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Corona-Statistik im Landkreis Miesbach: Trotz Grenzen wohl recht genau

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Von: Christian Masengarb

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Patienten könnten nicht immer in Corona-Gruppen eingeteilt werden, sagt das Krankenhaus Agatharied.
Patienten könnten nicht immer in Corona-Gruppen eingeteilt werden, sagt das Krankenhaus Agatharied. © Archiv TP

Das Krankenhaus Agatharied trennt in seiner Pandemie-Statistik nicht zwischen Corona im Haupt- und Nebenbefund. Die Landkreis-Todeszahlen vermitteln trotzdem einen guten Näherungswert für die tatsächlichen Opfer der Pandemie.

Agatharied – Einen Tag, nachdem unsere Zeitung im überregionalen Teil über die Auswirkungen der Omikron-Variante auf die Corona-Statistik berichtet hatte, hat auch das Krankenhaus Agatharied Einblick in Details seiner Infektionszahlen gegeben. Die Aussagen der Klinik spiegeln weitgehend jene anderer Krankenhäuser wider, erlauben aber weitere interessante Einblicke in die Statistik.

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Krankenhaus trennt nicht nach Corona im Haupt- und Nebenbefund

Wichtigste Gemeinsamkeit: Auch das Krankenhaus Agatharied kann nur die Gesamtzahl der in seinen Betten behandelten, mit Corona infizierten Patienten nennen. Es kann nicht beziffern, welcher Teil von ihnen hauptsächlich wegen des Virus dort lag und welcher Teil hauptsächlich wegen anderer Krankheiten. Hintergrund ist, dass die Klinik ihre Statistik nicht nach Corona im Haupt- oder Nebenbefund trennt, sagt eine Sprecherin. „Der Aufwand wäre sehr hoch, würde an der Behandlung nichts ändern und damit rein statistischen Zwecken dienen. Dazu kommt, dass diese Unterscheidung längst nicht in allen Fällen während der Behandlung eindeutig erfolgen kann.“ Botschaft: Die Praxis verhindert einige Wünsche, die Menschen an die Statistik stellen.

Ähnlich äußerten sich in unserer gestrigen Berichterstattung andere befragte oberbayerische Kliniken. Sie gingen jedoch davon aus, die meisten Corona-Fälle in ihren Betten dürften hauptsächlich oder ausschließlich wegen des Virus ihren Weg dorthin gefunden haben. Das Krankenhaus Agatharied gab dazu keine Einschätzung ab.

Derzeit spielt diese Frage dort ohnehin eher eine untergeordnete Rolle. Laut der Sprecherin versorgt die Klinik 14 Corona-Patienten auf ihrer Normal- und keine auf der Intensivstation – weit entfernt von den Höchstwerten im November und Dezember.

Corona-Todeszahlen im Landkreis relativ genau

Interessantes offenbart auch die Antwort des Krankenhauses auf eine weitere Frage, die Statistiker umtreibt: Wie viele der in Agatharied im Zusammenhang mit Corona verstorbenen Patienten sind ausschließlich oder hauptsächlich dem Virus erlegen und wie viele hauptsächlich anderen Ursachen? Genaue Zahlen kann die Sprecherin zwar auch hier nicht nennen, weil die Klinik diese Daten ebenfalls nicht erfasst. Auch hier sei die genaue Trennung schwierig. Der Klinik helfe sie kaum weiter, und sie binde viele Ressourcen, hatte das Krankenhaus in der Vergangenheit argumentiert.

Die Sprecherin verweist jedoch auf Studien, unter anderem der Deutschen Gesellschaft für Pathologie und des Bundesamtes für Statistik, nach denen bundesweit zwischen 80 und 90 Prozent der in Zusammenhang mit Corona Verstorbenen hauptsächlich oder ausschließlich am Virus gestorben sind. Sie verweist auch auf Aussagen, nach denen nicht alle Corona-Todesfälle als solche festgestellt werden. Das Landratsamt bestätigt außerdem, dass durch verschobene Behandlungen langfristig weitere Todesfälle hinzukommen könnten, zum Beispiel bei Krebspatienten.

Alles zusammengenommen bedeutet das: Die 141 Corona-Toten, die das Landratsamt in seiner Statistik seit Beginn der Pandemie zählt, vermitteln einen guten Näherungswert für die tatsächliche Zahl der Pandemieopfer im Landkreis. Die Zahl könnte genau stimmen, es könnten einige Tote weniger oder eher einige mehr sein. Definitiv daneben liegen aber Behauptungen, nach denen fast alle Verstorbenen der Statistik in Wahrheit etwas anderem als dem Virus zum Opfer gefallen sind.

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