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Ein ewiges Ärgernis: Hans und Bärbel Kandlinger am Bahnübergang vor ihrem Café an der Naturfreundestraße in Hausham. Die langen Schließzeiten der Schranken versperren ihren Kunden den Weg.

Haushamer Traditionsbetrieb stellt auf Saisongeschäft um

Café Kandlinger: Erzwungener Neustart mit Datschi

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Hausham - Zehn Minuten Stau am Haushamer Bahnübergang, ehe es das ersehnte Stück Kuchen gibt. Einige Kunden des Café Kandlinger schrecken die langen Wartezeiten vor der Schranke ab. Nun reagieren die Inhaber: Sie schließen im Winter und richten sich als Saisonbetrieb neu aus.

Geredet wird viel im Ort. Vor allem viel Falsches. Deshalb will Bärbel Kandlinger, Inhaberin des Café Kandlinger in Hausham, zunächst mit einem Gerücht aufräumen: „Wir machen weiter“, betont die 54-jährige Haushamerin. Nur eben in anderer Form als bisher. Sie und ihr Mann Hans (56) schließen den Traditionsbetrieb an der Naturfreundestraße 1 künftig im Winter und Frühjahr und setzen ihren Laden als spezialisierten Saisonbetrieb fort. Der Bahnübergang und der veränderte Kundengeschmack haben das Ehepaar zu diesem Schritt getrieben. 

Wohl jeder Haushamer ärgert sich regelmäßig über den Bahnübergang: Schließzeiten von mindestens sieben Minuten, und das mehrmals pro Stunde. „Das Problem hat sich in den vergangenen fünf Jahren gesteigert“, berichtet Bärbel Kandlinger. Durch die Taktverdichtung der Bayerischen Oberlandbahn hat auch die Schließzeit zugenommen. „In einer Stunde ist eine halbe Stunde zu“, klagt die Haushamerin. Denn der geschlossene Bahnübergang direkt vor der Haustür schneidet ihr gleich doppelt die Kunden ab – sowohl diejenigen, die über die Industriestraße kommen, als auch diejenigen, die über die Ortsmitte fahren. „Viele fahren vor bis zur Schranke und blockieren unsere Einfahrt.“ Bis der Gast also beim Café ankommt, dauert es. „Weil es den Kunden zu lästig ist, verringert sich die Zahl der Gäste“, sagt Kandlinger. Zudem bitter: Eine Verbesserung der Lage zeichnet sich in absehbarer Zeit nicht ab. Wie berichtet, soll die Verlegung des Bahnübergangs um 70 Meter nach Norden laut Straßenbauamt Rosenheim erst 2018 erfolgen. 

Vor allem in den „Nicht-Datschi-Monaten“, wie Kandlinger die Zeit von November bis Mai nennt, spüre sie den Kundenrückgang. Immerhin genießen der Zwetschgendatschi des Hauses und dessen Verwandte – der Datschi mit Aprikose, Apfel oder Rhabarber – Kultstatus im Landkreis. „Das Essverhalten hat sich verändert“, weiß Kandlinger. „Der Datschi ist ein Produkt, das in der heutigen Zeit gefragt ist, wegen des zunehmendem Gesundheitsbewusstseins.“ So überwiege in ihrem Haus inzwischen die Nachfrage nach fruchtigen Kuchen statt nach sahnigen Torten. Doch der Datschi ist ein Saisonprodukt. Für die Kandlingers lautet die logische Konsequenz daher, ihre Konditorei den veränderten Bedingungen – Bahnübergang und Geschmack – mittels Saisongeschäft anzupassen. Zukünftig geht es von Ende Oktober bis Ende Mai in die Winterpause. Nur heuer ist noch bis 15. November geöffnet. 

Wiedereröffnung feiert das Ehepaar am 1. Juni 2016 mit neuem Namen. Kandlingers Datschi-Manufaktur nennt sich das seit 1948 bestehende Café Kandlinger dann. Mit dem Namenswechsel einher geht eine Spezialisierung der Konditorei auf Datschi-Variationen sowie alles rund um die Zwetschge wie Krapfen und Rohrnudeln. Dicke Sahnetorten: gestrichen. „Man braucht ein Produkt und da muss man stark sein“, erklärt Bärbel Kandlinger. Sich mit vielen einzelnen Angeboten zu verzetteln, bringe nichts. Doch auch im Inneren verändert das Café sein Gesicht. Die Kandlingers renovieren und bauen in der Winterpause um. Die zehn Angestellten kümmern sich derweil weiterhin um den Lieferbetrieb und Aufträge wie Hochzeiten. 

Ganz still wird es also im Café Kandlinger auch während der Ruhepause nicht werden. Und davor sowieso nicht. Dafür sorgt schon der Bahnübergang.

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