Zeitplan und Kosten bekannt

Bahnübergang Hausham: Verlegung wird noch 2020 abgeschlossen

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Seit 1985 beschäftigt der Haushamer Bahnübergang die Ingenieure. 34 Jahre gibt es jetzt endlich einen detaillierten Zeit- und Kostenplan. Und der ist ziemlich sportlich.

Hausham – Warten auf die Bahn: Das sind die Haushamer gewöhnt. Wer regelmäßig zwölf Minuten vor geschlossener Schranke steht, bringt auch an anderer Stelle Geduld mit. So konnte sich Bürgermeister Jens Zangenfeind (FWG) im Haushamer Gemeinderat ein Schmunzeln nicht verkneifen, als ausgerechnet der Vertreter der DB Netz AG mit Verspätung in den Sitzungssaal eilte. Dann aber folgte endlich das, worauf ganz Hausham seit 1985 hofft: die Vorstellung des Projektablaufs zur Verlegung des Bahnübergangs.

Die hatte eigentlich gar nicht auf der Tagesordnung gestanden. Vielmehr sollte der Gemeinderat die Kostenbeteiligung Haushams am insgesamt rund 5,5-Millionen-Euro-Projekt beschließen (siehe Kasten). Mit viel größerer Spannung verfolgten Ratsmitglieder und Zuschauer jedoch den vorläufigen Bauzeitplan, den Ingenieur Konrad Haindl an der Seite von Florian Deininger vom Staatlichen Bauamt Rosenheim und Andreas Schmidt von der DB Netz bereits detailliert präsentierte.

Der Startschuss der lang erwarteten Verlegung des Bahnübergangs fällt im Juni oder Juli 2020. Der genaue Termin hänge noch an einem „Unterschriftenlauf“ für die endgültige Projektfreigabe beim Staatlichen Bauamt und der Bahn, sagte Deininger. Die Ausschreibung, Vergabe und Vorbereitung der Arbeiten durch die Baufirma sei ein weiterer Unsicherheitsfaktor. „Es ist alles sehr ambitioniert, aber wir hoffen das Beste“, sagte Deininger.

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Auch Haindl sprach immer wieder von einem „sportlichen Plan“. Um den Verkehrsfluss für Anwohner und Durchreisende so wenig wie möglich zu beeinträchtigen, hatte er die Maßnahme in fünf Abschnitte unterteilt, wobei die ersten vier jeweils rund neun Wochen in Anspruch nehmen werden. Im Juni und Juli wird nördliche Teil der Schlierseer Straße (also die Ortsdurchfahrt) bis in den Kreuzungsbereich des neuen Bahnübergangs ertüchtigt und für die künftige Verkehrsführung vorbereitet, im August und September ist dann der südliche Teil dran. Dasselbe Spiel erfolgt auf den beiden Ästen der Industriestraße. Hier soll der nördliche Bereich noch im November 2020 fertiggestellt werden. Zu diesem Zeitpunkt möchte nämlich die DB auch den Wechsel vom alten auf den neuen Bahnübergang vollziehen. Je nach Wetter geht es schließlich ab März 2021 an den südlichen Strang der Industriestraße. Bis hierhin, so Haindl, ist der Verkehrsfluss zumindest auf einer der beiden Seiten des Gleises gewährleistet.

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Das ändert sich im finalen Bauabschnitt, der als solcher mit der Verlegung des Bahnübergangs eigentlich nichts mehr zu tun hat. Auf Wunsch der Gemeinde werde man den südlichsten Bereich der Schlierseer Straße bis auf Höhe der Agip-Tankstelle ausbauen und mit einem Geh- und Radweg ausstatten, erklärte der Ingenieur. „Damit ist die letzte Lücke zwischen Agatharied und Schliersee geschlossen.“

Von Mitte Mai bis August 2021 werden die Leitungen und Randsteine vorbereitet, ehe der Straßenausbau ansteht. Mit einer gravierenden Auswirkung auf den überörtlichen Verkehr: Wegen der mit 6,50 Meter zu geringen Fahrbahnbreite muss die Verbindung nach Schliersee voraussichtlich im September 2021 für drei Wochen voll gesperrt werden. „Anders kriegen wir keinen sicheren Baustellenbetrieb hin“, erklärte Haindl. Die Umleitung werde weiträumig über das Leitzachtal erfolgen.

Zangenfeind betonte, dass alle Bürger noch ausführlich über alle Einschränkungen während der Bauzeit informiert werden. Und er appellierte schon jetzt an das Durchhaltevermögen der Haushamer. „Das wird eine riesige Baustelle mit großen Beeinträchtigungen.“ Er hoffe aber auf einen ähnlich perfekten Ablauf wie beim Kreiselbau in Agatharied. Auch hier habe man die befürchtete Vollsperrung letztlich noch abwenden können. „Ich hoffe, das gelingt uns auch beim Bahnübergang.“

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Die Kostenaufteilung

Wer zahlt was beim Bahnübergang? Auch diese Frage ist nun beantwortet. Grundlage der Aufteilung zwischen Bund, DB Netz AG, Staatliches Bauamt und Gemeinde Hausham ist die sogenannte Kreuzungsvereinbarung, der die Gemeinderäte einhellig zugestimmt haben. Bei den „kreuzungsbedingten Kosten“ in Höhe von 4,2 Millionen Euro ist folgendes vorgesehen: Bund und DB Netz zahlen jeweils 1,4 Millionen Euro, den Rest teilen sich Staatliches Bauamt und Gemeinde entsprechend der Fahrbahnbreiten in ihrem Bereich auf. Damit treffen das Bauamt 564 200 Euro, die Gemeinde 835 800 Euro. 

Rein Sache von Staatlichem Bauamt und Gemeinde sind die Kosten, die nichts mit dem Bahnübergang zu tun haben, beispielsweise die Geh- und Radwege. Der Mammutanteil von rund 1 Million Euro trägt hier das Bauamt, die Gemeinde kommt mit 229 000 Euro vergleichsweise glimpflich davon. Nimmt man alles zusammen, kostet die Baumaßnahme 5,5 Millionen Euro, wobei Hausham rund 1 Million Euro aus eigener Tasche bezahlen muss. 

Gut angelegtes Geld, fand Bürgermeister Jens Zangenfeind. Trotz des Rückschlags der Ampellösung würden die Wartezeiten an der Schranke am neuen Bahnübergang wesentlich verkürzt, nämlich von aktuell zwölf auf künftig maximal drei Minuten. Eine deutliche Verbesserung der für alle Haushamer sehr belastenden Verkehrssituation. Zangenfeind gab sich daher optimistisch: „Schlechter werden kann es sowieso nicht mehr.

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