36 Jahren ist jetzt abgeschlossen, woran manch einer nicht mehr geglaubt hatte: die Verlegung des Haushamer Bahnübergangs. Ein Rück- und Ausblick auf früher und heute.

Hausham – Bürgermeister Jens Zangenfeind (FWG) klingt am Telefon ungewöhnlich ruhig für den Anlass des Gesprächs. Eigentlich gäbe es Grund zum Feiern, ist doch vor zwei Wochen ein geschichtsträchtiges Bauvorhaben zum Abschluss gekommen. Es geht um den Bahnübergang in Hausham, dessen Verlegung Generationen beschäftigt hatte. Warum also gab es keine offizielle Eröffnung?

Zangenfeind erklärt: „Ein offizielles Event passt nicht in die Zeit – deshalb halte ich es für richtig, darauf zu verzichten.“ Die eigentliche Nachricht ist derweil für viele untergegangen: „Seit dem letzten Oktober-Wochenende rollt der Verkehr regulär“, berichtet der Bürgermeister. Sachlich. Nüchtern. Gut gelaunt – aber eben den Umständen entsprechend.

Nur technisch gebe es noch Nachbesserungsbedarf an der ein oder anderen Stelle, meint der Rathaus-Chef, der den Verkehr mit Blick aus seinem Bürofenster immer im Auge hat. „Ein paarmal hat die Schranke nicht geschlossen, als der Zug durchgefahren ist.“ Ein entsprechendes Warnsystem habe die Züge der Bayerischen Regiobahn (BRB) jedoch informiert. „Die rollen dann ganz langsam ein.“ Eine Gefahrensituation habe zu keiner Zeit bestanden. Zu viel Technik, zu viele Ampeln.

Bahnübergang seit Ende Oktober offen - Verkehrsführung „gewöhnungsbedürftig“

Letztere sind auch das, woran Zangenfeind als Autofahrer noch knabbert: „Die komplexe Anlage ist auf den ersten Blick gewöhnungsbedürftig.“ Doch die positiven Nachrichten überwiegen: „Die Schließzeiten wurden erheblich verkürzt.“ Bürger würden positive Rückmeldungen geben, berichtet Zangenfeind. Das liegt wohl auch an den deutlich verkürzten Staulängen, die der Bürgermeister in den vergangenen Jahre täglich soweit beobachten konnte, wie der Blick reichte.

Neben der Schrankenfunktion setze sich die Gemeinde bei der Bahn auch dafür ein, die unschöne Betonmauer auf Seiten des Rathauses schöner gestaltet zu bekommen. „Bis zum Frühjahr sollte sich hier etwas tun“, sagt Zangenfeind.

Alter Bahnübergang in Hausham
Lange Wartezeiten beim alten Bahnübergang in Hausham - der nun geschlossen ist. © Thomas Plettenberg

Ein straffer Zeitplan und kleine Wünsche – verglichen mit der Dauer des Gesamtprojekts und dessen Widrigkeiten. Seit Mitte der 1980er-Jahre steht der Bahnübergang in der Kritik. Seitdem wurden viele Konzepte angedacht. An der Stelle des alten Bahnübergangs waren die jedoch ohne Erfolg: Eine Sperrung des Übergangs wurde per Bürgerentscheid deutlich abgelehnt, eine Tieferlegung – die sogenannte Trog-Lösung – scheiterte am Geld. Für eine Ampellösung – die sogenannte Büstra-Anlage – wären zu viele Ampeln nötig gewesen.

Bereits im Jahr 2001, so erinnerte sich Gemeinde-Geschäftsleiter Rudi Randler in einer Ausgabe des Miesbacher Merkur im Jahr 2011, sei die Verlegung des Übergangs erstmals diskutiert worden. Doch damals habe die Bahn abgewunken: Bei 70 Metern Abstand handle es sich nicht mehr um eine Verlegung, sondern um einen neuen Übergang. Dies sei ohne Brücken-/Tunnellösung nicht möglich. Dasselbe Argument, so Randler im Jahr 2011, sei auch diesmal gebracht worden. Doch Bauamt und Eisenbahnbundesamt folgten dieser Ansicht nicht. Damit war der Weg frei für die Verlegung.

Verzögerungsserie bei der Verlegung

In der Sache hat sich diese Prognose nun bewahrheitet – lediglich der damalige Zeitplan wurde zu sportlich geschätzt. „Die Verlegung dauert noch bis 2014“, war damals zu lesen. Im Jahr 2013 rechnete man dann aber erst mit einer Verlegung 2015. In der Zwischenzeit waren die für die Verzögerung verantwortlichen Grundstücksverhandlungen abgeschlossen worden.

Im Jahr 2014 war ein möglicher Baubeginn 2016 in aller Munde. Schuld für die erneute zwischenzeitliche Verzögerung: „der Feinschliff an Unterlagen“ – zu deutsch: die Bürokratie. Unterlagen musste erst an die Regierung von Oberbayern gehen. Das Bauamt leitete die Planung, weil sich das Thema Straßen als komplexer als der Bahnübergang selbst herausstellte.

Dann, 2016, bremste die Regierung von Oberbayern und eine Privatperson mit der Forderung nach einem Lufthygiene-Gutachten. Dies – und eine „wasserwirtschaftliche Fragestellung“ zur Abwasserbeseitigung – verschoben den prognostizierten Baustart aufs Jahr 2018. Abhängig von Finanzausstattung des Straßenbauamts.

Der Zeitstrahl mündet schließlich in der jüngeren Geschichte: 2019 wurde der Startschuss für Mitte 2020 bekannt gegeben – der zunächst an einem Unterschriftenlauf scheiterte.

Am 15. März 2021 dann die Erlösung: der Baustart. Während zuletzt Schlierseer- und Industriestraße erneuert wurden, rollte der Verkehr kurzzeitig wieder über den alten Übergang. Ende Oktober wurde dann die Gesamtmaßnahme abgeschlossen – sogar einen Monat früher als zwischenzeitlich geplant.

+++ Eine Menge Kritik erntete die geplante Verlegung des Bahnübergangs Hausham. Zu unrecht, findet Bürgermeister Jens Zangenfeind. Im Interview erklärt er, warum. +++

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