Corona-Impfungen im Impfzentrum Hausham
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Endlich geimpft: Am Donnerstag lief der reguläre Betrieb im Impfzentrum an. Ruprecht Steinhübl aus Waakirchen (r.) hatte einen Anwalt eingeschaltet, um die höchste Impfpriorität zu erhalten.

Vor allem die Senioren waren nervös

Corona-Impfungen im Impfzentrum Hausham gestartet: So erging es den ersten Kandidaten

  • Christian Masengarb
    vonChristian Masengarb
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Die Ärzte im Impfzentrum Hausham haben dort am gestrigen Donnerstag die ersten regulären Impfungen gegen Corona vorgenommen. 107 Menschen bekamen die Spritze gegen das Virus.

  • Der Realbetrieb im Impfzentrum des Landkreises in Hausham ist gestartet.
  • 107 Personen haben die Corona-Impfung erhalten.
  • Es kam auch zu zwei Zwischenfällen.

Hausham – Für Ruprecht Steinhübl erfüllt der Pieks, den er am gestrigen Donnerstag im Impfzentrum des Landkreises in Hausham in den rechten Oberarm bekommen hat, einen Traum. Der 46-jährige Physiklehrer aus Waakirchen ist nach zwei Schlaganfällen halbseitig gelähmt, hat Pflegestufe zwei. Seine linke Lunge arbeitet nicht mehr. Hinzu kommen mit Diabetes und Bluthochdruck insgesamt sieben Vorerkrankungen, die Steinhübl zum Hochrisikopatienten machen. Die Pandemie hat seinem Leben eine Pause verordnet: Eine Nierenstein-OP hat sein Arzt schon verschoben, bis er geimpft ist. Seine Schüler unterrichtet er derzeit nur digital. Doch in einigen Wochen, wenn er die zweite Impfung bekommen hat, hofft Steinhübl, dass er wieder vor die Klassen in Reichersbeuern und Bad Tölz treten und endlich einen OP-Termin ausmachen kann. „Ich bin wahnsinnig erleichtert“, sagt er, kurz nachdem er die Spritze bekommen hat.

Vor der Impfung messen die Ärzte Fieber.

Steinhübl ist einer von rund 100 Mitgliedern der höchsten Prioritätsgruppe, die gestern ab 9.30 Uhr in Hausham in zwei Schichten gegen Corona geimpft wurde. Sie hatten sich über das Impfportal registriert und waren nun zum Termin eingeladen worden. Es waren die ersten regulären Impfungen im Impfzentrum.

Landratsamt zufrieden mit erstem Tag im Realbetrieb

Die Mitarbeiter des Impfzentrums sind laut Landratsamt zufrieden mit dem ersten Tag Realbetrieb. Die Wartezeiten seien kurz gewesen, die Handgriffe hätten gesessen. „Die Atmosphäre war ruhig und entspannt“, sagt Impfzentrumsleiterin Beate Faus. „Ich hoffe, wir konnten das auch an die Senioren weitergeben, die teilweise recht nervös waren.“

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Faus’ Aussage zeigt: Steinhübl war einer der Jüngsten, die am Donnerstag geimpft wurden. Der Altersunterschied ist kein Zufall: Steinhübl hat sich die Impfung erkämpft. Der Landkreis hatte ihn ursprünglich wegen seines Alters in Prioritätsgruppe drei eingestuft und hätte ihn erst in Monaten geimpft. Steinhübl war wegen seiner kranken Lunge und der vielen Kontakte als Lehrer entsetzt. Seine Hausärztin riet ihm, alles für eine baldige Impfung zu tun. Also schrieb der Waakirchner Politiker an, schaltete schließlich einen Anwalt ein: Er werde diskriminiert, weil er zu jung sei. Das Gesundheitsministerium habe ihm darauf die höchste Priorität verliehen, berichtet er. Nur deshalb wurde er geimpft. „Es geht mir nicht um mich“, sagt Steinhübl, „aber ich kenne viele Hochrisikopatienten, die noch lange warten müssen. Sie wurden vergessen.“

Vor den Kabinen: Warten auf die Schutzimpfung.

Steinhübl wartet nach der Impfung noch eine gute Stunde mit seiner Krücke in der Hand auf einem Stuhl. Weil er mit dem Auto nach Hause fährt, will er ganz sicher sein, keine Nebenwirkungen zu haben. Die bleiben aus. „Es war wie eine Grippeimpfung“, sagt er. „Masern oder Tetanus sind viel unangenehmer.“

Zwei Zwischenfälle vor dem Impfzentrum

Vor dem Impfzentrum kam es derweil gestern zu zwei Zwischenfällen. Eine Person versuchte, ohne Termin gewaltsam Zutritt zum Impfzentrum zu erhalten. Der Sicherheitsdienst und die Polizei Polizei mussten den Mann abbringen. Eine weitere Person konnte ihren gewöhnlichen Aufenthaltsort im Landkreis nicht nachweisen. Sie muss an ihrem Heimatort München geimpft werden. Die beiden Impfdosen wurden an andere Hochpriorisierte vergeben.

Auch heute werden im Impfzentrum noch einige Menschen gegen Corona geimpft. Danach kehrt dort wieder Ruhe ein: Wann die nächsten Dosen eintreffen, ist weiter offen.

mas

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