Freut sich über „große Solidarität und Wertschätzung“: Erich Kogler, Musiker, Kabarettist und Musikschulleiter aus Hausham.
+
Freut sich über „große Solidarität und Wertschätzung“: Erich Kogler, Musiker, Kabarettist und Musikschulleiter aus Hausham.

Haushamer Kabarettist im Lockdown

„Schaden noch nicht absehbar“ - Bühnenkünstler und Musikschulleiter über Corona-Auswirkungen

  • vonHeidi Siefert
    schließen

Erich Kogler ist Leiter der Musikschule Tegernseer Tal und Kabarettist. Aus verschiedenen Perspektiven berichtet er im Gespräch mit unserer Zeitung von seinem Umgang mit Corona.

Hausham – Einer, der die Musikszene im Oberland prägt, ist Erich Kogler aus Hausham. Als Leiter der Musikschule Tegernseer Tal, vor allem aber als Musiker und Kabarettist, der unter anderem von den Gruppen Dos Hombres, Ciao Weiß Blau und Isarrider weit über den Landkreis hinaus bekannt ist. Gerade hat er einen Organisationsmarathon der „Bayerischen Weihnacht“ hinter sich, einem geplanten Volksmusikkonzert, das durch den Lockdown light einige organisatorische Wandlungen erlebte. Zuletzt war am vierten Adventswochenende ein Livestream aus der evangelischen Kirche in Tegernsee geplant, doch dieser fiel den strengeren Einschränkungen zum Opfer. Wir sprachen mit ihm über Kunst unter Corona.

Herr Kogler, Musikschulen haben sehr früh begonnen digital zu unterrichten. Konnte ein einigermaßen geregeltes Schuljahr stattfinden?

Kogler: Ja und nein. Am leichtesten war es mit etwas fortgeschrittenen Schülern. Auch wenn es für alle Beteiligten eine Herausforderung ist. Großes Kompliment, was da an kreativer Energie frei wurde. Gruppen- und Ensemble-Unterricht oder Musikalische Früherziehung als wichtige Bausteine sind online aber nicht sinnvoll zu gestalten. Vor allem, weil hier das Miteinander entscheidend ist. Schwer trifft uns, dass wir auf größere Veranstaltungen verzichten müssen. Neben der Öffentlichkeitsarbeit fehlen sie als Motivation für Schüler und Lehrkräfte. Der digitale Tag der offenen Tür war ein großer Erfolg. Das ist eines der Konzepte, die wir sicher weiter verfolgen werden.

Wie war die Reaktion bei den Schülern?

Kogler: Vielen half und hilft Musik tatsächlich auch mental über die schwierige Zeit. Die meisten scheinen mehr Zeit zum Üben zu haben – also hat der Lockdown auch sein Gutes (lacht). Bei meinen Kindern sehe ich, dass fixe Termine wie Klavierstunde oder das tägliche Übe-Ritual einen gewissen Halt in einer Zeit geben, in der sich vieles ständig und teils so drastisch ändert.

Musikschulleiter ist das eine. Sie sind aber auch Künstler. Wie lief es da?

Kogler: Katastrophal, anders kann ich es leider nicht sagen. Da waren die finanziellen Einbußen. Aber vor allem wären viele schöne Projekte ins Haus gestanden. Wenn man ein Bühnenmensch ist, fällt es schon schwer, seiner Berufung nicht nachgehen zu können.

Gab es seit März irgendeinen „normalen“ Auftritt?

Kogler: Nein. Allein, weil man normal einen Raum möglichst so mit Publikum vollpackt, wie es irgendwie geht. Gerade in der Kleinkunst hängt davon auch ein Großteil der Stimmung ab. Wenn du dann vor 50 Leuten in einem Saal für 400 spielst, fühlt sich das zuerst an, als hätte man zu wenig Werbung gemacht oder dass keiner einen sehen will.

Sie haben immer nach kreativen Lösungen gesucht. Wie lief es?

Kogler: Wir haben viel ausprobiert: große Säle mit wenig Publikum, Live-Streams, Biergärten, Autokinos, gegenseitiges Videoaufnahmen bespielen... Geklappt hat im Prinzip alles gut, auch weil uns das Publikum großartig unterstützt hat. Da war große Solidarität und Wertschätzung zu spüren. Teilweise war‘s auch witzig, wenn etwa im Autokino die Fernlichter blinken, während Totenstille ist. Auf Dauer rechnet sich leider nichts davon. Am meisten bewundere ich Veranstalter und Gastwirte, die sich so kreativ mit der Misere auseinandergesetzt und teilweise hohe Investitionen getätigt haben – um doch wieder als Erste dran glauben zu müssen.

Gibt es etwas aus der Coronazeit, das sie beibehalten möchten?

Kogler: Es ist es auch eine Chance, wenn man aus der eingetretenen Spur mal raus muss und seine Aktivitäten auf den Prüfstand stellt. Da lässt sich einiger Ballast entsorgen. Ich werde zumindest versuchen, mir meine Zeit besser einzuteilen. Außerdem werde ich weiterhin versuchen, regelmäßig zu kochen – auch wenn‘s für meine Figur nicht ganz optimal verlaufen ist.

Wie war die Stimmung im Kollegenkreis? Resignation oder Ausprobieren?

Kogler: Mal so, mal so. Jeder durchläuft verschiedene Phasen. Wie, das hängt auch vom jeweiligen Schicksal und dem finanziellen Durchhaltevermögen ab. Ich kenne einige, die sich definitiv beruflich umorientieren mussten und damit für die Kunst verloren sind. Wenn etwa ein freiberuflicher klassischer Musiker am Bau arbeiten muss, ist er praktisch draußen. Das holt keiner mehr auf. Der wirkliche Schaden für die Kulturlandschaft ist also im Moment noch gar nicht absehbar.

Was war ihr persönliches Kultur-Highlight dieses Jahr?

Kogler: Eines war das Open Air auf dem Miesbacher Klostergelände. Leider – vor allem für die Veranstalter – mit etwas wenig Publikum, aber superentspannter, schöner Stimmung. Hoffentlich gibt es das jetzt jedes Jahr. Da wär‘ ich auch als Gast gern dabei. Ein anderes der Auftritt mit Monika Gruber in der Comödie in Fürth, dem weitere 14 in Deutschland und Österreich folgen sollten. Daraus ist aber leider nichts geworden.

Das Gespräch führte Heidi Siefert.

In der Reihe „Wie geht’s..?“ fragen wir Landkreis-Persönlichkeiten, wie sie die ungewöhnlichen Corona-Zeiten erleben.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare