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Bürgerbus: Hausham startet kostenloses Angebot - Fahrten bis nach Miesbach

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Von: Sebastian Grauvogl

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Möglicher Startpunkt: die Bushaltestelle an der Nagelbachstraße.
Möglicher Startpunkt: die Bushaltestelle an der Nagelbachstraße. © Stefan Schweihofer

Im Gespräch war er öfter, auf die Straße geschafft hat er es aber nie: ein Bürgerbus, der die Haushamer zum Einkaufen oder Arztbesuch bringt – kostenlos. Jetzt kommt er doch.

Hausham – Anstoß für die Bürgerbus-Idee sei der nach wie vor leer stehende frühere Netto-Markt an der Nagelbachstraße gewesen, erklärte Bürgermeister Jens Zangenfeind (FWG). Rund 1500 Bürger im Bereich Auerbergsiedlung und Umgebung, darunter viele Senioren, hätten seitdem keine fußläufigen Einkaufsmöglichkeiten mehr. Wie berichtet, gab es bereits nach der Schließung des Discounters 2018 Überlegungen, übergangsweise einen Shuttleservice zum neuen Netto an der Tegernseer Straße anzubieten. Das Konzept, das Zangenfeind nun den Gemeinderäten vorlegte, ging aber weit darüber hinaus.

Jeweils dienstags und donnerstags sowie jeden zweiten Samstag soll der Bürgerbus von der Auerbergsiedlung über Tegernseer Straße, Neues und Altes Rathaus zum Lidl/Edeka/Rossmann an der Oberen Tiefenbachstraße und dann weiter über Staudenhäusl und Krankenhaus Agatharied bis nach Miesbach fahren. Hier seien Haltestellen am Edeka und am Stadtplatz sowie auch eine Anbindung der Bahnhöfe sei denkbar. Neun Kurse soll der Bus pro Tag fahren – in einer für Einkäufe, Arztbesuche oder andere Erledigungen günstigen Taktung. Sogar den Miesbacher Wochenmarkt könnte man so an Hausham anbinden, erklärte Zangenfeind. Diese Brücke zu schlagen, sei letztlich nur konsequent. „Wir sind ein gemeinsames Mittelzentrum.“

Acht barrierefreie Sitzplätze

Einsteigen in den Bus, der vorerst über rund acht barrierefreie Plätze verfügen soll, könnten dabei alle Bürger, unabhängig vom Alter. Denn durch die aktuellen Preissteigerungen würden auch manche jüngeren Leute gern aufs Auto. Obendrein trage man so zur Entlastung des Straßenverkehrs bei. Nach Rücksprache mit Busunternehmern müsste die Gemeinde mit Kosten von 200 bis 300 Euro pro Fahrtag rechnen, käme am Ende also auf eine Jahressumme von rund 30 000 Euro. Um dem Bus die Chance zu geben, sich zu etablieren, müsse man eine Mindestlaufzeit von zwei Jahren wählen, so Zangenfeind. Die Ausschreibung müsste über das Landratsamt erfolgen. Die Regionalverkehr Oberbayern (RVO) GmbH begrüße das Vorhaben, da sie es selbst in dieser Form nicht anbieten könne.

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Als „sehr schöne Idee“ bezeichnete auch Harda von Poser (Grüne) den Bürgerbus. Sie regte aber an, zunächst den Bedarf in einer Umfrage zu ermitteln. Zangenfeind bezweifelte, ob diese ein repräsentatives Ergebnis bringen würde. Auch Posers Alternativvorschlag, einen Verkaufswagen in die Auerbergsiedlung zu schicken, hielt der Bürgermeister für nicht umsetzbar. Ein privater Unternehmer werde sich nicht auf einen solchen Testlauf einlassen. Erich Eckmairs (CSU) Frage, ob man angesichts des Personalmangels überhaupt Busfahrer finde, werde sich im Zuge der Ausschreibung klären, so Zangenfeind. Bei der Ausarbeitung des Fahrplans werde man darauf achten, Stoßzeiten und damit auch den von Willi Halletz (Grüne) angesprochenen Staus aus dem Weg zu gehen.

Macht Miesbach auch mit?

Michael Ertl (SPD) hakte nach, ob die Gemeinde im Miesbacher Rathaus zwecks Beteiligung am Projekt und dessen Kosten angeklopft habe. Schließlich könnten ja auch Miesbacher den Bus nutzen, um nach Hausham zu kommen. Dies sei selbstverständlich erfolgt, versicherte Zangenfeind. Man warte noch auf Rückmeldung. Mit einem positiven Beschluss werde man aber einen „freundlichen Gruß“ in Richtung Kreisstadt senden.

Den gab’s am Ende auch, jedoch nicht einstimmig. Die CSU-Fraktion lehnte den Bürgerbus geschlossen ab. Selbst die von Zangenfeind vorgeschlagene Verkürzung der Laufzeit auf vorerst ein Jahr überzeugte die sechs Gemeinderäte nicht. Tom Leidgschwendner (CSU) und Georg Eham (Parteilos) erinnerten, dass die Gemeinde bereits mit derSeniorenkarte des RVOund dem Anrufsammeltaxi bereits zwei vergleichbare Angebote finanziell unterstütze. Sie hätten daher nur einem Testbetrieb von einem halben Jahr und ohne Fahrten nach Miesbach zustimmen können. Eham sah es zudem nicht ein, dass die Gemeinde einspringe, nur weil sich beim Supermarkt an der Nagelbachstraße trotz rechtskräftigem Bebauungsplan nichts tue. „Wir machen eine Konkurrenzveranstaltung zur RVO auf, bloß weil der Bauträger da hinten nicht anfängt.“

sg

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