Margit Rühe-Krux leitet seit 25 Jahren die Gemeindebücherei Hausham.
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Süchtig nach Lesen: Margit Rühe-Krux leitet seit 25 Jahren die Gemeindebücherei Hausham, die obendrein seit fast hundert Jahren besteht.

Entwicklung vom Bücherschrank zur Online-Bibliothek

„Bin süchtig nach Lesen“: Haushamer Büchereileiterin seit 25 Jahren im Dienst

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Seit 25 Jahren leitet Margit Rühe-Krux die Gemeindebücherei Hausham. Die hat im vergangenen Jahr ihr 95-jähriges Bestehen gefeiert. Ein Blick in die Geschichte.

Hausham – Wenn sonntags die Kirchenglocken läuteten, gab’s für Margit Rühe-Krux kein Halten mehr. Dann spurtete die Achtjährige mit einem „Affenzahn“ von ihrem Elternhaus an der Schlierach hinauf zum ehemaligen Bergmannsheim, in dem die katholische Volksbücherei 1958 untergebracht war. „Ich bin jedes Mal mit hängender Zunge angekommen“, erinnert sich Rühe-Krux heute. Der Lohn für ihren Lauf: zwei Bücher. „Mehr durfte man leider nicht ausleihen“, erzählt die heutige Leiterin der Haushamer Gemeindebücherei. So habe ihr der Lesestoff gerade mal für zwei Stunden gereicht.

Seit 25 Jahren ist Rühe-Krux nun die Chefin im Bücherparadies. An ihrer „Sucht“ habe sich in all den Jahren nichts geändert, erzählt sie. „Ich bin eine Diagonalleserin.“ Heißt: Sie verschlingt mehrere Bücher parallel. Sachliteratur fast noch lieber als Romane. Zwischen zehn und 15 Werke stapeln sich in der Regel neben Rühe-Krux’ Bett. Im Lockdown, als sie oft ganz allein in der Bücherei war, blieb sie beim Ein- oder Umräumen der Regale auch mal in Büchern für Kleinkinder hängen, berichtet sie schmunzelnd. „Zum Glück hat mich keiner gesehen.“

Die Gemeindebücherei als solche will Rühe-Krux hingegen wieder etwas mehr in den Köpfen der Haushamer verankern. Eigentlich wäre dazu das 95-jährige Bestehen im vergangenen Jahr eine gute Gelegenheit gewesen, doch die Pandemie machte sämtliche Veranstaltungen zunichte. Dabei ist die Geschichte der Bücherei spannend wie ein guter Krimi.

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Alles begann 1925 mit einem Bücherschrank im katholischen Pfarramt. Der allerdings reichte bei Weitem nicht aus, um den für damalige Verhältnisse beachtlichen Bestand von mehreren Hundert Bücher aufzunehmen. Nach der Zusammenlegung mit der Gemeindebücherei im Jahr 1991 und dem Umzug in die modernen Räume über dem Bürgersaal an der Geißstraße im Jahr 1999 hat die Bibliothek nun deutlich mehr Platz. Der wird bei mittlerweile 18 000 Medien auch dringend benötigt.

In Zeiten der Corona-Krise ist es Rühe-Krux ein Anliegen, die Bürger zu erinnern, dass die Bücherei in ihrer langen Geschichte schon ganz andere Hürden zu bewältigen hatte. Die schwerste Zeit waren die Jahre während des Nationalsozialismus. Hier wurde der Betrieb sogar komplett verboten. Die Wiedereröffnung nach dem Zweiten Weltkrieg sei vor allem der Zivilcourage der damaligen Büchereileiterin Resi Stadler zu verdanken gewesen.

Die heutige Chefin der Bibliothek kämpft mit guten Ideen und moderner Technik gegen die Auswirkungen der Corona-Pandemie an. Über die Mitgliedschaft im Verbund Leo-Süd ermöglicht die Bücherei ihren Lesern über die „Onleihe“ Zugang zu rund 70 000 Medien. „Im Corona-Jahr ist die Bedeutung dieses virtuellen Medienbestands gewachsen“, berichtet Rühe-Krux. Wenn auch mit zehn Prozent deutlich geringer als erwartet. Die Büchereileiterin folgert daraus, dass die wichtigste Zugangsart weiterhin der persönliche Verleih vor Ort bleibt.

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Der ist seit Kurzem zumindest eingeschränkt wieder möglich. Zwar können die Besucher nach wie vor nicht in den Regalen stöbern, durch das Click-and-Collect-Angebot aber immerhin wieder an gedruckte Bücher kommen. Nach schriftlicher oder telefonischer Bestellung können Bücher, CDs und Co. kontaktlos abgeholt und zurückgegeben werden. Die Vielfalt ist riesig – und sie wird alle paar Jahre runderneuert. Vor allem Sachbücher würden heutzutage schon nach fünf Jahren als veraltet gelten, erklärt Rühe-Krux.

Die aussortierten Werke packt sie in Tauschregale im Kindergarten, in der Volkshochschule oder im Bürgersaal. Auch soziale Einrichtungen beliefern die Leiterin und ihre 24 treuen Helfer – darunter auch etliche Männer („Die bringen Muskelkraft und neue Sichtweisen mit“) – regelmäßig. Umgekehrt nimmt die Bücherei auch Geschenke an. „Uns ist alles willkommen, was noch nicht in der Badewanne war“, meint Rühe-Krux und lacht.

Sie selbst schwört im Lockdown übrigens auf Comics. „Da kann man so herzlich lachen.“ Ihr Favorit hat sogar höchst aktuellen Bezug: „Corona – wer hat’s erfunden?“ Vor allem eine Person komme in der launigen Bildergeschichte für Erwachsene oft vor: Donald. Nicht Duck, sondern Trump.

Die Bücherei-Statistik für 2020

Gut 13 000 Bücher befinden sich im Bestand der Gemeindebücherei, davon rund 3700 Sachbücher, 4500 Romane und 4900 Kinderbücher. Unter den rund 1400 Tonträgern sind seit Neuestem neben CDs auch sogenannte Tonies (moderne Hörspiele für Kinder). Wer sich lieber vor dem Fernseher unterhalten lassen will, kann aus rund 2500 Filmen auswählen. Nicht zu vergessen sind ferner rund 250 Karten- und Brettspiele sowie 280 stets aktualisierte Zeitschriften.

Beim Blick auf die Statistik der Entleihungen fällt auf, dass vor allem die digitalen Medien – im Corona-Jahr wenig verwunderlich – mehr nachgefragt wurden. 3700 Abrufe über den Zugang der Bücherei Hausham wurden hier registriert. Die fast 18 000 Bestandmedien wurden 2020 insgesamt rund 21 700 Mal entliehen. Besonders intensiv genutzt wurden Kinderbücher (7150 Entleihen), gefolgt von Romanen und Jugendliteratur (4400), DVDs (3400), Tonträgern (2800), Sachbüchern (2050) und Zeitschriften (1200).

Büchereileiterin Margit Rühe-Krux fügt aber einschränkend hinzu, dass auch Verlängerungen als Entleihen zählen würden. „Da hatten wir im Lockdown natürlich viele, weil die Leute ihre Bücher teilweise nicht zurückbringen konnten.“

sg

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