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Mussten viele Fragen beantworten: (v.l.) Architekt Herbert Wagenpfeil, Lebenshilfe-Geschäftsführerin Inga Kockerols und Haushams Bürgermeister Jens Zangenfeind.

Intensiver Info-Abend im Haushamer Gewerkschaftshaus

Baugebiet Abwinkl: Anwohner machen ihrem Unmut Luft

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Hausham - Es war eine rege und teils auch emotionale Fragestunde im Haushamer Gewerkschaftshaus. Der Bürgermeister konnte nicht alle Bedenken der Anwohner zum Neubaugebiet in Abwinkl ausräumen.

Gerhard Klante konnte seinen Filzstift kaum aus der Hand legen. Unermüdlich notierte der Gemeinderat beim Info-Abend zum geplanten Neubaugebiet im Haushamer Ortsteil Abwinkl die Sorgen, Fragen und Einwände der Anwohner auf einem Flipchart mit. „Sie haben den Planern viele Hausaufgaben mitgegeben“, resümierte die von der Gemeinde als neutrale Moderatorin beauftragte Leiterin der Anton Weilmaier Schule, Bärbel Lang, nach der fast zweieinhalbstündigen Veranstaltung im Saal des Alpengasthofs Glück Auf. Das Fazit eines unmittelbaren Anwohners fiel weit weniger positiv aus: „Sie haben zu den entscheidenden Dingen wieder einmal nichts gesagt“, griff dieser Bürgermeister Jens Zangenfeind, Architekt Herbert Wagenpfeil und Lebenshilfe-Geschäftsführerin Inga Kockerols auf dem Podium an.

Tatsächlich blieben viele Fragen offen. Das, verteidigte sich Zangenfeind, sei aber im Vorfeld auch so kommuniziert worden. „Ziel des Abends war es, Ihre Bedenken aufzunehmen“, betonte der Bürgermeister. Diese werde man nun als Arbeitsauftrag an die Fachplaner weiterreichen. Bei einer zweiten Veranstaltung in gut sechs Wochen könnten die Anwohner dann mit konkreteren Informationen rechnen.

Zumindest so viel steht seit Dienstagabend fest: Langweilig werden dürfte es den Ingenieuren nicht. Vor allem in Sachen Verkehr und Entwässerung fürchten die Bürger schwerwiegende Folgen durch die geplante Bebauung der insgesamt 24 000 Quadratmeter großen Fläche am Fuße der Huberspitz mit 20 Wohnhäusern und dem neuen Haus Bambi der Lebenshilfe. Die Situation an der Naturfreundestraße sei durch parkende Autos und Rückstaus bei geschlossener Bahnschranke schon heute „katastrophal“. Viele Autofahrer würden auf Moosrainer Weg oder Schlierachstraße ausweichen.

Sofort entkräften konnte der Bürgermeister diese Argumente nicht. Er bat die Bürger um Geduld. Das Verkehrsgutachten zur Naturfreundestraße sei noch nicht fertig. Sobald dies der Fall sei, werde der Fachplaner seine Ergebnisse öffentlich vorstellen.

Gute Nachrichten verkündete Zangenfeind zum Bahnübergang. Das Staatliche Bauamt habe zugesichert, dass die Verlegung für 2018 geplant sei. Eine geräuschlose Lösung stellte der Bürgermeister aber nicht in Aussicht. „Es ist unstrittig, dass es mehr Verkehr geben wird.“

Definitiv verbessern werde sich dagegen die Entwässerungssituation – unter anderem durch ein großzügig dimensioniertes Drainage-System, wie Wagenpfeil erklärte. „Wir planen nicht ins Blaue“, versicherte der Architekt. Die Anwohner überzeugte das nicht. „Der Hang steckt voller Wasser“, sagte einer. Bei Starkregen könnte die dann versiegelte Fläche heftige Überschwemmungen verursachen. All das werde man berücksichtigen, sagte Wagenpfeil. Auch dazu werde sich beim nächsten Infoabend ein Fachmann detailliert äußern.

Konkretere Antworten erhielten die Anwohner zum geplanten Einheimischenprogramm. Zangenfeind stellte hier Quadratmeterpreise von unter 400 Euro in Aussicht. Die Nachfrage sei groß. „Das sind Familien, die Sie alle kennen“, appellierte er an die Kritiker. Auch bei der Lebenshilfe herrscht Zeitdruck. „Das merke ich jeden Tag, wenn ich die Kinder sehe“, sagte Kockerols. Gerüchte, wonach die Gemeinde das Haus Bambi vorschieben würde, um das Bauvorhaben möglichst schnell durchzudrücken, wies Zangenfeind jedoch vehement zurück. Die Lebenshilfe sei kein Anhängsel, sondern ein unterstützenswertes Projekt.

Umso härter traf den Bürgermeister der Vorwurf eines Anwohners, wonach er als Revisor des Vereins einem Interessenskonflikt unterliege. „Das ist schon eine Hausnummer“, sagte Zangenfeind. Die Fassung verlor er dennoch nicht. Er habe nie ein Geheimnis aus seinem Posten gemacht, werde den Fall aber der Rechtsaufsichtsbehörde vorlegen. Auch durch die Frage eines sichtlich aufgebrachten Kritikers, ob er es denn wirklich auf einen Bürgerentscheid ankommen lassen wolle, ließ sich Zangenfeind nicht aus der Reserve locken. „Niemand hat Klagen gerne, aber das gehört zur Demokratie dazu.“

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