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Hoffen auf viele Mitstreiter: (v.l.) Roland Rubel, Anja Benker und Peter Weber mit den Flyern zum Bürgerbegehren gegen das Baugebiet in Hausham-Abwinkl.

Landschaftsschutzverein macht ernst

Baugebiet Abwinkl: Gegner sammeln Unterschriften für Bürgerbegehren

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Der Landschaftsschutzverein Hausham macht ernst. Mit einem Bürgerbegehren wollen die Mitglieder das Baugebiet in Abwinkl verhindern. Die Unterschriftensammlung läuft.

Hausham – Der Landschaftsschutzverein macht ernst. Was die damals noch lose Interessengemeinschaft aus Anwohnern bereits im August 2016 als letztes Mittel angekündigt hatte, liegt jetzt Schwarz auf Weiß in mehreren Geschäften in Hausham aus: Unterschriftenlisten für ein Bürgerbegehren gegen das geplante Baugebiet in Abwinkl. „Sachargumente ziehen nicht, jetzt muss der Bürger entscheiden“, haben die Initiatoren auf den begleitenden Flyer gedruckt.

„Es wird Zeit, dass wir anpacken“, sagt der Vorsitzende des Landschaftsschutzvereins, Peter Weber, auf Nachfrage unserer Zeitung. Die Vorbereitungen für ein Bürgerbegehren laufen seit Monaten, zuletzt habe man auch einen Juristen mit ins Boot geholt. „Das ist kein Schnellschuss aus der Hüfte, sondern hat alles Hand und Fuß“, betont Weber. Rund 800 Haushamer müssten unterschreiben, um das erforderliche Quorum für einen Bürgerentscheid zu erreichen, erklärt der Vorsitzende. „Wir wollen aber deutlich mehr.“

Was der Landschaftsschutzverein erreichen will, verdeutlicht eine Karte auf dem Flyer. „Bebauungsplan Nummer 42 und 43 STOPP!“, steht über den von der Gemeinde für das Wohnen für Familien an der Huberbergstraße und das neue Haus Bambi vorgesehenen Flächen am Fuß des Huberspitz. Eine Bebauung des Areals am Huberspitzweg ist aus Sicht der Gegner hingegen „okay“.

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Die Kritik am Bauvorhaben ist so alt wie die Idee selbst. So richtig Fahrt aufgenommen hat sie nach der Entscheidung des Kreistags 2016, die erforderlichen Bereiche aus dem Landschaftsschutzgebiet „Egartenlandschaft um Miesbach“ zu entnehmen. Seitdem wurden die mittlerweile im Landschaftsschutzverein organisierten Gegner nicht müde, ihre Sorgen über die negativen Folgen einer Bebauung in diesem Bereich vorzutragen.

Die aus ihrer Sicht entscheidenden und nach wie vor nicht geklärten Punkte haben sie auf ihrem Flyer und ihrer Internetseite zusammengefasst: steigende Hochwassergefahr durch Flächenversiegelung, Zerstörung des Biotops durch die Verrohrung des Schmotzbachs, Hangrutschgefahr wegen des instabilen Untergrunds, ungelöste Abwassersituation und nicht zuletzt den zunehmenden Verkehr an Naturfreunde- und Schlierachstraße sowie ein „Stau-Wahnsinn“ am Nadelöhr Bahnübergang. Letzteres würde zwischen 1500 und 2000 Haushamer betreffen, fürchten die Initiatoren des Bürgerbegehrens. Und das für ein Baugebiet, in dem sich in ihren Augen nur betuchte Einheimische ein Haus leisten. Das Fazit der Gegner in zwei Worten: „Uns reicht’s.“

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Bürgermeister Jens Zangenfeind erfährt durch den Anruf unserer Zeitung, dass die Unterschriftensammlung begonnen hat. „Ein legitimes Mittel“, findet er. „Aber ob es der richtige Weg für Hausham ist?“ Als bedauerlich bezeichnet der Rathauschef, dass die zu jeder Zeit sachliche und transparente Informationspolitik der Gemeinde offenbar nicht gefruchtet hat. In seinen Augen wendet sich das Bürgerbegehren gegen eine „gute Sache“: Wohnraum für einheimische Familien. Rund 100 Interessenten hätten sich im Rathaus gemeldet, darunter auch Angehörige von Mitgliedern des Landschaftsschutzvereins.

In jedem Fall verhindern müsse man, dass durch das Bürgerbegehren ein Generationenkonflikt in Hausham entsteht, bekräftigt Zangenfeind. Dann nämlich, wenn junge Familien bauen wollen, die älteren dies aber zu verhindern versuchen. Die betreffenden Grundstücke seien die einzigen gewesen, die die Gemeinde habe kaufen können, um selbst den zunehmenden Wohnraumdruck etwas zu entlasten. „Sonst hätte das irgendein Investor gemacht“, stellt der Rathauschef klar.

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Die Gemeinde verfolge das Bebauungsplanverfahren deshalb wie bisher rechtmäßig weiter, erklärt Zangenfeind. Ob es später auch zu einem Ratsbegehren kommt, lässt er noch offen: „Das müssen wir im Gemeinderat diskutieren.“

Die Unterschriftenlisten

liegen an folgenden Orten in Hausham aus:

Landschaftsschutzverein Hausham e.V., Frühlingstraße 11 

Autohaus Helmut Behrens, Industriestraße 1C 

Butz Robert Biobäckerei, Naturfreundestraße 12 

Malerbetrieb Stöckl, Naturfreundestraße 15

Metzgerei Wurst-Kutschn, Alte Tegernseer Straße 14

 Michis-Foto-Service, Althaushamer Straße 1

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